"Eine Farce ist
eine Komödie die
das Ziel hat, die Zuschauer mit Hilfe unwahrscheinlicher oder extravaganter,
aber häufig möglichen Situationen, Verkleidungen und Verwechslungen
zu unterhalten. Sprachlicher Humor, inklusive Wortspiele und sexuelle
Anspielungen, und ein schnelles Tempo, das im Verlaufe des Stückes
noch schneller wird, und bewusste Absurdität oder Unsinn sind auch
häufig in einer Farce zu finden" (Quelle: Wikipedia).
Im
letzten Jahr hatte ich mir die Boulevardkomödie "Wirst
Du mich auch morgen früh noch lieben?" angeschaut und war
sehr begeistert. Ich war gespannt, ob die selben Darsteller in einer
anderen Rolle genauso überzeugen können.
Der Vorhang öffnete sich, und zum Vorschein kam (erwartungsgemäß) ein sehr
aufwendig und liebevoll gestaltetes Bühnenbild. Schauplatz ist ein Wellness-Hotel
mit, wie sollte es anders sein, vielen Türen. Ganz klar, dass es
hier wieder rund gehen wird.
Die Geschichte
Das junge Ehepaar Julia und Roland Dickerby führt zusammen mit Julias
Mutter Olivia de Vere eine kleine Wellness-Farm. Mutter Olivia hat
es dabei nicht leicht mit ihrem Schwiegersohn, dessen Arbeitseifer
sich schwer in Grenzen hält. Viel lieber läuft er zu Auktionshäusern,
um nutzlose Dinge wie alte Koffer, ein ausgestopftes Kamel oder eine
Koch-Puppe nebst Speisekarte zu ersteigern. Eines Tages taucht ein
Gast auf, der von den Toten auferstanden zu sein scheint:
Sidney,
der "verstorbene" Ex-Mann
von Julia. Die heile Welt gerät
aus den Fugen, denn von Sidneys ausgezahlter Lebensversicherung haben
Julia und Roland die Wellness-Farm gekauft. Seine "Auferstehung"
hätte nun zur Folge, dass die Farm verkauft werden müsste,
um die Versicherungspräme zurück zahlen zu können. Glücklicherweise
weiß außer
Roland bisher niemand von Sidneys Rückkehr und so schlägt
Sidney dem neuen Ehemann einen Handel vor: Sidney möchte einen
Safe-Schlüssel
von Julia haben, den Roland finden und ihm geben soll. Im Gegenzug
verschwindet Sidney wieder nach Madagaskar und will auch nichts von
der Versicherungsprämie wissen. Diese
Abmachung ist jedoch leichter ausgesprochen als erfüllt, denn es
gilt, den vermeintlich toten Ehemann erst einmal unsichtbar zu machen.
Es dauert auch nicht lange bis Mutter Olivia erscheint und Sidney auf
dem Boden liegen sieht, der in einem Schrank nach dem Safe-Schlüssel
sucht. Roland erklärt Ihr, dass es sich um einen besoffenen Kammerjäger handelt,
der nach einem Holzwurm sucht. Und so geht das Versteckspiel immer weiter.
Sidney soll sich in der Wellness-Oase verstecken, trifft dort aber
wieder auf Olivia worauf er mit seiner Kleidung ins Tauchbecken der
Sauna-Anlage springt. Roland besorgt ihm einen alten Regenmantel
zum Überziehen und verfrachtet ihn erst einmal in einen Gäste-Bungalow.
Dumm nur, dass
sich gerade Vanessa Harbinger, die Gattin eines Versicherungsfahnders,
mit Julia auf den Weg dorthin befindet. Als Sidney ihnen begegnet,
zieht er den Mantel über den Kopf, um nicht erkannt zu werden. Dummerweise
entblöst er dabei nackte Tatsachen und wird von da an als perverser
Exibitionist gesucht. Roland hat es indes schon schwer genug. Nicht
nur, dass Hooper, ein äußerst hungriger Gast, ihn ständig anfährt,
weil er die ganze Rohkost satt ist, er hat schwer damit zu tun, Sidney
immer wieder neu zu verstecken und ihn bei weiteren Begegnungen als
französischen Arzt oder als neuen Kellner den anderen zu erklären.
Doch ist es nicht zu verhindern, dass Julia trotzdem auf ihren Ex-Mann
bzw. Wieder-Ehemann trifft. Jetzt muss die Geschichte umgeschrieben
werden, denn alle erfahren es, dass Sidney doch lebt. Vanessa Harbinger
sieht ihn als Betrüger schon hinter Gittern.
