| Bevor
wir den Theatersaal betreten, erblicken wir aus den Augenwinkeln ein Schild
an der Türe, das uns etwas überrascht: Fotografieren ist seit
neuestem nur "autorisierten" Personen gestattet. Mit anderen
Worten, es ist der Presse erlaubt aber uns nicht. Viele professionelle
Theater gestatten Fotografieren in der Tat nicht, doch halten sie dann
Fotos für die Öffentlichkeitsarbeit bereit. Dieser Verein tut
das leider nicht (an dieser Stelle einmal vielen Dank an alle Theater,
die uns für Erftkultur.info immer so nett mit Informationen
und Bildern bedienen).
Es
ist zwar schade, dass man unseren guten Willen, mehr Werbung für
unsere Theater im Rhein-Erftkreis zu machen, nicht unterstützen will,
aber das hält uns nicht davon ab, eine Meinung über dieses Stück
zu veröffentlichen.
Der nachfolgende Bericht bewertet
die Inszenierung trotzdem möglichst objektiv. Die Bilder wurden nach
(!) der Aufführung gemacht.
Wir
nehmen Platz im Theatersaal des Vereines und schauen erwartungsvoll auf
den verschlossenen Vorhang. Das Licht geht aus und ein Spot leuchtet die
linke Seite der Vorbühne aus. Es dauert eine ganze Weile, bis es
endlich losgeht und die Moritatensängerin (Katrin Döring) das
Spiel eröffnet.
Anmerkung: Moritat ist ein "Bänkellied" und diente
dem kleinen Mann im 17. Jahrhundert bis ca. 1930 dazu, Geschichten unters
Volk zu bringen. Üblicherweise wurden sie von Drehorgeln begleitet
und auf einem Holzbänkchen vorgetragen. Die Geschichten handelten
häufig von Unglücksfällen, Familientragödien, Morden,
Naturkatastrophen oder Liebesgeschichten. Besonders auf Jahrmärkten,
in Gassen, Häfen und Kirchweihfesten waren die Bänkelsänger
aktiv. Die Sängerin erzählt im Kurzen (Ohne Bänkchen
oder Drehorgel), was uns gleich auf der Bühne vorgestellt wird. Das
Lied endet und schnell werden noch ein paar Requisiten durch den Vorhang
gereicht - Das Publikum wartet geduldig. Dann öffnet sich der Vorhang
und zum Vorschein kommt ein eher schlichtes Bühnenbild: zwei Eingänge
rechts und links, in der Mitte ein Vorhang, der eine Tür andeuten
soll, rechts und links davon zwei aus Holzleisten angedeutete Fenster,
die den Blick auf die schmuddelige schwarze Stoffwand im Hintergrund leider
nicht verdecken. Auf der Bühne zwei Schränkchen, eine Sitzgruppe
mit Tisch - Fertig ist das erste von sieben Bildern.
Die Geschichte:
Wir schreiben
das Jahr 1838. Geheimrat Heckendorf hinterließ nicht nur 3 Töchter
(gespielt von Marlies Schuster, Monika Arnsfeld und Regina Martzog), sondern
diesen auch ein beträchtliches Vermögen. Zum Beispiel die Brauerei
Heckendorf, ein Haus in Charlottenburg und ein Sommerhaus in Merklin,
bei Neuruppin. Hier spielt die Geschichte! Ach ja, der Diener Rudolf (gespielt
von Frank Hilgert) fiel auch in ihre Hände - inzwischen ausgepowert
und krank. Eigentlich könnten die Schwestern sehr zufrieden sein,
aber Diener Rudolf will sie verlassen. Er will sich in südlicher
Sonne erholen. Dazu benötigt er Geld. - Geld, das ihm von den Damen
für seine Untergebenheit einst versprochen wurde. Da es sich aber
um Geld per Testament handelt, gestaltet sich die Sache sehr kompliziert.
