Amaretto
Ein Kriminalstück in drei Akten von Ingo Sax
Regie: Bruni Hackenbruch


Ein Bericht von Ingo Brückner

"In jeder Tasse eine Hand" ist ein hübscher Versprecher, den Darsteller Jens Herting mit einem Seufzen selbst bemerkt, dann aber unbeirrt weiter spielt. Doch ganz so falsch ist dieser Satz auch nicht. Denn in Ingo Sax' Krimi dreht es sich um einen Mord, der durch ein Gift in einem Getränk verabreicht wird...und jeder kann seine Hand im Spiel gehabt haben.

Wir betreten den Löhrerhof in Hürth und werden bereits an der Kasse mit Amaretto-Plätzchen begrüßt. Ein schöner Einklang auf das nun folgende Stück. Die Bühne ohne Vorhang gibt ein konservativ gestaltetes Wohnzimmer mit Kamin preis, in dem die Handlung auch pünktlich beginnt.

Die Geschichte
Beatrice Moormann, wohlhabende Witwe des verstorbenen Konsuls, hat Geburtstag. Deshalb versammelt sich die liebe Verwandtschaft: Tochter Annabelle, eine feine Dame, die Nichte Ines Lüdecke, die die Geschäfte der Tante führt und Nichte Nicola Rohde, die fürs Arbeiten nichts übrig hat und lieber dem Jetset-Leben in aller Welt fröhnt. Auch der Hausarzt von Beatrice lässt es sich nicht nehmen, zum Geburtstag zu gratulieren. Die Haushälterin Karin serviert die ersten Getränke, als die Nachricht einbricht, dass die einzige Brücke, die über den Fluss führt, zerstört sei und ein Auto im Graben liege. Schnell klärt sich, dass es sich um Annabelle's Verlobten handelt, der schließlich verspätet und klatschnass zur Feier erscheint. Eine kleine Rede wird gehalten, und dann wird angestoßen - mit einem Amaretto-Punsch, den Haushälterin Karin gemixt hat. Beatrice Moormann, die herzkrank ist und eigentlich keinen Alkohol trinken sollte, setzt sich über die strengen Verordnungen des Arztes hinweg, trinkt kräftig mit und fällt kurz danach zu Boden. Ihr Hausarzt stellt den Tod fest. Szenenwechsel. Die Gäste sind geschockt, doch nach sehr kurzer Zeit wird Ihnen klar, dass es nun eine Menge zu erben gibt. Tochter Annabelle, die einzige, die traurig über den Tod ihrer Mutter zu sein scheint, ist fassungslos über die Gier Ihrer Nichten und ihres Verlobten auf das Erbe. Schnell wird der Safe im Wohnzimmer gesucht, der sich versteckt hinter einem Bücherschrank befindet. Um ihn zu öffnen, ist nicht nur die Zahlenkombination nötig, sondern auch zwei Schlüssel. Der Arzt kommt hinzu und verkündet, dass Beatrice vergiftet wurde. Der Mörder war ziemlich clever dabei, wählte er als Gift nämlich Blausäure, die, ebenso wie der Amaretto, nach Mandeln riecht. Der Schrecken ist groß und allen Beteiligten wird schnell klar, dass einer unter ihnen der Mörder sein muss, was dazu führt, dass sich die Familienangehörigen gegenseitig des Mordes bezichtigen. Als Dr. Hadenfeld mit detektivischem Spürsinn herausfindet, dass eigentlich Beatrice's Tochter und Haupterbin vergiftet werden sollte, lichtet sich das Gestrüpp aus Mutmaßungen und Verdächtigungen. Dr. Hadenfeld ist dem Mörder auf der Spur. Jetzt gilt es, den Mörder so in die Enge zu treiben, dass er sich selbst entlarvt. Er kombiniert, stellt Fragen und spielt einzelne Szenen mit allen Beteiligten nach. Und er findet die Giftkapsel im Mülleimer, auf dem sich dummerweise Fingerabdrücke des Mörders bzw. der Mörderin befinden. Na gut, der Mörder ist... - Nix da!

