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Das
Ensemble des Phoenix-Theater hat sich diesmal keine Komödie ausgesucht
sondern wählte ein etwas ernsteres Thema. Die Angst von Bettina Glücks
(Vereins-Vorsitzende), dieses Stück könnte vom Publikum nicht
angenommen werden war jedoch unbegründet, denn es gab großen
Beifall für die wirklich große Leistung der Darsteller.
Tennessee Williams gelang mit diesem stark autobiographischen
Stück 1944 der große Durchbruch am Broadway. Seine Werke waren
sehr von Siegmund
Freud beeinflusst. In sehr einfach gehaltenen Dialogen von meist kleinbürgerlich
wirkenden Menschen erlebt man den Zusammenstoß der harten Alltagswelt
mit den Hoffnungen und der Sehnsucht dieser Personen. Es wird die permanente
Enttäuschung in einem unerfüllten Leben brutal und sehr effektvoll
geschildert. Seine Bühnenfiguren teilen seine lebenslange Suche nach
Trost und Geborgenheit. Sie spiegeln aber auch jene Lebenslüge, die
er sich selbst immer wieder auftischte: am Rande des Untergangs, ganz
einfach "glücklich zu sein". "Lüge ist das Gesetz
unseres Lebens, es gibt zwei Wege daraus: Alkohol ist der eine und Tod
der andere."
Die
Geschichte:
Schauplatz
der "Glasmenagerie" ist das Haus der Familie Wingfield in St.
Louis. Amanda Wingfield will für ihre beiden erwachsenen Kinder,
Tom und Laura, nur das Beste: "Glück und Erfolg". Tom empfindet
dabei jedoch massiven Fürsorgeterror. Er arbeitet in einer Schuhfabrik
als Lagerarbeiter und verabscheut seinen Job, denn er träumt davon,
Schriftsteller zu werden und fügt sich nur unwillig seiner Pflicht
als "Mann im Haus": Mit 65 Dollar ernährt er Mutter und
Schwester, denn sein Vater hat die Familie vor Jahren verlassen. Seine
Mutter hat sich über die Jahre in eine
glorreiche Erinnerungswelt als umschwärmter Teenie zurückgezogen.
Sie erzählt immer wieder ihre Geschichte von den siebzehn Verehrern,
von denen sie in ihrer Jugend umschwärmt wurde und ärgert sich,
dass sie ausgerechnet an einen charmanten Trinker geriet, der sie und
ihre Kinder am Ende auch noch sitzen ließ. Laura Wingfield arbeitet
nicht. Sie sabotiert den Schreibmaschinenkurs, den ihr die Mutter bezahlt
und geht stattdessen spazieren. Sie hört immerzu alte Schallplatten,
und sie liebt ihre Menagerie, ihren kleinen Zoo – eine Sammlung
von Glastieren. Sie leidet an starken Minderwertigkeitskomplexen aufgrund
ihrer frühkindlichen Behinderung, die sie in der High-School zum
Außenseiter machte.
Tom
gerät mit Mutter Amanda ständig aneinander, weil er ihre Fürsorge
satt hat. Und so kommt es oft zu heftigen Wortgefechten, die damit enden,
dass Tom genervt das Haus verlässt und, wie fast jeden Abend, ins
Kino geht. Amanda wünscht sich für Tochter Laura einen Freund
und drängt Tom, einen Mann für Laura zu suchen. Tom lädt
seinen Arbeitskollegen Jim zum Essen ein, der aber nichts davon weiß,
dass es sich um die Suche nach einem "potentiellen" Verehrer
für Laura dreht, und so wird der
Besuch bei den Wingfields ein zugleich komisches, rührendes und heilloses
Debakel. Laura wird für den Besuch des Arbeitskollegen
von der Mutter fein gemacht. Als die jedoch erfährt, dass es sich
bei Jim um einen ehemaligen Schulkameraden hält, in den sie auch
noch verliebt war, versagen bei ihr die Beine und der Magen, und somit
drückt sie sich vor dem gemeinsamen Essen. Doch Amanda und Tom ziehen
sich zum Spülen zurück und geben Jim und Laura somit Gelegenheit,
sich näher kennen zu lernen. Im Laufe des Gesprächs, bei dem
sich Laura extrem schüchtern verhält, kommen sie auf die Glasfiguren
in Laura's Menagerie zu sprechen, und ganz plötzlich fallen ihre
Hemmungen, und sie gibt ihre Sehnsüchte preis, lacht und scherzt
sogar. Jim lässt sich auf sie ein, macht ihr Komplimente, verführt
sie zum Tanzen und versucht so, Laura über ihren Minderwertigkeitskomplex
zu helfen. Für ihn ist es jedoch nur ein Spiel.
 
Am
Ende kommt es sogar zu einem Kuss. Jim merkt schnell, dass er zu weit
gegangen ist während Laura dahin schmilzt. Er flüchtet ziemlich
ungeschickt aus der Situation, indem er preis gibt, bereits verlobt zu
sein. Laura bricht verstört zusammen und ist zu keiner Regung mehr
fähig. Jim verabschiedet sich ziemlich schnell von Laura und Amanda,
die entsetzt ist. Tom, der damit überfordert ist, seiner Familie
ein besseres Leben zu bereiten, verlässt Mutter und Tochter, um sein
eigenes Leben in Ordnung bringen zu können.
Doch auch er
scheint nicht in der Lage, sein Schicksal zum Guten zu wenden...
