George Dandin
Der gehörnte Ehemann
Eine Komödie von Jean Baptiste Molière
Regie: Ingo Brückner
Spielort: Phoenix-Theater Wesseling

   

Eigendarstellung
Die Inszenierung dieses Stückes erfolgt durch den Betreiber dieser Homepage.

Deswegen finden Sie hier keinen Bericht und keine Bewertung außer den offiziellen Veröffentlichungen in der Tagespresse.

Première des Stückes: 29.04.2006
Es handelt sich bei den Bildern um Fotos von der Generalprobe am 28.04.2006

Die Geschichte
George Dandin, ein einfacher, aber sehr reicher und geltungsbedürftiger Bauer, hofft, durch die Ehe mit dem adeligen Mädchen Angélique, Zugang zu den von ihm bewunderten Adelskreisen zu bekommen.

Diese ungleiche Verbindung bringt jedoch Probleme mit sich, die zu Tage treten, als der vom Hof in Versailles auf das Land gezogene, junge Edelmann Clitandre anfängt, der jungen Frau nachzustellen.

Die hübsche, lebenshungrige Angélique ist von seinen eleganten Umgangsformen sehr beeindruckt und geht auf seine amourösen Spielereien ein, da sie sich geschmeichelt fühlt und es nicht einsieht, dass sie - eben erst von ihren Eltern in die Freiheit entlassen - nun schon wieder auf alle Vergnügungen verzichten soll.

Zunächst gelingt es ihr auch, die Affäre vor ihrem Mann zu verheimlichen.

Doch durch den geschwätzigen Bauernburschen Lubin, der im Auftrag Clitandres heimlich kleine Botschaften an Angélique überbringt, und sich dabei Hals über Kopf in ihre kecke, kleine Zofe Claudine verliebt, erfährt George Dandin, was hinter seinem Rücken vorgeht.

In heller Empörung darüber, daß seine Frau die "heilige" Verbindung mit ihm so offensichtlich missachtet und sich seiner Meinung nach nicht im Geringsten wie eine anständige Ehefrau verhält, schickt er seinen Hausknecht Colin nach den Eltern Angéliques, Herrn und Frau von Sotenville, um sich bei ihnen über ihre Tochter zu beschweren und ihren strafenden Beistand zu erbitten.

Die zwar bis vor kurzem noch völlig verarmten, aber deswegen durchaus nicht weniger eingebildeten und auf ihren untadeligen Ruf bedachten, kleinen Landadeligen, die nur durch die Verheiratung ihrer Tochter aus der finanziellen Misere herausgekommen sind, verachten ihren bäuerlichen Schwiegersohn und wollen seinen Anschuldigungen schon allein wegen der so viel vornehmeren Abstammung ihrer Tochter keinen Glauben schenken.

Und als dann noch Angélique selbst, mit Hilfe der ebenso selbstbewußten wie frechen Claudine, ihren Eltern vorspielt, sie habe nichts, rein gar nichts mit Clitandre zu tun, erscheint George Dandin als ein übler Nachredner, der sie und den edlen Clitandre zu Unrecht beschuldigt hat.

In einer äußerst demütigenden Szene wird er dazu gezwungen, sich bei dem eitlen Höfling zu entschuldigen.

Immer wieder versucht George Dandin, das Ehepaar Sotenville zu Zeugen der Liebesabenteuer ihrer Tochter zu machen, und immer wieder schafft es Angélique, die scheinbar ausweglose Situation geschickt so zu ihren eigenen Gunsten zu wenden, daß ihren Eltern stets der betrogene Bauer als der schuldige und treulose Ehegatte erscheint.

George Dandin ist schließlich so blind darauf aus, endlich sein Recht vor den Schwiegereltern zu bekommen, daß er seine einzige Chance, seine listenreiche Frau einmal kleinlaut, unterlegen und zur Wahrheit bereit zu sehen, verspielt, und am Ende - dreimal geprellt - aufgibt.

Zickige Adelsdamen und das Bauernopfer

BERICHT VON SUSANNE NEUMANN, 01.05.06, 07:13h (Kölner Stadt-Anzeiger)
Das Phoenix Theater Wesseling überzeugt mit einer gelungenen Besetzung der Rollen in Molières „George Dandin - Der gehörnte Ehemann“.

Wesseling - „Der arme Kerl“ entfuhr es einer Zuschauerin mitten in der Premiere. Kein Wunder, denn Amateurschauspieler Volker Schumann setzte die verzweifelte Wut des Bauern George Dandin gekonnt in Szene. Mit vorgeschobenem Unterkiefer und zusammengezogenen Augenbrauen bellte Schumann seinen Text, der ihm in der Rolle des gehörnten Ehemanns George zugeteilt ist. George wird in Molières „George Dandin ou Le mari confondu“ - so der Originaltitel - nicht nur von seiner jungen Gattin aus adeligem Hause betrogen.

