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kleinen Gruppen gehen die Zuschauer mit Regenmantel und Wolldecke bewaffnet
durch das Eingangstor der Abtei in Pulheim Brauweiler. Ich ahne Fürchterliches
beim Check meiner Kleidung, und aus meiner Befürchtung wurde auch
schnell Gewissheit: Rose Bernd wird als Open-Air-Veranstaltung gezeigt.
Hätte es vorher nicht in Strömen geregnet, müsste ich mir
keine Sorgen machen, aber beim Anblick des Himmels und der stark gefallenen
Außentemperatur, stelle ich mir die Frage, ob ich das Stück
bis zum Ende ansehen möchte. Doch das scheinbar erfahrene Publikum
scheint sich auf die Aufführung richtig zu freuen und trotzt dem
Wetter mit einem kalten Kölsch in der Hand.
Die Bühne befindet sich inmitten des "Wirtschaftshof" der
Abtei Brauweiler unter einem schönen alten Baum auf dem zahlreiche
Halogenscheinwerfer installiert wurden. Ein Bühnenbild gibt es nicht,
nur eine schwarze Stoffwand im Hintergrund. Davor ein Sockel und ein paar
Requisiten. Pünktlich startet das Stück mit dem Aufmarsch der
Akteure.
Das Stück
Schauplatz
ist Schlesien zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Die Bauerntochter Rose Bernd ist ein hübsches, frisches Mädchen
von 22 Jahren, das bei vielen Männern des Dorfes Begehrlichkeiten
weckt. Schwach geworden ist sie bisher nur bei einem, dem vitalen Gutsbesitzer
Christoph Flamm, mit dem sie ein heimliches Verhältnis hat. Flamm
ist verheiratet mit einer älteren Frau, die wegen einer chronischen
Krankheit seit Jahren im Rollstuhl sitzt, Rose hat einen Bräutigam,
den frommen, etwas schwächlichen und schüchternen Buchbinder
August Keil, den sie wegen Flamm schon zwei Jahre auf ihr endgültiges
Jawort warten lässt. Der brutale Maschinist Streckmann, ein eitler
Wichtigtuer, belauscht eines Tages zufällig ein Treffen zwischen
Rose und Flamm. Daraufhin vergewaltigt er Rose und erpresst sie, ihm auch
zu Willen zu sein,
andernfalls würde er Vater und Bräutigam ihr Geheimnis verraten.
Rose ist tief gedemütigt und weist ihn ab. Als ihr klar wird, dass
sie ein Kind erwartet, willigt sie in ihrer Angst überstürzt
in die Heirat mit August ein. Streckmann lässt sich nicht abschütteln
und bedrängt Rose weiterhin. August, der sie verteidigen will, lässt
sich auf eine Schlägerei mit Streckmann ein, bei der er ein Auge
verliert. Streckmann beschuldigt Rose bei dieser Auseinandersetzung, mit
allen Männern geschlafen zu haben. Vater Bernd ist tief gekränkt
über diese Behauptung
und bringt Streckmann vor Gericht, zu der auch Flamm als Zeuge geladen
ist. Aus Angst und Scham wagt Rose nicht zu sagen, was wirklich geschehen
ist. Sie bringt allein ihr Kind zur Welt, tötet es nach der Geburt
und sucht Zuflucht im Vaterhaus, wo sie dem Vater, August und einem Gendarmen
Meineid und Mord gesteht. August, der von ihrem Schicksal erschüttert
ist, hält trotz allem zu ihr. Vater Bernd versinkt in Fassungslosigkeit
und Gebeten.
Meine Meinung zum Stück
Eines
sei vorweg gesagt: Das schlechte Wetter war schnell vergessen. Geregnet
hat es glücklicherweise nicht und die Kälte spielte angesichts
der tollen Darbietung keine Rolle mehr. Regisseur Christos Nicopoulus
hatte ein gutes Händchen in der Rollenbesetzung. Alle Darsteller
spielten ihre Rollen so überzeugend, dass der Zuschauer von Anfang
bis Ende dem Spiel gebannt folgen konnte. Kostüme und Requisiten
reichten völlig aus, um dem Stück ein Bühnenbild zu geben.