 

Meine Meinung zum Stück
Wie bei jedem Krimi ist der Zuschauer auch hier animiert, herauszufinden, wer der Mörder ist. So ist es nicht verwunderlich, dass in der Pause Verdächtigungen ausgesprochen werden wie z. B. "Die ist gar nicht tot" oder "ich glaub' die oder der war's, weil..." und am Ende?... kommt alles doch wieder ganz anders.
Regisseurin Bruni Hackenbruch gibt mit dieser Inszenierung ihr Debut im jungen Theater Hürth und als Regisseurin überhaupt. Dafür hat sie sich ein Stück ausgesucht, das Spannung verspricht, und wählt dafür Schauspieler, die spielerisch sehr auffallen und dazu auch viel Spielfreude mitbringen. Zeitlich ist das Stück schwer einzuordnen. Es gibt einen Anhaltspunkt, da man bereits von der Währung Euro spricht. Es verwundert jedoch, dass niemand dieser doch sehr weltlichen Personen ein Handy besitzt, und man auf ein Funkgerät zurückgreift, um die Polizei zu rufen. Ein Highlight der Inszenierung ist sicherlich Sabine Bartek als Nicola Rohde, die für richtig viel Wirbel auf der Bühne sorgt, weil sie herrlich kreischt, stöhnt, kokettiert und einfach völlig durchgeknallt ist. Pausenlos achtet sie auf ihr Aussehen, schminkt sich, kämmt sich die Haare, sprüht mit Haarspray und Deo um sich, während die anderen versuchen, einen Mord aufzuklären. Als sie von Mord zum ersten Mal hört, rutscht ihr sogar der Lippenstift vor Schreck aus, und sie fährt diesen über das halbe Gesicht. Total komisch! Allerdings läuft sie dabei Gefahr, vom Dialog der anderen zu sehr abzulenken. Und sie trinkt ganz gerne, insbesondere vor lauter Aufregung. Nach jedem Schreck nimmt sie einen großen Schluck aus der Amaretto-Flasche bis sie fast leer ist. Es verwundert nur, dass der viele Alkohol (Amaretto hat immerhin 20-28% Alkohol!) sie in keiner Weise physikalisch oder psychisch beeinträchtigt. Es wird überhaupt sehr viel getrunken in diesem Stück. Auch Beatrice Moormann, gespielt von Julia Herting, und ihre Haushälterin Karin, gespielt von Simona Faresin, hängen ständig und auch gerne an der Cognac-Flasche, und auch hier: keine Nebenwirkungen, außer der kleinen Ausnahme, dass Beatrice Moormann von dem Punsch stirbt. Charlotte Lichtenberg als Annabelle macht auch eine gute Figur als feine Dame, kann aber genauso gut mit Nicola keifen und wirft dabei herrlich schöne böse Blicke zu, erntet dafür jedoch von Nicola nur ein müdes "Hör' mal zu Cousinchen..." Jens Herting als detektivischer Arzt spielt sehr gelassen, und der Versprecher sei ihm an dieser Stelle einmal verziehen - war doch lustig! Carina Dick als Nichte und Erbin und David Junk als Annabelle's Verlobter runden die erfolgreiche Aufführung mit ihrer jeweils eigenwilligen Charaktere ab. Zwar waren die Anschlüsse aller, insbesondere am Anfang, nicht immer ganz so flüssig, die Darsteller wirkten ein wenig angespannt, doch spielten sie sich schnell warm, erzeugten sehr viele Lacher, und somit schwand auch die Nervosität. Es gab auch so manche unfreiwillige Situationskomik, wie zum Beispiel das (echte) "Hatschie" von Sabine Bartek, das Julia Herting zu einem höflichen "Gesundheit" aufforderte, um dann ihren Text unbeirrt weiter zu sprechen. Hier und da fiel es den Darstellern aber trotzdem sichtlich schwer, sich das Lachen dabei zu verkneifen.

Fazit:
Und das macht das Ensemble so sympatisch, denn der Funken sprang auch beim Puplikum über, das viel zu lachen hatte. Und da scheint auch der Schwerpunkt der Inszenierung zu liegen, nicht bei der Hochspannung. Diese erste Produktion des erst neu gegründeten Vereines ist, trotz ein paar Längen, wirklich sehenswert. Die angesprochenen kleinen Schwächen trüben das Bild einer Inszenierung mit viel Spielfreude und sehr lustigen Ideen keineswegs. Es macht Spaß, mitzuraten, und man erfreut sich kleinerer Textänderungen bzw. -beigaben,
die sehr witzig sind. Um eine hier zu nennen: "Guckst Du!"

Das schreibt die Presse

Und darum: Weitere Aufführungen:
26./27.. Juni 05
jeweils um 20.00 Uhr

oben