Barfuß im Park
eine Komödie von Neil Simon
Regie: Marita Ragonese


Ein Bericht von Ingo Brückner

Vorhang auf, Licht und Musik an: New York, New York erklingt, denn dort spielt die Geschichte. Das Bühnenbild stellt eine Wohnung dar, mit einer weiten Aussicht auf die Stadt bei Nacht - und von weit oben! In der Mitte eine Klappleiter, Farbeimer und andere Utensilien, die auf die Renovierung der Wohnung hinweisen. Da ist es erst einmal nicht verwunderlich, dass keine Möbel zu sehen sind - außer einer kleinen Spüle, die sich im Nachhinein als "die Küche" herausstellt.


Die Geschichte

Es hätte so schön sein können ... Eine mollig-warme und geräumige Wohnung hätte auf das junge Ehepaar Corie (Miriam Plath) und Paul Bratter (Manuel Freitag) warten können. Doch nein: Aus den Flitterwochen geht es direkt in ein kleines überteuertes Einzimmerappartement ohne Möbel in New York - und in den 5. Stock. Die Heizung funktioniert nicht, eine Fensterscheibe ist zerbrochen (und das im Februar), und um die Nachbarn ranken sich Mythen und Legenden. Unter ihnen wohnt ein Pärchen gleichen (aber nicht ganz erkenntlich welchen) Geschlechts und ein Thunfisch verzehrendes Geheimnis, über ihnen der 58jährige Herzensbrecher Victor Velasco (Jochen Meyn), der ständig knapp bei Kasse ist, die Miete nicht mehr zahlen kann und sich deshalb auch nicht mehr über das Treppenhaus in seine Wohnung traut und somit den Weg über das Schlafzimmerfenster des jungen Paares wählt.
Auftritt Corie Bratter, die sichtlich nervös scheint, weil sie auf die Möbel wartet, den Mann von der Telefongesellschaft und auf Ihren neuen Ehemann, der die Wohnung noch gar nicht kennt. Harry Pepper (Stephan Heuken) mit Telefon und Kabel beladen erscheint und installiert den Apparat und erzählt Corie nebenbei, in welches uminöse Haus sie gezogen ist. Nachdem er seine Arbeit verrichtet hat geht er und Corie's Mann erscheint sichtlich erschöpft und überrascht, dass die Wohnung so weit oben ist. Corie will unbedingt wissen, wie er die Wohnung findet, doch Begeisterung will sich nicht so richtig einstellen, und außerdem hat Paul nur Augen für seine schöne Frau. Das Warten auf die Möbel macht Corie immer nervöser als es erneut an der Türe klingelt und sich, oh Schreck, Corie's Mutter, Ethel Banks (Petra Christine Schiefer), ankündigt. Auch sie bricht in der Wohnung erst einmal über die zuvor erklommenen 60 Stufen des Treppenhauses zusammen. Dann wird die Wohnung begutachtet. Corie ist sehr bemüht, die Wohnung in ein positives Licht zu stellen, denn das Schlafzimmer ist viel zu klein für ein Einzelbett und Kleiderschrank, die Küche im Wohnzimmer untergebracht, das Badezimmer ohne Bad und die Farbe der Wand...Geschmacksache!
Nun gut, der Inspektionsbesuch wird gemeistert, doch Anwalt Paul hat am nächsten Tag seinen ersten Prozess und muss sich in der Nacht vorbereiten. Schade für den korrekten und würdevollen Paul: ohne Tisch und Stuhl ist dies schlecht. Schade für die impulsive und spontane Corie: Auch das Bett fehlt, und somit fällt als Alternative zur Prozessvorbereitung auch die Liebesnacht flach. Auftritt Victor Velasco, der eigentlich zu seiner Wohnung im Obergeschoss möchte, dabei aber durch das Wohnzimmer des Ehepaares gehen muss, wo er erschrocken auf Corie trifft und sie sogleich beflirtet. Eine perfekte Nachbarschaft scheint sich aufzutun, sieht Corie in Victor Velasco die Chance für eine neue Liebe...nicht für sich, sondern für ihre Mutter, die sich so gar nicht mehr traut, eine neue Beziehung einzugehen. Ein Treffen muss organisiert werden, und nachdem auch die Möbel eingetroffen sind, wird Einweihung gefeiert, und Victor findet in der Tat Gefallen an Mrs. Banks und umgekehrt (sie: korrekt und würdevoll; er: spontan und impulsiv). Über Corie's Verkupplungsversuch ist Paul nicht begeistert und der erste handfeste Ehestreit ist perfekt. Das Paar droht sich gegenseitig mit Scheidung und die Trennung wird ausgesprochen. Paul verlässt das gemeinsame Heim, als ein Telefonanruf verkündet, dass Corie's Mutter nicht zuhause in ihrem Bett geschlafen habe. Doch Ethel erscheint recht schnell wieder...in einem viel zu großen Schlafanzug. Es kam wie es kommen musste, Ethel hat bei Viktor übernachtet, und anstatt sich zu freuen, wird Corie bewusst, dass sie sich von Paul getrennt hat. Ethel beruhigt sie mütterlich und lässt sie anschließend alleine, da sie ja noch eine Verabredung habe. Auch Paul trifft sich wieder ein: betrunken, sein Anzug hängt auf halb acht, das Hosenbein hochgezogen und seine Schuhe nebst Socken sind verschwunden, da er barfuß im Park spazieren ging. Sie vertragen sich wieder und das Happy-End ist perfekt. Alle haben sich (wieder) lieb.

