Na,
was erwartet uns da wohl alleine schon bei Betrachtung des Titels dieser
Revue mit acht Frauen? Beim Einlass sehen wir die Frauen auf der Bühne
auf ihren Schreibmaschinen schlafend und darauf wartend, vom Scheinwerferlicht
zum Leben erweckt zu werden. Die ausverkaufte Vorstellung beginnt dann
auch sehr schnell mit einem Klavierstück, gespielt von Joachim Jezweski.
Die wie von der Tarantel gestochenen Frauen schrecken hoch, schütteln
noch kurz ihre Hände aus und spielen passend zum "Type Writer"
von Leroy Anderson auf ihren Schreibmaschinen, die auch in den Folgestücken
immer wieder gerne als Taktinstrument Verwendung finden. Und so geht es
in dieser Revue in einem schnellen Tempo voran.
Acht
Sekretärinnen singen von ihren Sorgen und Nöten, die sich im
Büroalltag hinter der Schreibmaschine aufstauen und von verborgenen
Sehnsüchten und Lastern, die das Leben so mit sich bringt. Dazu bedient
sich Franz Wittenbrink so ziemlich allen Klischees über Frauen und
insbesondere über Sekretärinnen: po-wackelnd, aufgetakelt, Fingernägel
lackierend, schminkend, privat telefonierend und über Männer
bzw. "Neandertaler" lästernd. Die verschiedenen Typen:
der männerverschleißende Vamp, das äußerlich adrett-schüchterne
Hausmütterchen, die literaturversessene Moralistin, das schwangere
Papa-Kind, der Trampel, die Desorientierte mit Identitätsproblemen,
das Mauerblümchen und die Selbstbewußte. Alle träumen
von einer besseren Welt und natürlich vom Mann ihrer
Träume. Das scheint erst einmal der Chef zu sein, um dessen Gunst
die Damen buhlen. Ein Signal ertönt und erwartungsvoll, schon gierig,
schauen die Frauen auf die Lampe an ihren Schreibtischen, denn wenn diese
leuchtet, darf man zum Diktat. Kurze Zeit später öffnet sich
der im Hintergrund befindliche Aufzug, in dem die Damen erwartungsvoll
verschwinden, während die anderen neidisch hinterher blicken. Und
was sich in der Chefetage abspielt, ist ja wohl klar. Kommen die Damen
zurück, weiß auch der letzte Zuschauer, dass nicht nur diktiert
wurde. Und so darf fast jede mal zum Chef... Einziger Mann auf der Bühne
ist der Bürobote, der als Mädchen für alles herhalten muss.
Mal bringt er die Post, mal putzt oder fegt er das Büro. Und da der
Chef offensichtlich nicht zu haben ist, muss der Bürobote als Lustopfer
herhalten. Sonst eher zurückhaltend und wortkarg, kommt er kurz vor
der Pause aus sich heraus, reißt sich die Hausmeisterkutte vom Leib
und singt schmachtvoll "Se bastasse una bella canzone". Dabei
streichelt er lasziv sein übertrieben dargestelltes Brusthaar. Das
hält die Frauen nicht mehr auf ihren Stühlen, und sie kreischen
und grapschen wie durchgeknallte Teenies nach ihrem Superstar. "It's
a man's world" weiß der Bote...
Eine Handlung gibt es nicht, und das ist auch gut so, denn so sorgt das
Stück immer wieder für unvorhersehbare Überraschungen.
Wittenbrink selber bezeichnete die Uraufführung 1996
in Hamburg übrigens als "Liederabend". Die Sekretärinnen
singen solo oder im Ensemble eine ganze Palette von klassischen Musical-Hits
über stimmungsvolle Schlager bis hin zu Rock- und Popsongs. Und das
immer passend zur Situation oder Stimmung der Frauen: "Ich bin stark"
oder "Ich bin zu geil für diese Welt" aber auch "I
wanna be loved by you" oder "Respect" pointiert die Handlung
immer treffend. Und immer wieder im Einsatz die Schreibmaschine, die als
Taktinstrument dient, oder die Kaffeetasse, mit deren Hilfe der Donauwalzer
rhythmisch gespielt wird. Der Mann am Klavier, Joachim Jezewski, spielt
die Lieder gekonnt schwungvoll und sorgt für Höchststimmung
auf und vor der Bühne. Herrlich spielt Christine Gelder das Mauerblümchen,
die mit ihrer schrillen Stimme "Ein Schiff wird kommen" trällert.
Da schaut jedes Gesicht im Zuschauerraum schmerzverzehrt, aber auch kein
Auge bleibt trocken.
Mein
Meinung zum Stück:
Diese Revue lebt! Die schauspielerische und insbesondere gesangliche Qualität
der einzelnen Darsteller ist weit oben anzusiedeln. Viel Spielwitz und
tolle Pointen machen den Abend zu einem Erlebnis. Schrill, witzig, frech-frivol,
zugleich anrührend und originell kultig.
Fazit:
Sehenswert!
Weitere
Vorstellungen:
26./27./29./30./31. März 05
01.-03./26./27. April 05
18./19./21.-23./28. Oktober 05
Und
darum: 
Fotos:
© Hydra
Productions oben
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