FISCH ZU VIERT
eine Kriminalkomödie
von Wolfgang Kohlhaase und Rita Zimmer
Regie: Sabine Krauß


Ein Bericht von Ingo Brückner

Bevor wir den Theatersaal betreten, erblicken wir aus den Augenwinkeln ein Schild an der Türe, das uns etwas überrascht: Fotografieren ist seit neuestem nur "autorisierten" Personen gestattet. Mit anderen Worten, es ist der Presse erlaubt aber uns nicht. Viele professionelle Theater gestatten Fotografieren in der Tat nicht, doch halten sie dann Fotos für die Öffentlichkeitsarbeit bereit. Dieser Verein tut das leider nicht (an dieser Stelle einmal vielen Dank an alle Theater, die uns für Erftkultur.info immer so nett mit Informationen und Bildern bedienen).

Es ist zwar schade, dass man unseren guten Willen, mehr Werbung für unsere Theater im Rhein-Erftkreis zu machen, nicht unterstützen will, aber das hält uns nicht davon ab, eine Meinung über dieses Stück zu veröffentlichen.

Der nachfolgende Bericht bewertet die Inszenierung trotzdem möglichst objektiv. Die Bilder wurden nach (!) der Aufführung gemacht.

Wir nehmen Platz im Theatersaal des Vereines und schauen erwartungsvoll auf den verschlossenen Vorhang. Das Licht geht aus und ein Spot leuchtet die linke Seite der Vorbühne aus. Es dauert eine ganze Weile, bis es endlich losgeht und die Moritatensängerin (Katrin Döring) das Spiel eröffnet.
Anmerkung: Moritat ist ein "Bänkellied" und diente dem kleinen Mann im 17. Jahrhundert bis ca. 1930 dazu, Geschichten unters Volk zu bringen. Üblicherweise wurden sie von Drehorgeln begleitet und auf einem Holzbänkchen vorgetragen. Die Geschichten handelten häufig von Unglücksfällen, Familientragödien, Morden, Naturkatastrophen oder Liebesgeschichten. Besonders auf Jahrmärkten, in Gassen, Häfen und Kirchweihfesten waren die Bänkelsänger aktiv. Die Sängerin erzählt im Kurzen (Ohne Bänkchen oder Drehorgel), was uns gleich auf der Bühne vorgestellt wird. Das Lied endet und schnell werden noch ein paar Requisiten durch den Vorhang gereicht - Das Publikum wartet geduldig. Dann öffnet sich der Vorhang und zum Vorschein kommt ein eher schlichtes Bühnenbild: zwei Eingänge rechts und links, in der Mitte ein Vorhang, der eine Tür andeuten soll, rechts und links davon zwei aus Holzleisten angedeutete Fenster, die den Blick auf die schmuddelige schwarze Stoffwand im Hintergrund leider nicht verdecken. Auf der Bühne zwei Schränkchen, eine Sitzgruppe mit Tisch - Fertig ist das erste von sieben Bildern.

Die Geschichte:
Wir schreiben das Jahr 1838. Geheimrat Heckendorf hinterließ nicht nur 3 Töchter (gespielt von Marlies Schuster, Monika Arnsfeld und Regina Martzog), sondern diesen auch ein beträchtliches Vermögen. Zum Beispiel die Brauerei Heckendorf, ein Haus in Charlottenburg und ein Sommerhaus in Merklin, bei Neuruppin. Hier spielt die Geschichte! Ach ja, der Diener Rudolf (gespielt von Frank Hilgert) fiel auch in ihre Hände - inzwischen ausgepowert und krank. Eigentlich könnten die Schwestern sehr zufrieden sein, aber Diener Rudolf will sie verlassen. Er will sich in südlicher Sonne erholen. Dazu benötigt er Geld. - Geld, das ihm von den Damen für seine Untergebenheit einst versprochen wurde. Da es sich aber um Geld per Testament handelt, gestaltet sich die Sache sehr kompliziert. Wie schon die Moritatensängerin singt: „Nehmen" ist bekanntlich seeliger, denn „Geben"! Und so besucht Rudolf alle drei Damen auf den Zimmern und bedrängt sie, ihm das Geld auszuzahlen, schreckt dabei nicht vor Erpressung zurück, deren Geheimnisse über ihr gemeinsames Liebesleben zu enthüllen. Die drei Damen sind nicht sehr erfreut über Rudolf's Vorhaben. Und um sich selbst vor peinlichen Enthüllungen zu schützen, planen sie zu dritt, sich ihres Dieners zu entledigen. Sie diskutieren die Art des Mordes - Gift, Blitzschlag, Stich ins Herz oder der Sturz durch eine Falltür in einem Boot, mitten auf dem Meer. Die Wahl fällt auf Arsen, doch Rudolf durchschaut das Vorhaben und tauscht das Arsen mit Puderzucker aus. Als er sein Wissen über das Vorhaben der Damen preis gibt und diese ihn dann noch als Lügner beschimpfen, eröffnet er ihnen, den zuvor verspeisten Fisch vergiftet zu haben. Die Damen rächen sich in ihrer Angst vor dem kommenden Tod mit der Behauptung, das alte Fläschchen Arsen aufgehoben zu haben, und ihm dieses doch heimlich verabreicht zu haben...oder doch nicht?

