Rose Bernd
ein Drama von Gerhart Hauptmann
Regie: Christos Nicopoulos


Ein Bericht von Ingo Brückner

In kleinen Gruppen gehen die Zuschauer mit Regenmantel und Wolldecke bewaffnet durch das Eingangstor der Abtei in Pulheim Brauweiler. Ich ahne Fürchterliches beim Check meiner Kleidung, und aus meiner Befürchtung wurde auch schnell Gewissheit: Rose Bernd wird als Open-Air-Veranstaltung gezeigt. Hätte es vorher nicht in Strömen geregnet, müsste ich mir keine Sorgen machen, aber beim Anblick des Himmels und der stark gefallenen Außentemperatur, stelle ich mir die Frage, ob ich das Stück bis zum Ende ansehen möchte. Doch das scheinbar erfahrene Publikum scheint sich auf die Aufführung richtig zu freuen und trotzt dem Wetter mit einem kalten Kölsch in der Hand.
Die Bühne befindet sich inmitten des "Wirtschaftshof" der Abtei Brauweiler unter einem schönen alten Baum auf dem zahlreiche Halogenscheinwerfer installiert wurden. Ein Bühnenbild gibt es nicht, nur eine schwarze Stoffwand im Hintergrund. Davor ein Sockel und ein paar Requisiten. Pünktlich startet das Stück mit dem Aufmarsch der Akteure.

Das Stück
Schauplatz ist Schlesien zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Die Bauerntochter Rose Bernd ist ein hübsches, frisches Mädchen von 22 Jahren, das bei vielen Männern des Dorfes Begehrlichkeiten weckt. Schwach geworden ist sie bisher nur bei einem, dem vitalen Gutsbesitzer Christoph Flamm, mit dem sie ein heimliches Verhältnis hat. Flamm ist verheiratet mit einer älteren Frau, die wegen einer chronischen Krankheit seit Jahren im Rollstuhl sitzt, Rose hat einen Bräutigam, den frommen, etwas schwächlichen und schüchternen Buchbinder August Keil, den sie wegen Flamm schon zwei Jahre auf ihr endgültiges Jawort warten lässt. Der brutale Maschinist Streckmann, ein eitler Wichtigtuer, belauscht eines Tages zufällig ein Treffen zwischen Rose und Flamm. Daraufhin vergewaltigt er Rose und erpresst sie, ihm auch zu Willen zu sein, andernfalls würde er Vater und Bräutigam ihr Geheimnis verraten. Rose ist tief gedemütigt und weist ihn ab. Als ihr klar wird, dass sie ein Kind erwartet, willigt sie in ihrer Angst überstürzt in die Heirat mit August ein. Streckmann lässt sich nicht abschütteln und bedrängt Rose weiterhin. August, der sie verteidigen will, lässt sich auf eine Schlägerei mit Streckmann ein, bei der er ein Auge verliert. Streckmann beschuldigt Rose bei dieser Auseinandersetzung, mit allen Männern geschlafen zu haben. Vater Bernd ist tief gekränkt über diese Behauptung und bringt Streckmann vor Gericht, zu der auch Flamm als Zeuge geladen ist. Aus Angst und Scham wagt Rose nicht zu sagen, was wirklich geschehen ist. Sie bringt allein ihr Kind zur Welt, tötet es nach der Geburt und sucht Zuflucht im Vaterhaus, wo sie dem Vater, August und einem Gendarmen Meineid und Mord gesteht. August, der von ihrem Schicksal erschüttert ist, hält trotz allem zu ihr. Vater Bernd versinkt in Fassungslosigkeit und Gebeten.

 

 

Meine Meinung zum Stück
Eines sei vorweg gesagt: Das schlechte Wetter war schnell vergessen. Geregnet hat es glücklicherweise nicht und die Kälte spielte angesichts der tollen Darbietung keine Rolle mehr. Regisseur Christos Nicopoulus hatte ein gutes Händchen in der Rollenbesetzung. Alle Darsteller spielten ihre Rollen so überzeugend, dass der Zuschauer von Anfang bis Ende dem Spiel gebannt folgen konnte. Kostüme und Requisiten reichten völlig aus, um dem Stück ein Bühnenbild zu geben. Schnell werden die einzelnen Spielorte klar, die sich im Kopf des Zuschauers zu einem Bild formten. Dazu hin und wieder schlesischer Dialekt und Gesangsgut "Mein Schlesierland - mein Heimatland" rundeten das Bild eines kleinen Dorfes, wo jeder jeden kennt, ab. Ein schöner Nebeneffekt sind übrigens die zwitschernden (echten) Vögel im Hof.