Meine
Meinung zum Stück
Wie
zu Anfang erwähnt lieferte das Ensemble ein sehr sehenswertes Theaterstück,
das, auch wenn es ein Drama ist, hin und wieder mal lustig, aber dennoch
sehr nachdenklich stimmte. Fragen über die Zukunft der zurückgebliebenen
Mutter und Tochter bleiben offen, lassen aber nichts Positives vermuten.
Das Stück spielt in der Erinnerung von Tom Wingfield, der am Anfang
und zwischendurch als Erzähler auftritt, während die Spieler
auf der Bühne in ihrer Rolle verharren. Er kündigt an, dass
die Szenen im Halbdunkel spielen, um so die dunklen Erinnerungen darzustellen.
Dabei wird auch bewusst auf Kleinigkeiten, wie das Essen auf den Tellern
oder den Getränken in den Gläsern verzichtet.
Regisseurin
Fee Podgurski, die bereits mehrere Inszenierungen im
Phoenix-Theater erfolgreich durchführte, hat offenbar ein gutes Händchen
bei der Auswahl ihrer Darsteller. "Ich hätte das Stück
nicht gemacht, wenn ich auf Christoph Kolb und Verena
von Pidoll hätte verzichten müssen!" lautete ihr
Antwort auf die Publikumsfrage am Ende der Aufführung, wie sie die
Leute aussuchte. Aber auch über die Leistung von Kerstin
Rasmussen und Philipp Kalder war sie sichtlich
erfreut. Die Chemie zwischen Regie und Darstellern scheint zu stimmen,
denn man spürte, dass die Darsteller sich mit den schwierigen Rollen
identifizierten und sie von Freude bis zum tiefen seelischem Schmerz (mit
echten Tränen) auslebten. Allen voran Christoph Kolb
als Tom Wingfield. "Er liebt diese Rolle" äußerte
sich die Vorsitzende des Theaters. Und
er versteht es, seine Gefühle preis zu geben, wenn er verzweifelt
ist, wenn er mit seiner Schwester herumalbert, oder wenn er sich in einen
lauten Disput mit seiner Mutter verfängt und sein Körper vor
Anspannung bebt. Und auch als Erzähler spürt man seinen Unmut
über die fehlenden Zukunftsaussichten seiner Person und seiner Familie.
Verena von Pidoll spielte die "verkrüppelte" Schwester
Laura Wingfield, wobei ihre Behinderung sich auf ihre Minderwertigkeitskomplexe
und teilweise authistisches Verhalten reduzierte. Sie ließ das Publikum
mittrauern, und man war sich mit ihr schnell einig, dass sie mit ihrem
Verhalten kein glücklicher Mensch ist oder je sein wird. Gekonnt
zeigte sie Nervosität mit hilflosen Blicken und verkrampftem Klopfen
auf ihren Brustkorb. Ihre bittere Enttäuschung über Jim's Abfuhr
mit starrem Blick und Tränen in den Augen erzeugte eine unangenehme
Stimmung. Es fiel Ihr beim Schlussapplaus sichtlich schwer, die Rolle
wieder abzulegen, so sehr schien sie sich damit befasst zu haben. Kerstin
Rasmussen spielte die fürsorgliche Mutter Amanda Wingfield.
Sie wechselte ihre Stimmung ebenso facettenreich wie es die Situation
verlangte. Von hektisch umsorgend, träumend über flehend bis
hin zu heftigen Wutausbrüchen. Anzumerken sei hierbei, dass die Sprache
bei dem Gebrüll zwischen Mutter und Sohn immer verständlich
blieb und, rein technisch
gesehen, sehr diszipliniert ablief. Philipp Kalder als
Jim O' Connor spielte den Lagerarbeiter mit zu kurz geratenem Jacket-Ärmeln.
Die Wahl dieses Kostüms war sicherlich auch beabsichtigt, denn sie
stellt dar, dass Beruf und Berufung in seinem Fall nicht zusammen passen.
So gibt er sich äußerst höflich und allwissend und fühlt
sich souverän in der therapeutischen Behandlung von Laura. Seine
Lebenslüge: Mehr Schein als Sein. Und dabei hat Philipp Kalder großen
Spaß und spielt gekonnt cool. Unklar war jedoch, ob Gefühle
im Spiel waren, als er Laura küsste, oder ob es eben nur sein Spiel
war.
Das
Bühnenbild ist zweckmäßig eingerichtet und fügt sich
trotz tristem Mobiliar passend in die Szenerie ein. Die Beleuchtung und
besonders der ständige Wechsel in die verschiedenen Bühnenbereiche
ist gewöhnungsbedürftig. Gelungen sind die musikalischen Einspielungen.
Da ist das Glasklirren, wenn von Laura die Rede ist oder sie gerade auftritt
oder die Hintergrundmusik, die eine Stimmung erzeugt, als würde der
Zuschauer in einem Kinofilm sitzen. Die Kostüme sind grell bis schlicht
und unterstreichen die verschiedenen Charakterzüge der einzelnen
Personen.
Das Spiel mit den Glasfiguren, in deren Welt sich Laura hineinträumt,
hätte etwas mehr ausgearbeitet werden können. Diese wurden leider
nur am Rande behandelt und waren dadurch eher Nebensache. Ein wenig störend
ist die Rückwand der Glasmenagerie, in der sich das Scheinwerferlicht
spiegelt und den Zuschauer blendet.
Fazit
Großes Theater, viel schauspielerische Hingabe und sehr kurzweilig.
Eine stimmungsvolle Inszenierung, die man gerne empfiehlt.
Das schreibt
die Presse
Und darum:
 Weitere
Aufführungen:
30.
September
03./07./23./28.
Oktober 05
04./05.
November 05
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