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Bekanntlich
gelten Beziehungen zwischen Mann und Frau als fraglicher Streich der
Natur - so sagen Spötter der Ehe. All zu oft hört oder liest
man, dass Männer und Frauen eigentlich nicht zusammenpassen,
weil "Frauen
nicht einparken können und Männer nicht zuhören",
oder so. Also unterwirft man sich entweder den Zwängen einer Mann/Frau-Partnerschaft
oder sucht seinesgleichen? Aber auch Beziehungen zwischen Frauen sind
eine komplizierte Angelegenheit. Das lehrt uns das Stück von R.W.
Fassbinder. Ein Stück über Besitzgier, Eifersucht, Unterdrückung
und Abhängigkeit.
Inhalt
Die
erfolgreiche Modeschöpferin Petra von Kant lebt mit ihrer stummen
Sekretärin Marlene in einem luxuriösen Appartement. Einsam und
unglücklich, gefangen in sich selbst und ihren Beziehungen. Einer
alten Freundin, Sidonie von Grasenabb, erzählt Petra die Geschichte
ihrer zweiten Ehe: Von Frank habe sie sich scheiden lassen, weil der durch
ihre Karriere in seinem Stolz getroffen worden sei und dies im Bereich
der Sexualität zu kompensieren versucht hätte, bis Petra ihren
Ekel vor dem Mann nicht mehr ertragen konnte. Sidonie hingegen scheint
sich mit ihrem Mann und mit ihrem Leben eher gedankenlos abgefunden zu
haben. Petra lernt die junge Karin Thimm kennen und verliebt sich in sie.
Um Karin, die sehr jung, schön und ziemlich naiv ist, an sich zu
binden, verspricht sie, ihr eine Karriere als Mannequin zu ermöglichen.
Karin, die getrennt von ihrem Ehemann lebt, glaubt
sich im Himmel: eine erfolgreiche Frau, die ihr den Weg in die Welt der
Reichen und Schönen ebnen will. Karin lässt sich von Petra verführen
– die beiden werden ein Liebespaar. Nach einiger Zeit geht Karin
aber wieder ihre eigenen Wege: verbringt ihre Nächte in anderen Betten
– mit Männern, bricht ihre Ausbildung zum Mannequin ab, lebt
nur noch in den Tag hinein. Alles bezahlt von Petra, die Karin verfallen
ist. Doch Karin kehrt schließlich zu ihrem Gatten zurück, als
dieser überraschend von Australien nach Europa kommt. Petra, die
in diese Beziehung viele Emotionen investiert hat, reagiert mit Verzweiflung,
die
bis zur Hysterie reicht. Nichts ist mehr von Bedeutung, ihr Leben besteht
nur noch aus dem Warten auf einen Anruf von Karin und Alkohol. Doch Karin
ruft nicht an. An Petra's Geburtstag erhält sie Besuch von ihrer
Tochter. Auch ihre Mutter Valerie und Sidonie kommen oder besser brechen
über sie herein. Es wird wie immer die liebe Familie gemimt. Durch
ihren Schmerz aufgerüttelt, erkennt Petra jedoch, dass keine der
drei Frauen, die bisher ihre Familie waren, ihr wirklich nahe stehen.
Sie befreit sich von den Fesseln altgewachsener Beziehungen, weist ihre
Mutter, ihre Tochter und Sidonie schreiend aus der Wohnung. Doch nur Sidonie
verlässt den Raum beleidigt. Petra beruhigt sich, und sie beginnt
zu verstehen.
"Ich habe Karin nicht geliebt, ich habe sie nur besitzen wollen."
Die Erkenntnis wirkt wie die Befreiung von einer Obsession.
Nun bietet Petra ihrer Sekretärin
Marlene, die sie bislang als ergebenen Dienstboten tyrannisiert und gedemütigt
hat, eine neue Partnerschaft an
- ohne das bisherige Machtverhältnis...