Schnell werden die einzelnen Spielorte klar, die sich im Kopf des Zuschauers
zu einem Bild formten. Dazu hin und wieder schlesischer Dialekt und Gesangsgut
"Mein Schlesierland - mein Heimatland" rundeten das Bild eines
kleinen Dorfes, wo jeder jeden kennt, ab. Ein schöner Nebeneffekt
sind übrigens die zwitschernden (echten) Vögel im Hof.
Die
erst 16jährige Beate Lenzen schlüpfte in die
Rolle der erst selbstbewußten und dann gedemütigten Rose Bernd
und spielte sich schnell in die Herzen der Zuschauer, die sichtlich mit
ihr litten, wenn sie auf der Bühne oft weinend und kraftlos zusammenbrach.
Eine tolle Leistung! Getröstet und umsorgt wurde sie von der ebenfalls
sehr jungen Anne Falkenburg als Schwester Marthel Bernd,
die so schön sorgenvoll blickt und folgsam das Zimmer verlässt,
wenn sie ins Bett gehört.
Vater
Bernd, gespielt von Horst
Pietrek, macht ebenso eine sehr gute Figur als gottesfürchtiger
Vater. Er beherrscht Mimik, Dialekt, Spiel und lässt somit keinen
Zweifel an der Rolle des treu umsorgenden Vaters aufkommen, der für
seine Tochter kämpft, sich dabei regelrecht in Rage redet und am
Ende völlig verstört über das Geständnis der Tochter
auf einem Stuhl betend in sich kehrt. Martin Zschoch
als Arthur Streckmann spielt seine Rolle ebenfalls genial - Man nimmt
ihm diesen brutale Widerling, der locker cool auf die Bühne kommt,
und dem man seine Schlitzohrigkeit regelrecht ansieht, wirklich ab. Was
soll man mehr dazu sagen? Perfekt!
Harald
Kootz als Rose's frommer Bräutigam August Keil ist sehr
witzig in seinem ganzen Auftreten. Schüchtern fast ängstlich
schaut der Buchbinder zu Boden, wenn Vater Bernd ihn zur Seite nimmt und
versucht, ihn von seiner Tochter zu überzeugen. Selbst seine handgreifliche
Attacke auf Streckmann hat etwas komisches, sieht man nämlich, dass
sie den Christen richtig Überwindung kostet. Eine tolle Charaktere
bis zum Ende gekonnt durchgespielt!
Gabriella
Assmann zeigte eine überzeugende Frau Flamm. Im Rollstuhl
gefesselt und somit in der Bewegung eingeschränkt nutzte sie besonders
ihre Sprache und Mimik und überzeugte. Ebenso Martin Wilmers
als ihr Mann und Geliebter von Rose Bernd machte eine gute Figur, wenn
seine Rolle doch eher schlechten Charakters ist.
Ein Ekel - aber ein guter Ekel!
Und dann sind da noch die vielen
Nebenrollen, die dem Stück so richtig viele Highlights verleihen:
Die Mägde und Knechte Hans Rosenbaum, Claudia Merkle, Birgit
Osterholt-Kootz, Patricia Falkenburg, Ursula Davanture, Johanna Rautenbach,
Jenny Schreiber und Beate Holzhey die laut lachend über
ihre Dorfgemeinschaft lästerten und sich so richtig derb aber keinesfalls
übertrieben auf der Bühne bewegten. Ein richtiger Spaß!
  
Fazit
Eine tolle Truppe mit viel Spielfreude, ein nettes kurzweiliges Stück
und ein Abend, der sich trotz schlechten Wetters mehr als gelohnt hat.
Spielzeit inkl. Pause: 2 Stunden. Bei Regen spielt das Stück übrigens
im Gierdensaal! Im Programmheft steht: "An kühlen Abenden bitte
Decke mitbringen!" Wie gut, dass wir schon jetzt darauf hinweisen;-)
Jedenfalls kann man es sich auch bei Kälte mit dem richtigen Equipment
so richtig gemütlich machen.
Das schreibt die Presse
Und darum:
 Weitere
Aufführungen:
04./10./11./17./18.
Juni 05
jeweils
um 20.00 Uhr
oben
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