Frère Diabolo
eine teuflische Komödie von Markus Wiegand
Regie: Helge Volkening
Aufführungsort: Junges Theater Hürth


Ein Bericht von Ingo Brückner

"Ich möchte erreichen, dass die Leute mit einem Schmunzeln nach Hause gehen!" sprach Helge Volkening, Regisseur des Stückes. Er führte zum ersten Mal Regie und suchte sich für seine Première eine Boulevardkomödie aus, in der das Verhältnis von Gut und Böse im Menschen dargestellt werden soll. Volkening hat die Fassung von Markus Wiegand überarbeitet, um sie in eine "unterhaltsamere Form" zu bringen.

 

Die Bühne zeigt eine schlicht-moderne Studenten-WG mit zwei Türen und zwei weiteren Durchgängen.Ein typisches Erscheinungsbild einer Boulevard-Komödie. Dazu eine Essecke, Sofa, Fernseher.

Die Geschichte
Eigentlich leben die drei Freundinnen Julia, Nina und Kathrin in Ihrer kleinen WG in bester Hürther Wohnlage ganz kommod und gedeihlich zusammen - wäre da nicht die herrschsüchtige und raffgierige Vermieterin Frau von Stahl, die sich einfallen lässt, die Miete durch einen neuen Mitbewohner der WG zu maximieren. Eine folgenschwere Maßnahme, denn der neue Mitbewohner ist ein getarnter Diener Luzifers und Abgesandter der Hölle - und somit ein Stachel im Fleisch der funktionierenden WG.
Diesen Teufelsbraten Armand stellt Julia ihren Freundinnen, mangels realer Erfahrungen, als fiktiver Freund Paul vor. Armand jedoch hat, gepaart mit Charme und Heimtücke, die Aufgabe zu erfüllen, Julia's naive Seele für Luzifer, der mit Gott gewettet hat, zu gewinnen. Doch der charmante Finsterling Paul, der sich diensteifrig ergeben auf den Boden wirft, wann immer er die Stimme Luzifer's aus dem Nichts hört, ist wenig erfolgreich bei Julia, an deren Moral und Naivität alle Versuchungen abprallen.
Dafür erleidet Vermieterin Frau von Stahl einen tödlichen Unfall und wird durch das Fenster nach unten "entsorgt". Kommentar einer Bewohnerin beim Aufprall: "Das war mein Auto". Während die robuste Nina den Eindringling resolut ablehnt, kommt ihm die kokette Kathrin dafür so nahe, dass Julia sich tief gekränkt von Paul abwendet. Paul scheitert schließlich an seiner Aufgabe und wird am Ende in die ewige Leere katapultiert, wo er mit seinen Gedanken verrückt werden soll.

Meine Meinung zum Stück
Neben guten Schauspielern benötigt man für Komödien eine große Portion Tempo, Gespür für Komik, und einen ständig wachsenden Spannungsbogen, denn ohne Spannung keine Lacher, allerhöchstens ein Schmunzeln.

Die Schauspieler wurden ihren Rollen größtenteils gerecht. Allen voran Charlotte Lichtenberg, die eine männerverschlingende Raubkatze spielt. Wenn sie auftritt, scheint sie die Bühne alleine mit ihrer verführerischen Ausstrahlung auszufüllen.
Dass sie die Männer zappeln lässt, um sie hinterher wieder suffisant fallen zu lassen, spielt sie äußerst überzeugend. Hut ab auch vor so viel Mut, sich in einem äußerst freizügigen Negligé auf der Bühne zu zeigen. Aber ihr steht es und der Rolle sowieso.

Carmen Thelen steht zum ersten Mal auf der Bühne, und erfreulicherweise spielt sie sehr locker und verleiht somit der Rolle eine glaubhafte Natürlichkeit. Sie selber sagt, dass sie sich mit der Rolle sehr leicht identifizieren konnte. Ich hatte den Eindruck, die Rolle wurde ihr auf den Leib geschnitten.


Birgit Clären spielt die träumerische Julia. Auch sie scheint sich in der Rolle heimisch zu fühlen. Sie wechselt gekonnt zwischen Leidenschaft, Naivität, Frust und Wut, wird zum Ende hin aber etwas zu einseitig, wenn sie in Selbstmitleid verfällt.

Iris Kluge als Frau von Stahl ist nicht nur Bühnenanfängerin, sie ist auch noch kurzfristig eingesprungen. Ihre verständliche Nervosität machte die Rolle anfangs etwas steif, doch schon beim zweiten Auftritt zeigte sie die gewünschte herzlose alte Dame. Die Maske sieht ein wenig zu übertrieben aus. In den ersten Zuschauerreihen konnte man ihre Falten eindeutig als schwarze Striche identifizieren.

Und zu guter letzt wäre da noch der Frère Diabolo, David Junk, der bereits mit "Amaretto" Erfahrung auf der Bühne des Jungen-Theater-Hürth sammeln durfte. Er spielt den teuflischen Armand bzw. Paul. Ein wenig unbeholfen wirkt er in seinem Anzug, weiß nicht so recht, mit seinen Händen umzugehen. Doch das, so Regisseur Volkening, ist Programm. Denn dieser Abgesante des Teufels steckt in einem fremden Körper. Da darf man schon einmal ein Auge zudrücken und unbeholfen sein. Im Laufe des Stückes wurde er jedoch zunehmend sicherer in der Darstellung.


Es gibt aber auch einiges zu verbessern. Das angesprochene notwendige Tempo fehlt etwas. Besonders zu Beginn des Stückes mangelt es an schnellen Anschlüssen, so dass weder Schauspieler noch Zuschauer richtig in Fahrt kommen können. So kommt es dazu, dass die Zuschauer eben hin und wieder schmunzeln aber nicht herzhaft lachen können. Eingebaute Gags, wie die Titelmelodie der Kuppelshow "Herzblatt" oder einfach nur schräge Schlafanzüge mit Tigerpantoffeln, treffen so nicht mehr den Lachnerv des Zuschauers, weil die Luft raus ist. Geschwindigkeit ist mit das Wichtigste in einer Boulevardkomödie. Die vielen Türen dienen in der Regel dazu, Personen in einem rasenden Tempo erscheinen und verschwinden zu lassen. Von dieser Regel wurde hier leider nicht Gebrauch gemacht, und so steht manches Mal die Bühne leer und nichts passiert. Das zerstört die Spannung, und die braucht man...zum Lachen. Die Hintergrundgeräusche sollten nochmals überdacht werden, denn ein schepperndes Kehrblech z. B. klingt nicht wie ein Körperteil, das auf ein Autodach fällt.

Fazit
Sein gestecktes Ziel, das Publikum zum Schmunzeln zu bringen, hat Helge Volkening sicherlich erreicht. Die Darsteller sind textsicher und spielen locker. Das Bühnenbild ist funktionell, das Stück lustig. Jetzt ist es an der Zeit, Tempo zu machen, damit dem Publikum der Atem stockt und sich mit großem Lachen entspannen kann. Das Publikum zum Schmunzeln zu bringen, heißt für mich, ein Stück zu präsentieren, das "ganz nett" ist. Mit zunehmender Routine werden die weiteren Vorstellungen sicherlich für immer mehr Spaß sorgen.

Das schreibt die Presse

Erotik
Schauspielerische Leistung
Bühnenbild
Humor
Tempo

Weitere Aufführungen:

16./22./23. April 06
07./20./27 Mai 06

Infos: www.junges-theater-huerth.de

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