Dilemma

Sein Dilemma besteht darin, dass er seine Schwiegereltern Madame und Monsieur de Sotenville nicht von der Untreue ihrer Tochter Angélique überzeugen kann. Angélique redet sich mit Engelszungen heraus und lässt George gar als Trottel dastehen. Und die de Sotenvilles sind nur allzu bereit, den Lügen ihrer Tochter zu glauben. Schließlich gehören sie dem Adel an, während George nur ein Bauer ist, wenn auch ein reicher. Sein Reichtum war schließlich auch der Grund für die Hochzeit.

Molière brandmarkte mit seinem 1668 uraufgeführten Stück die Arroganz des Adels gegenüber der Bourgeoisie. Ingo Brückner, der mit „George Dandin oder Der gehörnte Ehemann“ erstmals beim Phoenix Theater Regie führt, konzentriert sich auf die komödiantische Seite des Stücks. Und das gelingt. Die Amateurschauspieler brillieren allesamt in den ihnen zugedachten Rollen und sorgen im „Kleinen Theater Rheinforum“ für eineinhalb Stunden kurzweilige und witzige Unterhaltung. Jochen Meyn und Franziska Düren haben allein schon durch ihr überkandideltes Auftreten als adelige Schwiegereltern die Lacher auf ihrer Seite. Auf Steckenpferden, deren Hufgetrappel Diener Colin mittels Kokosnuss-Schalen zu imitieren hat, tänzeln sie auf die Bühne, um ihr affektiertes Gehabe mit gespitzten Lippen der Lächerlichkeit preiszugeben. Als galanter Liebhaber Clitandre überzeugt Petra Christine Schiefer. Elegant umwirbt sie die gut einen Kopf größere Angélique, ohne als Frau in einer Männerrolle albern zu wirken. Eine Paraderolle hat Verena von Pidoll in ihrer Angélique gefunden, die mit hoher, weinerlicher Stimme ihre Unschuld beteuern kann, um im nächsten Augenblick die durchtriebene Intrigantin zu mimen. Herzerfrischend keck präsentiert Anne Glasow ihre Zofe Claudine, die mit dem verliebten aber dümmlichen Bauern Lubin (Stephan Heuken) spielt und Angélique fast eine Freundin ist. Und sogar in der kleinen Rolle des Colin, den die Regie vor allem als Bühnenarbeiter ins Spiel integriert, entfaltet Lissi Weiß ihr darstellerisches Können. Dass die Mitglieder des Phoenix Theaters Wesseling, das in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen feiert, keine Profis sind, mag man bei dieser Inszenierung kaum glauben.

Die Wut eines gehörnten Ehemanns
VON MARTINA MÜLLER, 03.05.06, 07:15h
(Kölnische Rundschau)

 

WESSELING. Vogelgezwitscher, Schweinegrunzen, ein niedliches Fachwerkhaus, eine lachende gemalte Sonne, eine perfekte Kulisse für Schäferspiele. Aber der Schein trügt: Auf die Bühne poltert der wutschnaubende wohlhabende Bauer George Dandin (Volker Schumann). Gerade hat ihm Lubin (Stephan Heuken), der Diener seines Nachbarn, des Vicomte Clitandre (Petra Christine Schiefer in einer Hosenrolle), zu verstehen gegeben, dass sein Herr in Dandins Frau verliebt sei.

Dem Adel den Spiegel vorgehalten.

Und Angelique (Verena von Pidoll), die junge Ehefrau aus adligem Hause, ist dem Schäferspiel nicht abgeneigt: „Vor mir liegt der Frühling und das Leben“, schwärmt sie. Hilfe erhält sie von ihrer Magd Claudine (Anne Glasow). Dies ist die Ausgangssituation der bitterbösen Komödie „George Dandin oder der gehörnte Ehemann“ von Molière, 1668 in Versailles uraufgeführt.
Vor ausverkauftem Haus hatte das Phoenix-Theater Wesseling im Rheinforum jetzt Premiere mit seiner Frühjahrsproduktion. Der Moralist Molière hält dem Adel den Spiegel vor. Er kritisiert aber auch das rücksichtslose Liebespaar und auch Dandin, den Sympathieträger des Dreiakters, denn sein Snobismus ist sein Verhängnis. Erst mit dem letzten Satz des Stücks tritt eine Wendung ein. Die Zuschauer erleben zwei Stunden lang die nicht enden wollende Raserei des bedauernswerten Gehörnten, der wie ein trotziges Kind wirkt und für den man mal Mitleid empfindet, mal muss man über ihn, der seine Wut an den unschuldigen Trauben auslässt, die er zu Matsch stampft, lachen. Niemand schenkt ihm Glauben, dass seine Frau ihn betrügt.
Die Schwiegereltern, die, prächtig ausstaffiert und herrlich dekadent auf ihren Steckenpferden über die Bühne galoppieren, wollen diese verkorkste Ehe schön reden, weil sie auf das Geld des reichen Tölpels angewiesen sind (dekadent näselnd der Vater, Jochen Meyn, mit graziösen Tippelschritten die Mutter, Franziska Düren). Für ihre Auftritte gibt es immer wieder spontanen Szenenapplaus.
Wie sehr sich der bedauernswerte Dandin auch bemühen mag, er findet keinen Weg, sich mit seiner Frau zu arrangieren. Die Ehe ist ein Desaster. Und nicht nur das, man zwingt den armen Tropf auch noch, sich für seine vermeintlichen Unterstellungen zu entschuldigen. Vor allem die skurrilen Elemente wie Pferdegetrappel, das der Diener Colin (herrlich verschroben in einer fast stummen Rolle: Lissi Weiß) täuschend echt mit Kokosnusshälften simuliert, sind es, die den Reiz der temporeichen Inszenierung von Ingo Brückner ausmachen.