Meine Meinung zum Stück
Ein Stück aus dem Leben und Gefühle, die fast jeder kennt. Eine
Trennung von seinem langjährigen Partner zu verschmerzen ist das
Eine. Eine weitere Beziehung wieder zu beginnen das Schwierige, will man
doch in erster Linie, natürlich unbewusst, eine Lücke schließen.
Nicht der Verstand leitet einen dahin, sondern die Sehnsucht, wieder zu
lieben und vor allem geliebt zu werden: "Der Mensch ist so gemacht,
dass er den anderen Menschen braucht. Doch hat er nicht gelernt, wie man
zusammen ist."Das Stück erzählt keine Geschichte über
die
Homosexualität unter Frauen. "Die Männer, ausgeschlossen
aus diesem Raum, sind ständig anwesend im Verhalten der beiden Frauen.
Petra und Karin spielen das alte Spiel von Besitzgier und Eifersucht,
Unterdrückung und Abhängigkeit."(*) Und das machen sie
mit viel Gefühl! Astrid Lenzen in der Rolle der
Petra von Kant spielt ein ganzes Repertoire an Gefühlen durch. Spricht
sie anfangs fast gleichgültig über Ihre Trennung, wandelt sich
Ihr Blick im nächsten Moment in Freude und Leidenschaft "Es
ist schön, wahnsinnig zu sein!", um schließlich,
enttäuscht von Karin's Abfuhr, in Selbstmitleid regelrecht zu zerfallen,
sich nutzlos und ausgenutzt fühlt und dabei immer wieder nach dem
Funken Hoffnung greift "Bitte belüg' mich!"
Britta
Halberkann als ihre Geliebte Karin Thimm hat es faustdick hinter
den Ohren. Karin spielt mit Ihren Reizen und weiß sichtlich um ihre
Wirkung. Sie verkörpert die Null-Bock-Generation, wurde als Kind
sich selbst überlassen, weil der Vater die Mutter erschlug und sich
dann selbst aufhing. Halberkann spricht ihren Text, als käme er aus
dem Bauch heraus und keinesfalls auswendig gelernt. Mit "Boah"
und "cool, und so..." bietet sie das passende Bild zu ihrem
Outfitt. Sie lebt die Rolle und hat dabei sichtlich Spaß.
Johanna Rautenbach als die Bedienstete Marlene hat zwar keinen
Text, da sie ja stumm ist, aber ihre Gefühle und Gedanken lassen
sich hervorragend in der Mimik und ihrer Körperhaltung ablesen und
unterstreichen somit als Spiegel die psychische Verfassung von Petra von
Kant und letztendlich das Stimmungsbild in den jeweiligen Szenen. Andrea
Ingenhaag spielt die Freundin Sidonie von Grasenabb, ein tratschendes
Plappermaul. Herrlich sind ihre Blicke wenn sie erbost ist. Ihre Rolle
als Society-Lady mit Küsschen hier und Küsschen da füllt
sie wirklich gekonnt aus. Patricia Kalbitzer-Woeste als
Petra's Mutter macht einen sehr beherrschten Eindruck auf der Bühne
und vermittelt, ganz im Sinne von Fassbinder, keine Muttergefühle
zu Petra von Kant.
Jana-Lisa
Mehlfeld, mit 13 Jahren die jüngste Darstellerin, spielt
die wohl ebenso junge Tochter von Petra und kann so richtig böse
werden, wenn Mutter schlechtes spricht. Ein schöner Anfang auf den
Brettern, die die Welt bedeuten mit Potential.
Fazit
Ein Thema, das Nachdenklich macht - aber keineswegs schwere Kost!. Ein
kurzweiliger Abend, viele Emotionen gespielt von einem Ensemble mit einer
großen Portion Leidenschaft. Toll!
Spielzeit incl. Pause: 2 Std.
Das schreibt die Presse
Und darum:
 Weitere
Aufführungen:
12./19.
Juni 05
jeweils
um 20.00 Uhr
(*) Wilhelm Roth, in "Rainer
Werner Fassbinder", Hanser Verlag, 1983)
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