Meine Meinung zum Stück
In nur 4 1/2 Monaten hat das Ensemble eine recht witzige Inszenierung geschaffen. Die Darsteller haben sichtlich Spaß auf der Bühne und ihre Komik kommt gut beim Publikum an. Ob man junge Leute, die 60 Treppenstufen hinter sich gebracht haben, förmlich zusammenbrechen lassen muss, finde ich jedoch etwas übertrieben. Miriam Plath spielt souverän natürlich und mit viel Energie die Corie Bratter. Sie treibt das Stück gekonnt voran, organisiert, verkuppelt, streitet und schlichtet und gibt der Inszenierung somit auch das nötige Tempo. Da wird es für
Manuel Freitag als der korrekte Rechtsanwalt und ihr Ehemann schwierig, mitzuhalten. Im Stück scheint für ihn das Temperament der spontanen und impulsiven Corie ein Kampf zu sein, weshalb sie sich ja auch am Ende streiten. Schauspielerisch kämpft Manuel Freitag nicht nur mit diesem Kontrast. Auch Kostüm bzw. Anzug wirken bei ihm steif und unbeholfen, ist er doch sehr viel jünger als er spielt. Übertriebene Mimik und Gestik machen die Rolle etwas unecht. Dafür, dass es seine erste große Rolle ist, muss man aber auch Lob für das locker gemeisterte Textpensum geben. Für seine halsbrecherischen Stürze zu Boden und seine unbequeme Lage im Oberfenster, wo ihm nicht nur schlecht wird, sondern er sich auch nicht mehr herunter traut, erntete er schließlich den meisten Applaus.

Petra Christine Schiefer spielt die Mutter von Corie, und das macht sie herrlich. Mit gekonnt gespielter Freude gibt sie vor, wie schön die neue Wohnung ist, die ihr aber eigentlich gar nicht gefällt. Auf das Thema Liebe reagiert sie wunderbar verängstigt. Während des ganzen Hin und Her auf der Bühne spielt sie immer die Verwirrte, die nicht weiß, wie sie mit den verschiedenen Situationen klar kommen soll. Einfach nur lustig!

Jochen Meyn
ist die Rolle des Victor Velasco förmlich auf den Leib geschnitten. Als älterer Herr weiß er es perfekt, seinen Charme und seine gute Schule einzusetzen, um Mutter Ethel zu umgarnen. Er macht seine Sache "leidenschaftlich" gut.

Stephen Heuken als Harry Pepper in einer nur sehr kleinen Rolle am Anfang hat auch noch ein wenig Schwierigkeiten, seine Hände einzusetzen. Er ist eine große Erscheinung auf der Bühne mit einer faszinierenden Mimik, die er doch ruhig auch mal einsetzen könnte.


Fazit
Ein Stück zum Lachen mit viel Spielfreude bei den Darstellern und nettem Bühnenbild.

Und darum: Weitere Aufführungen:
22./27./28. Mai 05
03./04./11. Juni 05

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