Wir verraten doch das Ende nicht!

Meine Meinung zum Stück
Leider waren die besonderen Eigenschaften des Stückes, das herrlich schwarz, wortwitzig und voller Überraschungen ist, zu wenig ausgearbeitet. Das Zuschauen war so ein wenig mühsam und lang. Hierfür gab es meiner Meinung nach mehrere Gründe: Die Inszenierung war sehr textlastig, das heißt, es wurde zu wenig an Gestik, Stimme und Mimik gearbeitet, um das Schauspiel interessant zu machen. Die Schauspieler agierten größtenteils im Sitzen, so dass der Zuschauer eigentlich zum Zuhörer wurde. Teilweise gab es Textunsicherheiten, die vielleicht mit den manchmal schwierigen Textstellen und dem verständlichen Lampenfieber zu erklären sind. Eine Pause im 2 Stunden dauernden Schauspiel hätte sicher gut getan.

Frank Hilgert als Rudolf, blass (da krank) geschminkt, hätte mehr aus seiner Rolle machen können. Als listiger Diener hätte er durch Mimik und Gestik seinen Text unterstützen und seine Person auf der Bühne präsenter machen können. Durch seine Rolle bekommt das Stück überhaupt erst seine Berechtigung. Leider wurde sie dafür nicht gut genug herausgearbeitet. Regina Martzog gab als Clementine Heckendorf ihre Debut auf der Bühne von Szene 93. Als "die Jüngste" der drei Damen war sie auffallend kindlich gekleidet: schrill rosa mit Zöpfchen und Schleifchen im Haar. Sie beherrschte ihren Text, wirkte aber teilweise sehr überdreht. Ihr Spiel und ihr Kostüm wurden nicht immer einer "älternen Dame" gerecht. Monika Arnsfeld als Cäcilie Heckendorf, ebenfalls neu auf der Bühne von Szene 93, spielte souverän und textsicher, leider etwas zu ruhig und somit unscheinbar. Mit ein wenig mehr Schwung hätte auch sie das Stück für die Zuschauer interessanter gestalten können. Marlies Schuster als Charlotte Heckendorf und erfahrene Darstellerin bei Szene 1993 e.V. fühlte sich sichtlich wohl in ihrer Rolle als "die ältere" Dame. Ihr Wortwitz entlockte dem Publikum auch manchmal ein Lachen. Hin und wieder konnte man ihr Reaktionen auf das Publikum anmerken, womit sie der Rolle kurz entglitt. Katrin Döring, die Moritatensängerin, war anfangs etwas nervös, war aber am Ende gelöster und sang auch sicherer.

Fazit:
Man hätte wesentlich mehr aus dem Stück machen können. Es wirkt trocken und durch die Textlastigkeit teilweise langweilig. Bei einem Stück mit nur vier Darstellern auf der Bühne wird ein hohes Maß an spielerischem Können jedes einzelnen abverlangt. Dem wurden sie leider nicht immer gerecht. Auch ein schöneres Bühnenbild hätte sicherlich zur Auflockerung des Schauspiels beitragen können. Schade!

Das schreibt die Presse

Weitere Aufführungen:
So. 10. April 17 Uhr
Fr. 15. April 20 Uhr
So. 17. April 17 Uhr
Fr. 22. April 20 Uhr
So. 24. April 17 Uhr

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