Wie schon die Moritatensängerin singt: „Nehmen" ist bekanntlich
seeliger, denn „Geben"! Und so besucht Rudolf alle drei Damen
auf den Zimmern und bedrängt sie, ihm das Geld auszuzahlen, schreckt
dabei nicht vor Erpressung zurück, deren Geheimnisse über ihr
gemeinsames Liebesleben zu enthüllen. Die
drei Damen sind nicht sehr erfreut über Rudolf's Vorhaben. Und um
sich selbst vor peinlichen Enthüllungen zu schützen, planen
sie zu dritt, sich ihres Dieners zu entledigen. Sie diskutieren die Art
des Mordes - Gift, Blitzschlag, Stich ins Herz oder der Sturz durch eine
Falltür in einem Boot, mitten auf dem Meer. Die Wahl fällt auf
Arsen, doch Rudolf durchschaut das Vorhaben und tauscht das Arsen mit
Puderzucker aus. Als er sein Wissen über das Vorhaben der Damen preis
gibt und diese ihn dann noch als Lügner beschimpfen, eröffnet
er ihnen, den zuvor verspeisten Fisch vergiftet zu haben. Die Damen rächen
sich in ihrer Angst vor dem kommenden Tod mit der Behauptung, das alte
Fläschchen Arsen aufgehoben zu haben, und ihm dieses doch heimlich
verabreicht zu haben...oder doch nicht?
Wir verraten doch das Ende
nicht!
Meine
Meinung zum Stück
Leider
waren die besonderen Eigenschaften des Stückes, das herrlich schwarz,
wortwitzig und voller Überraschungen ist, zu wenig ausgearbeitet.
Das Zuschauen war so ein wenig mühsam und lang. Hierfür gab
es meiner Meinung nach mehrere Gründe: Die Inszenierung war sehr
textlastig, das heißt, es wurde zu wenig an Gestik, Stimme und Mimik
gearbeitet, um das Schauspiel interessant zu machen. Die Schauspieler
agierten größtenteils im Sitzen, so dass der Zuschauer eigentlich
zum Zuhörer wurde. Teilweise gab es Textunsicherheiten, die vielleicht
mit den manchmal schwierigen Textstellen und dem verständlichen Lampenfieber
zu erklären sind. Eine Pause im 2 Stunden dauernden Schauspiel hätte
sicher gut getan.
Frank
Hilgert als Rudolf, blass (da krank) geschminkt, hätte mehr
aus seiner Rolle machen können. Als listiger Diener hätte er
durch Mimik und Gestik seinen Text unterstützen und seine Person
auf der Bühne präsenter machen können. Durch seine Rolle
bekommt das Stück überhaupt erst seine Berechtigung. Leider
wurde sie dafür nicht
gut genug herausgearbeitet. Regina Martzog gab als Clementine
Heckendorf ihre Debut auf der Bühne von Szene 93. Als "die Jüngste"
der drei Damen war sie auffallend kindlich gekleidet: schrill rosa mit
Zöpfchen und Schleifchen im Haar. Sie beherrschte ihren Text, wirkte
aber teilweise sehr überdreht. Ihr Spiel und ihr Kostüm wurden
nicht immer einer "älternen Dame" gerecht. Monika
Arnsfeld als Cäcilie Heckendorf, ebenfalls neu auf der Bühne
von Szene 93, spielte souverän und textsicher, leider etwas zu ruhig
und somit unscheinbar. Mit ein wenig mehr Schwung hätte auch sie
das Stück für die Zuschauer interessanter gestalten können.
Marlies Schuster als Charlotte Heckendorf und erfahrene Darstellerin
bei Szene 1993 e.V. fühlte sich sichtlich wohl in ihrer Rolle als
"die ältere" Dame. Ihr Wortwitz entlockte dem Publikum
auch manchmal ein Lachen. Hin und wieder konnte man ihr Reaktionen auf
das Publikum anmerken, womit sie der Rolle kurz entglitt. Katrin
Döring, die Moritatensängerin, war anfangs etwas nervös,
war aber am Ende gelöster und sang auch sicherer.
Fazit:
Man
hätte wesentlich mehr aus dem Stück machen können. Es wirkt
trocken und durch die Textlastigkeit teilweise langweilig. Bei einem Stück
mit nur vier Darstellern auf der Bühne wird ein hohes Maß an
spielerischem Können jedes einzelnen abverlangt. Dem wurden sie leider
nicht immer gerecht. Auch ein schöneres Bühnenbild hätte
sicherlich zur Auflockerung des Schauspiels beitragen können. Schade!
Das schreibt
die Presse
Weitere Aufführungen:
So. 10. April 17 Uhr
Fr. 15. April 20 Uhr
So. 17. April 17 Uhr
Fr. 22. April 20 Uhr
So. 24. April 17 Uhr
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