| Das
Thalia-Ensemble in Kerpen Sindorf hat sich seit 1980 auf die Boulevardkomödie
spezialisiert, weil es einfach Spaß macht, die Leute zum Lachen
zu bringen, so Hans Josef Pütz, Regisseur und Hauptdarsteller im
aktuellen Stück. Und das hat sich in den ganzen Jahren bewährt.
Und so ist es auch heute in der Zusatzveranstaltung wieder voll im Saal.
Die Freude der Zuschauer ist schon vor Beginn der Vorstellung spürbar,
haben sie es doch geschafft, die begehrten und schnell vergriffenen Karten
der immerhein 17 Vorstellungen zu ergattern. Hans Josef Pütz ist
sichtlich begeistert über diesen Zuschauerzustrom, den die Truppe
seit Jahren gerade so bewältigt bekommt und sagt dabei sympathisch
lächelnd: "Wir könnten locker
noch 1000 Karten verkaufen". Dabei ist es ihm schon fast unheimlich,
spricht man in Kerpen doch schon davon, beim Kartenverkauf zu "maggeln".
Ich beendete das Gespräch dann 15 Min vor der Vorstellung, damit
er sich "aufwärmen" könnte, worauf er mir antwortete,
dass er das nicht bräuchte; er sei noch aufgewärmt von der gestrigen
Aufführung, denn "da war die Hölle los!". Somit nehme
ich Platz im Gemurmel und Gekicher des Zuschauerraums und bin voller Erwartungen
und Fragen darüber, woher der ungewöhnlich große
Erfolg der Truppe herkommt.
Der
Vorhang öffnet sich mit dem dazu passenden Song "Will you love
me tomorrow" von Gerry Goffin und Carole King. Das Licht gibt ein
liebevoll und aufwendig gestaltetes Bühnenbild preis. Es handelt
sich um ein Wohnzimmer mit Essecke. Typisch für eine Boulevardkomödie
befinden sich hier ganze sieben (!) Türen, die erahnen lassen, was
in den nächsten zwei Stunden passiert.
Die
Geschichte:
Claudia
und Jürgen Winkelmann kommen eine Woche früher aus den Flitterwochen
in ihr Landhaus zurück, da sich das Hotel in Spanien als Katastrophe
entpuppte. Das Essen war schlecht, die Wände waren so dünn,
dass die Zimmernachbarn auf Claudia's Fragen antworteten, und dann waren
da noch diese Spinnen, die nicht nur eklig sondern auch angriffslustig
zu sein schienen und zwar so, dass Jürgen sich auf den Zimmerschrank
flüchtete, der am Ende auch noch zusammenbrach. Doch das Schlimmste
für Jürgen war, dass er die ganze Zeit auf körperliche
Liebe verzichten
musste. Umso mehr drängt es ihn jetzt, seine Claudia im eigenen Heim
zu verführen. Doch Claudia braucht die richtige Stimmung und lässt
ihn erst noch zappeln. Während beide den Raum verlassen, treten nacheinander
Jürgen's Chefs mit je einer weiblichen Begleitung auf, nämlich
mit der Partnerin des anderen Chefs. Zur Erklärung: Jürgen hatte
seinen Vorgesetzten das Landhaus während der Flitterwochen zur Verfügung
gestellt, das aber offensichtlich bei der vorzeitigen Rückkehr aus
den Flitterwochen vergessen. Die beiden Liebespaare beziehen
ihre Zimmer und das turbulente Spiel kann seinen Lauf nehmen. Niemand
weiß von der Anwesenheit der anderen und jeder fühlt sich allein
im Haus. Bis zur ersten Begegnung zwischen Jürgen und dem Liebespärchen
Harry und Sarah. Jürgen, der ziemlich überrascht ist, seinen
Vorgesetzten mit der Frau seines anderen Chefs zu sehen, muss an seine
berufliche Zukunft in der Anwaltskanzlei "Gesellschaft für moralisches
und sauberes Leben" denken und lädt beide erst einmal bei sich
zum Essen ein. Während das geregelt ist, trifft jedoch Jürgen's
Frau Claudia auf das
zweite Pärchen Paul und Thea. Es kommt zum selben Ergebnis: Claudia
denkt an Jürgen's Karriere und lädt beide erst einmal zum Essen
ein. Und noch ein ungebetener Gast befindet sich im Haus: Ein (femininer)
Hobbyinstallateur, der einen undichten Wasserhahn beheben will. Aber zu
ihm später. Die Winkelmanns erzählen sich von ihren Begegnungen,
und beide denken, der andere würde vom selben Vorgesetzten reden...bis
sie beide erschreckt feststellen müssen, dass ganze zwei Paare im
Haus sind, die sie zum Essen eingeladen haben
und...die sich keinesfalls sehen dürfen. Das erste Paar, Paul und
Thea, nimmt im Wohnzimmer Platz. Jürgen sucht krampfhaft einen Grund,
sie loszuwerden bevor die anderen kommen. Er bittet das Paar, Wein in
einer entfernten Gaststätte zu holen, und damit dies auch möglichst
lange dauert, ruft Jürgen den Gastwirt an und bittet ihn, vom zweiten
Weltkrieg zu erzählen, und das dauert erfahrungsgemäß
lange genug, um das zweite Paar zu bewirten. Es dauert aber nur fünf
Minuten, da kehrt das Paar zurück und die anderen sind schon im Anmarsch...