Die erst 16jährige Beate Lenzen schlüpfte in die Rolle der erst selbstbewußten und dann gedemütigten Rose Bernd und spielte sich schnell in die Herzen der Zuschauer, die sichtlich mit ihr litten, wenn sie auf der Bühne oft weinend und kraftlos zusammenbrach. Eine tolle Leistung! Getröstet und umsorgt wurde sie von der ebenfalls sehr jungen Anne Falkenburg als Schwester Marthel Bernd, die so schön sorgenvoll blickt und folgsam das Zimmer verlässt, wenn sie ins Bett gehört.

Vater Bernd, gespielt von Horst Pietrek, macht ebenso eine sehr gute Figur als gottesfürchtiger Vater. Er beherrscht Mimik, Dialekt, Spiel und lässt somit keinen Zweifel an der Rolle des treu umsorgenden Vaters aufkommen, der für seine Tochter kämpft, sich dabei regelrecht in Rage redet und am Ende völlig verstört über das Geständnis der Tochter auf einem Stuhl betend in sich kehrt. Martin Zschoch als Arthur Streckmann spielt seine Rolle ebenfalls genial - Man nimmt ihm diesen brutale Widerling, der locker cool auf die Bühne kommt, und dem man seine Schlitzohrigkeit regelrecht ansieht, wirklich ab. Was soll man mehr dazu sagen? Perfekt!

Harald Kootz als Rose's frommer Bräutigam August Keil ist sehr witzig in seinem ganzen Auftreten. Schüchtern fast ängstlich schaut der Buchbinder zu Boden, wenn Vater Bernd ihn zur Seite nimmt und versucht, ihn von seiner Tochter zu überzeugen. Selbst seine handgreifliche Attacke auf Streckmann hat etwas komisches, sieht man nämlich, dass sie den Christen richtig Überwindung kostet. Eine tolle Charaktere bis zum Ende gekonnt durchgespielt!

Gabriella Assmann zeigte eine überzeugende Frau Flamm. Im Rollstuhl gefesselt und somit in der Bewegung eingeschränkt nutzte sie besonders ihre Sprache und Mimik und überzeugte. Ebenso Martin Wilmers als ihr Mann und Geliebter von Rose Bernd machte eine gute Figur, wenn seine Rolle doch eher schlechten Charakters ist.
Ein Ekel - aber ein guter Ekel!

Und dann sind da noch die vielen Nebenrollen, die dem Stück so richtig viele Highlights verleihen: Die Mägde und Knechte Hans Rosenbaum, Claudia Merkle, Birgit Osterholt-Kootz, Patricia Falkenburg, Ursula Davanture, Johanna Rautenbach, Jenny Schreiber und Beate Holzhey die laut lachend über ihre Dorfgemeinschaft lästerten und sich so richtig derb aber keinesfalls übertrieben auf der Bühne bewegten. Ein richtiger Spaß!

Fazit
Eine tolle Truppe mit viel Spielfreude, ein nettes kurzweiliges Stück und ein Abend, der sich trotz schlechten Wetters mehr als gelohnt hat. Spielzeit inkl. Pause: 2 Stunden. Bei Regen spielt das Stück übrigens im Gierdensaal! Im Programmheft steht: "An kühlen Abenden bitte Decke mitbringen!" Wie gut, dass wir schon jetzt darauf hinweisen;-) Jedenfalls kann man es sich auch bei Kälte mit dem richtigen Equipment so richtig gemütlich machen.

Das schreibt die Presse

Und darum: Weitere Aufführungen:
04./10./11./17./18. Juni 05
jeweils um 20.00 Uhr

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