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Wir
betreten den Saal der Galerie am Schloss und erblicken sogleich das Bühnenbild:
Ein Swimmingpool, davor drei Liegestühle und diverse Requisiten.
Hinter dem Pool eine weiße Wand, auf der sich das Wasser im Pool
zu reflektieren scheint. Eine feucht-fröhliche Inszenierung?
Regisseur Wolfram Zimmermann verzichtet auf einen Vorhang und somit kann
das Stück mit dem Auftritt des Moritatensängers (gespielt von
Wilfried Minwegen) beginnen.
Anmerkung: Moritat ist ein "Bänkellied" und diente
dem kleinen Mann im 17. Jahrhundert bis ca. 1930 dazu, Geschichten unters
Volk zu bringen. Üblicherweise wurden sie von Drehorgeln begleitet
und auf einem Holzbänkchen vorgetragen. Die Geschichten handelten
häufig von Unglücksfällen, Familientragödien, Morden,
Naturkatastrophen oder Liebesgeschichten. Besonders auf Jahrmärkten,
in Gassen,
Häfen und Kirchweihfesten waren die Bänkelsänger aktiv.
Begleitet von seiner Mandoline erzählt uns der Moritatensänger,
welche Geschichte uns erwarten wird. Während der letzten Klänge
der Mandoline zeigt eine Unterwasserkamera, projiziert auf die weiße
Wand, wie die einzelnen Damen durch den Pool tauchen und dann schließlich,
aber in echt, aus dem Pool steigen, wo sie von Rudolf dem Diener empfangen
und in einen Bademantel gehüllt werden.
Die Geschichte:
Wir schreiben das Jahr 1838. Geheimrat Heckendorf hinterließ nicht
nur 3 Töchter (gespielt von Nicole Beier, Gabriele Kauka, Edith Wanek),
sondern diesen auch ein beträchtliches Vermögen. Zum Beispiel
die Brauerei Heckendorf, ein Haus in Charlottenburg und ein Sommerhaus
in Merklin, bei Neuruppin. Hier spielt die Geschichte! Ach ja, der Diener
Rudolf (gespielt von Axel Gehring) fiel auch in ihre Hände - inzwischen
ausgepowert und krank. Eigentlich könnten die Schwestern sehr zufrieden
sein, aber Diener Rudolf will sie verlassen. Er will sich in südlicher
Sonne erholen. Dazu benötigt er Geld. - Geld, das ihm von den Damen
für seine Untergebenheit einst versprochen wurde.
  