Claudia und
Jürgen schaffen es im Laufe des Abends, beide Paare abwechseln zu
bedienen. Die einen sitzen auf der Terasse, die anderen im Wohnzimmer.
Im Dauerlauf wird Suppe,
Hauptgang und Nachtisch serviert. Das Ehepaar wechselt ständig zu
den jeweils anderen Gästen, die das Essen inzwischen als Wettrennen
empfinden: "Das ist ja wie bei der Tour de France; Essen und Trinken
während der Fahrt!". Am Ende löst sich die Misere zugunsten
aller auf. Aber bis dahin müssen die Winkelmanns ganz schön
schwitzen!
Meine
Meinung zum Stück
Dass
dieses Ensemble sich auf das Boulevardtheater spezialisiert hat merkt
man, denn hier stimmt einfach alles. Allem voran das irre Tempo mit den
im ständigen Wechsel erscheinenden und verschwindenden Personen.
Dazu ganz unterschiedliche Charaktere und ein sehr anspruchsvolles Bühnenbild.
Für Regisseur und Hauptdarsteller Hans Josef Pütz
musste das Stück zu den Darstellern passen, nicht umgekehrt. Eine
gute Vorgehensweise, denn jeder spielte seine Figur authentisch. Pütz
selber wirbelte auf der Bühne wie ein Wahnsinniger
zwischen den Spielorten hin und her und behielt weiterhin und fortwährend
seine sympathische und der Rolle angemessenen positive Ausstrahlung. Ihm
stand am Ende ganz schön der Schweiß auf der Stirn und trotzdem
verkündete er um 18.30 Uhr lächelnd: "Um 20.00 Uhr müssen
wir das ganze nochmals spielen". Und das muss auch seine Bühnenpartnerin
Uschi Knepper als Claudia über sich ergehen lassen.
Aber auch ihr merkt man den Stress nicht an. Ihr ganzes Spiel wirkte gut
einstudiert, ihr Mimik wechselte oft zwischen Verzweiflung
und Hoffnung, mal steht sie kurz vor dem Kreischanfall dann ist sie wieder
die treu umsorgende Gastgeberin, die dann aber ganz schnell mal wieder
weg muss. Man nimmt ihr voll ab, dass sie so eine verzwickte Situation
schon oft im Leben gelöst hat. Wenn nicht, ist sie eine tolle Schauspielerin.
Klaus Balsmann als Harry und Hans Peter Sieger
als Paul machen ihre Sache gut, wenngleich man bei manchen Szenen den
Eindruck gewinnt, dass sie noch zu sehr am Text kleben und sich somit
in der schauspielerischen Entfaltung etwas im Wege stehen. Doch
dieser ungewollte Eindruck macht die Figuren auch herrlich liebenswürdig.
Unterstrichen wird dieses Bild durch die doch sehr viel souveräne
Frau Ingrid Minke als Thea und Susanne Büchner
als Sarah, die über die Impotenz von Paul lächelt und seine
"Blähungen so gar nicht erotisch findet". Auch Harry bekommt
sein Fett von Thea weg, ist er nicht einmal in der Lage, eine Hose anzuziehen,
ohne den Reißverschluss zu zerstören. Auch den Liebesabend
versaut er, weil er den Mund dabei nicht halten kann und Thea seine Worte
zu sehr auf die Goldwaage legt.
Beide Darstellerinnen zeigen vollen Körpereinsatz und spielen auch
souverän. Und dann haben wir noch den "Rohrverleger" Sascha
Bücher als Sigi. Immer wieder tritt er mit einem bis zum
Ende hin ständig kürzer werdenen Abwasserrohr auf und kommentiert
die seltsamen Geschehnisse im Haus mit "Die haben doch alle einen
an der Klatsche!" während er, Unfähigkeit sei Dank, den
Keller unter Wasser setzt. Bücher steckt mit nacktem und gut trainiertem
Oberkörper in einer Arbeitshose und verkörpert somit das klassische
Klischee eines Handwerkers, spricht und bewegt sich dabei jedoch sehr
feminin. Eine Zuschauerin kommentierte ihn dann noch mit "Guck mal
wie der geht!". Bücher sorgt mit seinen Blicken und filigranen
Handbewegungen für viele Lacher. Absolut überzeugend gespielt!
Fazit:
Alles in allem
war es ein vergnüglicher Nachmittag bei dem Pütz nicht übertrieb:
Zwei Stunden Lachen! Leider sind, wie bereits erwähnt, alle Vorstellungen
restlos ausverkauft, und an Karten heran zu kommen wird auch in Zukunft
nicht einfach, denn "viele kaufen die Karten schon am ersten Tag,
ohne überhaupt das Stück zu kennen", so Pütz. Glückwunsch,
bzw. kein Wunder, denn bei Thalia gibt es die "Lachgarantie"
- daher der Erfolg!
Und darum:
 Weitere
Aufführungen:
29./30./31.
Oktober 05
04./05./06./11./12./25./27./27.
November 05
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