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Und wieder ist ein neues Musical
geboren. Das Rezept scheint einfach: Man nehme die Musik der legendären
Rock-Gruppe Queen und bastele eine Geschichte drum herum. Das
Skript rund um die Geschichte von Queen war übrigens bereits
geschrieben aber so unbefriedigend, dass man schließlich Ben Elton
involvierte, der sich an die jetzige Fassung machte. Und er erschuf das
"etwas andere Musical", dessen Geschichte sich in der Zukunft
abspielt:
Auf dem Planeten ebay
erscheint das Leben locker und fröhlich. Bunte Kleidung und Gedankengleichheit
schaffen ein harmonisches Leben unter den Menschen. Eine Ga-Ga-Welt, in
der nicht nur Rockmusik verboten ist, sondern auch Instrumente, die man
vorsorglich einst verschwinden ließ. Der Pop kommt nur noch aus
Computern. "Die Hits sind auf Jahre hinaus alle samt vorprogrammiert."
Caught in a landslide,
no escape from reality
Einige Rebellen, die Bohemians,
stören diese Harmonie. Der Widerstand gegen diese kalte Welt wächst.
Sie glauben an eine vergangene Welt, die Ära Rhapsody, in der die
Menschen Musik machten, sich in Bands formierten und eigene Songs schrieben.
Open your eyes, look up
to the skies and see
Und eine Legende besagt, dass
es auf dem Planeten ebay noch irgendwo Instrumente gibt. Eine "Axt"
(=Gitarre), des sagenumwobenen, großartigen und langhaarigen Gitarren-Gottes,
die tief in einem Felsen verborgen ist und nur von einem Helden gefunden
und befreit werden kann. Dieser Held scheint kein anderer zu sein als
der junge Galileo (gespielt von Alex Melcher bzw. Serkan Keyo).
He's just a poor boy from
a poor family.
Ein junger Mann, der die ganze
Zeit Song-Texte im Kopf hat und sie zitiert, aber nicht weiß, woher
sie kommen und was er damit anfangen soll. In ihm sehen die Schergen der
Geheimpolizei eine Gefahr für das System und nehmen ihn fest.
Gemeinsam
mit Scaramouche (gespielt von Vera Bolten), ebenfalls eine Rebellin
des Systems, flieht er und trifft auf die Bohemians, die beide
erst misstrauisch betrachten aber dann, nachdem Galileo seine
Songtexte zitiert, als Kenner der Formeln aufnehmen.
Und so machen sie sich auf
die Suche nach der verloren gegangenen "magischen Axt", immer
verfolgt von den Schergen der Geheimpolizei, angeführt von Kashoggie
(gespielt von Martin Berger), der wiederum von der
Killer Queen (gespielt von Brigitte Oelke), Herrscherin über
das System, befehligt wird.
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von links:
J. B. (Jeanette Biedermann)
Kashoggie
Killer Queen
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Die Rebellen werden aufgespürt,
verhaftet und schließlich einer Hirnwäsche unterzogen, so dass
sie nicht nur ihr Gedächtnis verlieren, sondern wie Zombies wirkende
leere Hüllen in einer Bar der Vergessenheit , der Seven Seas
of Rye enden, das von Bap
(gespielt von Mischa Mang), einem langhaarigen Rocker, der ebenfalls auf
der Suche nach der Vergangenheit ist, geführt und von Galileo
und Scaramouche gefunden wird. Bap hat in seiner Bar
nicht nur einen Fernseher aus alten Zeiten, sondern auch eine Video-Cassette
("Videocastagnette"), die er seinen neuen Freunden vorspielt:
Die Aufzeichnung eines alten Queen-Musicals, das er aber ganz plötzlich
abbricht, da der Rest des Videos nur mit "Ich bin ein Star, holt
mich hier raus" bespielt ist.
Bap weiß auch um die
Sage der verschwundenen Axt. Er vermutet, dass sie in Wembley, dem wahren
Ort des "Living Rock", und ganz nebenbei Stätte einer Vielzahl
von Queen-Auftritten, verborgen sein muss.
Was auch in diesem Musical
nicht fehlen darf, ist die Liebesgeschichte. Natürlich muss es so
kommen, dass sich Galileo und Scaramouche ineinander
verlieben und gemeinsam von einem besseren Leben träumen.