Da es sich aber
um Geld per Testament handelt, gestaltet sich die Sache sehr kompliziert.
Und so besucht Rudolf alle drei Damen auf und bedrängt sie, ihm das
Geld bereits jetzt auszuzahlen, da er bald sterben müsse und noch
etwas von seinem Leben haben möchte. Clementine Heckendorf, die jüngste
Schwester, ist nicht erfreut darüber, dass Rudolf die Weltreise ohne
sie antreten möchte. Sie will mit, was Rudolf in Erklärungsnot
bringt. Als er erkennt, dass er bei Clementine keinen Erfolg hat, droht
er ihr, von der Liebschaft zwischen ihnen zu erzählen und setzt ihr
eine Frist, um über seine Forderung nachzudenken. Und
so versucht Rudolf jede der drei Schwestern mit dieser Methode dazu zu
zwingen, ihm das Geld auszuzahlen. Cäcilie Heckendorf, die ebenfalls
mit Rudolf ein Verhältnis hatte, will auch nichts von Rudolf's Weltreise
hören und verweist bei seiner Geldforderung auf die älteste
Schwester, die für's Geschäftliche zuständig ist. Lieber
schwelgt Cäcilie in der Vergangenheit. Sie tritt als Domina auf,
und Rudolf legt sich ihr gerne zu Füßen - Hauptsache, er bekommt
das Geld und dafür ist er "zu allem fähig". Und so
schlüpft er auch nochmal in das Kostüm des Soldaten, in dem
er ihr damals schöne Augen machte und spielt ihr vor, wie er sie
einst eroberte. Alle Wege zum Geld führen aber über die älteste
Schwester, Charlotte Heckendorf. Sie, ganz Geschäftsfrau, dürfte
am schwierigsten zu überzeugen sein. Und so gibt sich Rudolf auch
ganz geschäftlich und stellt Charlotte sein "Projekt" vor,
das er mit Ihr angehen möchte. Doch auch von ihr erhält er sehr
schnell eine Abfuhr, und auch seine Drohung, die Öffentlichkeit über
die Liebschaft mit ihr und seine erfahrene Erniedrigung zu informieren,
stoßen bei Charlotte auf taube Ohren. Um Rudolf's peinlichen Enthüllungen
zu entgehen, plant nun jede Schwester, sich ihres Dieners zu entledigen.
Animiert durch einen Zeitungsartikel diskutieren sie, welche Methode wohl
am besten wäre, einen Menschen zu töten - Gift, Blitzschlag,
Stich ins Herz oder der Sturz durch eine Falltür in einem Boot, mitten
auf dem Meer. Die Wahl fällt auf Gift. Und so versucht nun jede Schwester,
unentdeckt von den anderen, Rudolf's Lieblingslikör mit Arsen zu
vergiften. Doch Rudolf durchschaut das Vorhaben und tauscht das Arsen
mit Puderzucker aus. Als er die Damen entlarvt und diese ihn dann noch
als Lügner beschimpfen,
eröffnet er ihnen, den zuvor verspeisten Fisch vergiftet zu haben.
Die Damen rächen sich in ihrer Angst vor dem kommenden Tod mit der
Behauptung, das alte Fläschchen Arsen aufgehoben und ihm heimlich
verabreicht zu haben. So scheinen nun alle dem Tode geweiht, bis Rudolf
in seiner Angst alles wieder zurücknimmt und behauptet, der Fisch
wäre nicht vergiftet gewesen. Die Damen, glücklich über
diese Aussage, nehmen auch ihre Behauptung über den vergifteten Likör
zurück. Alles scheint wieder gut zu sein...
Meine
Meinung zum Stück
Feucht
wurde es nicht, dafür aber fröhlich. Das Stück bietet offenbar
wenig Möglichkeiten für eine temporeiche Inszenierung. Das ist
nicht sehr verwunderlich, denn alle dargestellten Personen sind nicht
nur eines reiferen Alters, ihr Alltag erscheint auch sehr ruhig und bequem
und somit wenig spannend. Dazu kommt Rudolf, der ausgepowert und unlustig
seinen Job verrichtet. Eine wirklich schwierige Vorgabe für viel
"Action" auf der Bühne. Regisseur Wolfram Zimmermann bedient
sich daher einiger Mittelchen, um eine lockere Atmosphäre zu schaffen.
So lässt er den Moritatensänger immer wieder zu einem Instrument
greifen (Mandoline, Gitarre, Mundharmonika, Bongo) und lockert die Szenen
angenehm auf. So trommelt er z. B. zu Rudolf's Träumen das Bild eines
afrikanischen Stammes auf die Bühne, während die Darsteller
dazu tanzen - sehr lustig. Auch die Videoprojektionen am Anfang und Ende
des Stückes sind gut gemacht und erzeugen großes Gelächter
im Publikum. Mit viel Liebe zum Detail wurde ein Bühnenbild geschaffen,
dass eben nicht dem Biedermeierstil nachempfunden wurde, sondern Moderne
und Lifestyle repräsentiert.
Eine Komödie mit nur vier Hauptdarstellern verlangt von jedem einzelnen
ein hohes Maß an schauspielerischem Können und Bühnenpräsenz.
Das schaffte dieses Ensemble mit großer Überzeugung. Allen
voran Axel Gehring als Diener Rudolf.
Er erfreute das Publikum mit seiner tollen und vielseitigen Mimik. Gesichtsstudie:
     
Fühlte
er sich anfangs sichtlich sicher in den einzelnen Gesprächen mit
den Schwestern, zeigte sein Gesicht im nächsten Augenblick Verwunderung,
dann Unsicherheit, und am Ende schenkte er jeder Schwester Verachtung,
wenn sie ihn abblitzen ließ. Seine basslastige Stimme ist ruhig
und klar, seine Gestik immer passend eingesetzt. Eine Freude, ihm zu zuschauen.
Die drei Schwestern sind eigentlich nicht so alt, wie es das Stück
vorsieht, aber das tut dem überzeugendem Spiel keinen Abbruch. Edith
Wanek als Charlotte spielt die Geschäftsfrau überzeugend,
ist aber auch noch ein wenig auf den Text fokussiert. Nicole Beier
als Cäcilie weiß es, ihre "dominante" Seite zu zeigen
und wirkt sehr relaxt auf der Bühne, so, als wäre es ihr Zuhause.
Gabriele Kauka als Clementine ist nicht nur die jüngste
Schwester, sie spielt sie auch extrem jung. Mit Zöpfchen und gespieltem
kindlichen Charme ist ihr Alter irgendwie schwer einzuschätzen. Dass
Rudolf "damals" ein Verhältnis mit ihr gehabt haben soll,
muss man dann einfach glauben. Jedenfalls wirkt Gabriele Kauka in ihrer
Rolle sehr überzeugend und gibt ihr eine Leichtigkeit, die auch einige
Lacher erzeugte. Und...Sie rrrrrollt das R so schön!
  
Zu guter letzt
Wilfried Minwegen als Moritatensänger beherrscht
seine Instrumente und gibt dem Stück die nötige Begleitung.
Ein wenig mehr marktschreierisches "Hört Ihr Leute und lasst
Euch sagen" hätte der Rolle mehr Ausstrahlung gegeben. So zurückhaltend
wirkte sie ein bisschen blass.
Fazit
Ein Ensemble mit viel Spielfreude, schauspielerischem Können und
guten Ideen macht "Fisch zu viert" zu einer heiteren Komödie
mit Lachgarantie.
Und darum:
 Weitere
Aufführungen:
15./20./21. Mai 05
oben
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