Hinzu kommt die ganz hervorragende Artikulation und Diktion aller Amateurschauspieler. Die wunderschönen historischen Kostüme, zum Teil von den Bühnen der Stadt Köln zur Verfügung gestellt, zum Teil von Anne Glasow selbst gefertigt, sind eine wahre Augenweide.

Premiere mit Molière "gehörntem Ehemann":
"Oh, dieses elende Weib" (Werbekurier, von Montserrat Manke)

Wesseling (mm). "Oh dieses Weib. Dieses verdammte elende Weib": Der junge Goerges Dandin ist mit seinen Nerven wirklich am Ende. Ehefrau Angélique hat es nämlich faustdick hinter den adeligen Ohren - sie setzt ihrem proletarischen Gatten die berühmt berüchtigten Hörner auf, und der fleißige, strebsame Bauer kann irgendwie nichts, aber auch gar nichts dagegen unternehmen.

Tja, lieber George, da nützt Dir auch all Dein Geld nichts, mit dem Du Dich in die vornehme Familie derer von Sotenville eingekauft hast - dieses hochwohlgeborene Luder zeigt Dir Bauer schon im Jahre des Herrn 1668 wie eine gerissene Frau erfolgreich dem Fremdgehen frönt. Denn selbst als die Schöne schon zu Beginn des kurzweiligen und auf höchstem Maße amüsanten Theaterstücks von ihrem Gatten bei der Planung des Techtelmechtels mit dem Nebenbuhler ertappt wird - hat Dandin gegen die Listigkeit seiner Angélique einfach keine Chance.

Für ihre verblüffende Aktualität sind die Stücke von Molière, der eigentlich Jean-Baptiste Poquelin hieß und 1622 in Paris geboren wurde, ja bekannt und da macht "Dandin - der gehörnte Ehemann" sicher keine Ausnahme. Denn auch Anno 2006 weiß eine kluge Frau, wie sie es anzustellen hat, damit ihrem Gatten niemand glaubt, wenn er sie des (versuchten) Ehebruchs bezichtigt.

Insofern ist das neue Stück des Phoenix-Theaters, auch wenn es vor 338 uraufgeführt wurde, wieder ein echter Genuß, zumal die Akteure in ihren Rollen glänzen. Allen voran Jochen Mayn, der als Vater der Braut, Baron de Sotenville, seinen Schwiegersohn am laufenden Meter zurecht stutzt - da dieser sich die Eskapaden seines Weibes wohl doch nur einbilde. Mayn, der schon als alternder Liebhaber in "Barfuß im Park" glänzte, verkörpert den verarmten Edelmann, der außer seinem Hochmut und der adeligen Herkunft nicht mehr viel zu bieten hat (wenn man mal von dem Steckenpferd absieht, auf dem er und seine Frau zu den Auseinandersetzungen der Eheleute herangeritten kommen) ganz hervorragend.

Nicht weniger köstlich: Die Frau Baronin, die von Franziska Düren gespielt wird. So pikiert kann man nur schauen, wenn man "300 Jahre lückenlose Aristokratie" im Stammbaum hat. Volker Schuhmann mimt den gebeutelten Großbauern Dandin, der so schändlich betrogen wird. Und er macht es mit so viel Inbrunst, dass man Angst bekommt, er mache seine Drohung, sich angesichts der Schmach umzubringen, gleich wahr.

Als schöne Angélique überzeugt mal wieder Verena von Pidoll, die ebenso wie der Rest des Ensembles in einem großartigen Kostüm (von der Kölner Oper entliehen) auf der Bühne steht. In der Rolle des Geliebten geht Petra Christine Schiefer völlig auf - obwohl sie eine Frau ist und einen Mann darstellt. Ebenso gekonnt bewegen sich Stefan Heuken und Lissi Weiß als Diener sowie Anne Glasow als Zofe auf der Bühne.