Dies gilt es abzuwenden: Sidney
muss also wieder sterben. Der französische Arzt erklärt Vanessa, dass
Sidney am Ping-Peng Fieber erkrankt ist und sich nach der Diagnose das
Leben nahm. Vanessa ruft die Polizei. Doch wie erklärt man ihr, dass
es keine Leiche gibt? Also war alles nur ein Irrtum, denn das Heilwasser
der Farm verursacht manchmal Halluzinationen. Sidney muss also doch wieder
erscheinen, aber wie...?
Meine Meinung zum Stück
Dieses Ensemble
hat sich auf Komödien spezialisiert und geht dabei sehr professionell
vor. Regisseur und Akteur Hans-Josef Pütz hat
es einfach drauf, seine Komödien so zu inszenieren, dass wirklich
kein Auge im Saal trocken bleibt. So wie in dieser Inszenierung habe
ich es selten erlebt. Ein Schenkelklopfer folgte dem nächsten. Die
Zuschauer waren außer Rand und Band. Und die Darsteller auch. Nach
leichten Anlaufschwierigkeiten mit einem kurzen Textaussetzer spielte
es sich nicht warm sondern heiß. Mit einem irren Tempo sprinteten
sie über die Bühne, dass ihnen am Ende der Schweiß aus allen Poren
drang und hatten dabei ein ganz schönes Textpensum zu bewältigen.
Jeder der sieben Darsteller hatte dabei eine ganz besondere Rolle
zu verkörpern.
Sascha
Bücher spielte
Roland Dickerby. Er beherrschte seinen riesigen Text, weiß genau,
wie er das Publikum kitzeln und schließlich zum Lachen bringt. Er
läuft dabei aber Gefahr, sich eher auf die Wirkung seines brillianten
Erscheinungsbildes zu konzentrieren als auf die Rolle selbst. Denn
seine Mimik verrät, dass er über sich selbst gerne schmunzelt.
Da kommt es schon mal vor, dass er sich dazu verleiten lässt, mitzulachen.
Aber Schwamm drüber. Ohne ihn wäre das Stück nur halb so lustig.
Auch Klaus
Balsmann als Hooper und Running-Gag dieses
Stückes kann sein leichtes Grinsen nicht verbergen. Ständig taucht
er auf, sucht etwas zum Essen und versteckt sich in der Abstellkammer.
Schön gespielt. Hans-Josef
Pütz ist der tote, nicht tote und doch wieder tote
Ehemann Sidney, der französische Arzt mit "fronsösischem Accent",
der neue Koch, der neue Kellner, der Exibitionist und der Kammerjäger
in einer Person. Pütz inszeniert nicht nur überzeugend, er spielt
auch so, als wäre die Komödie sein Beruf und die Bühne sein Zuhause.
Ein
besseres Lob kann man nicht aussprechen.
Auch Susanne
Büchner brachte eine Glanzleistung als Vanessa
Harbinger. Wenn Sie auftrat ging es lustig zu. Mit schriller Stimme
und entsprechender Mimik spielte sie die neugierige "Miss Marple".
Nach einem ordentlichen Schluck aus der Gin-Pulle, torkelte sie
überzeugend durch das Geschehen und sorgte für viele Lacher. Herrlich! Ingrid
Minke spielte
die zickige Schwiegermutter Olivia de Vere. So stellt man sich
eine Business-Frau vor: Korrekt, streng, penibel und ständig kurz
vor dem Nervenzusammenbruch. Überzeugend gespielt und wirklich ein
Grund, als Schwiegersohn "tot zu bleiben".
Uschi
Knepper als Ehefrau
zweier Ehemänner spielte sehr natürlich und war der angenehme Ruhepol
in diesem hecktischen Hin und Her. Auch Andrea
Pütz als Polizistin
Sgt. Campbell spielte die Rolle authentisch, sachlich, gut.
Und was sagen die Zuschauer?
"Besorgst Du mir nächstes Jahr wieder eine Karte? Ich bin ab jetzt
dabei!". Ich glaube, das Ensemble könnte doppelt so viele Karten verkaufen,
aber "das hat dann nichts mehr mit Hobby zu tun" so Regisseur Hans-Josef
Pütz am Ende der Première. Denn wieder einmal sind alle Karten ausverkauft.
Und das spricht wohl dafür, dass Menschen gerne lachen, und dass sie
das besonders gerne in diesem Theater tun.
Fazit
Auch wenn ich Boulevardkomödien einfach nicht mag, war diese
Aufführung so lustig, dass ich sie auf jeden Fall weiter empfehlen
kann. Alleine die Spielfreude der Darsteller, das schöne Bühnenbild,
die irre Stimmung im Publikum und die teilweise wirklich guten Gags
sind es einfach wert, die Inszenierung zu sehen. Ich würde es
wieder tun.
Das schreibt die Presse
| Humor |
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| Schauspielerische Leistung |
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Weitere
Aufführungen:
15./20./21./22./28./29.
Oktober
06
03./04./05./10./11./24./25./26.
November
06
Infos: www.thalia-sindorf.de
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