Schließlich
machen sich Bap, Galileo und Scaramouche mit
einer Harley-Davidson auf den Weg nach Wembley und finden dort ein altes,
zerfallenes Gemäuer.
Nach einem herzzerreißendem "I want to break free!" von
Galileo gibt es plötzlich einen lauten Knall, und ein Loch klafft
aus dem alten Gemäuer, in dem sie hervor funkelt: die mächtige
Gitarre!
Galileo ergreift die
Gunst der Stunde, um darauf zu spielen, was ihm mangels Talent jedoch
nicht gelingt. 
Scaramouche nimmt
sie ihm weg und beginnt das große Finale, zu dem auch plötzlich
alle Freunde der Bohemians erscheinen.
Das ist also das Ende, der
Geschichte. Die Rockmusik lebt wieder auf und alle sind glücklich...
...als plötzlich auf der
großen Videoleinwand die Frage "Wollt Ihr den Bohemian Rapsody?"
erscheint und das Publikum zu tosendem Applaus mit Zugabe-Rufen bringt.
Und wieder schnappt sich Galileo
sein Mikro, und dann wird richtig abgerockt. Leise und so wie es das Lied
will, sehr laut!
Meine Meinung zum Stück:
Liest man Auszüge aus der Presse, stößt man auf Schlagwörter,
wie "kurzweilig", "nahezu perfekt", "unkomplizierte
Story", "Gänsehaut-Stimmen", "erstklassige Band",
"purer Dynamit", "bombastisch", "schillernde
Videosequenzen", "eine bis zum vorsätzlichen Schwachsinn
absurde Handlung".
An
letzterem möchte ich anknüpfen, denn die Handlung ist wirklich
platt und am Ende auch noch unlogisch, wenn nämlich sowohl Kashoggi,
die Killer-Queen und die zu Zombies verdammten Bohemians aus dem Gemäuer
in Wembley kommen und kräftig mitgrölen. Kein wirklich verständliches
Ende - hauptsache Party. Man hat den Eindruck, bei diesem Musical haben
sich verspielte Musiker zusammengetan, um es anderen Musicals, wie z.
B. "Mamma Mia" mit der Musik von ABBA, gleich zu tun.

"Eigentlich ist es kein Musical" soll Queen gesagt haben, allen
voran Roger Taylor (Drummer von Queen), der Musicals nach eigenen Worten
sogar "hasst".
In London nennt man es übrigens "Rock-Theatrical". Und
mit diesem Kompromiss kann man leben.
Viele Gags lockern das Stück auf, sind aber so plakativ, dass sie
von der Geschichte zu sehr ablenken. So tragen die Rebellen Namen heutiger
Musiker wie Jeanette Biedermann, Dieter Bohlen und sogar - kann es noch
schlimmer kommen? - Daniel Küblböck. Hauptsache wieder ein Lacher?
Auch die Anspielung auf den Kleinkrieg zwischen Kölnern und Düsseldorfern,
wo denn der bessere Karneval tobt, oder dass man in Köln das Bier
aus Reagenzgläsern trinkt, gehören da einfach nicht hin. Aber
es gibt auch gute Gags. So fragt man sich auch in der Zukunft "Who
the fuck is Alice?", und man erfährt ganz nebenbei, dass Deutschland
2006 Fußballweltmeister wird!
Eines muss man aber sagen:
Wer die zeitlose Musik von Queen mag, ist hier richtig, denn die Band
ist grandios und der Sound wirklich "bombastisch". Am besten
ist in der Tat das Ende, denn da wird richtig abgerockt.
Fazit:
Wer Musical-Liebhaber ist und
sich in eine Geschichte hineinträumen möchte, sollte das Stück
eher nicht wählen und wenn doch, nicht so ernst nehmen und sich einfach
an der Musik erfreuen. Auch die vielen Bühnenwände, die sich
sonst hin und her bewegen und für immer neuere Welten auf den Bühnen
sorgen, vermisst man hier gänzlich. Es wird oft mit einer großen
Videoleinwand und viel Licht gespielt, was ein wenig kalt wirkt - Zukunft
eben. Ob das Stück in Köln lange lebt? In London läuft
es seit 2002 - sehr erfolgreich. Sicherlich eine Frage des Geschmacks.
Fotos mit freundlicher
Genehmigung von bb-promotion
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