Ein besserer Herr
eine Komödie von Walter Hasenclever
Regie: Uli Lussem
Aufführungsort: Harlekin-Theater, Frechen


Ein Bericht von Ingo Brückner

Ein wenig Vorlauf, mit bereits fünf Aufführungen, hatte das Ensemble, bevor wir uns das Stück in Frechen anschauen konnten. Ein erster Blick in den vollen Zuschauerraum ließ erahnen, dass sich diese Inszenierung wohl herumgesprochen haben muss. Gut gelaunt und mit stimmungsvoller Musik von Edith Piaf im Hintergrund wartete man auf den Startschuss der Komödie "Ein besserer Herr" von Walter Hasenclever, die im Jahre 1927 in Frankfurt uraufgeführt wurde.

Die Geschichte
"Die Hochzeit ist eine Firmengründung, die Ehe eine Firma und das ganze Leben ein Kontobuch" ist das Lebensmotto des reichen Fabrikanten Compass. Und so beschließt er, dass seine Tochter Lia heiraten soll, überlässt ihr dabei aber die Wahl des Gatten, denn "Geschmack ist Privatsache". Während die Mutter dagegen ist, stimmt Lia ein und verfasst gemeinsam mit ihrem Bruder Harry eine Zeitungsannonce: "Junges Mädchen aus guter Familie, reich und unabhängig, sucht Mann zwecks Heirat - einen Mann in den besten Jahren". Und schon nimmt das Verhängnis seinen Lauf. Denn auf die Anzeige meldet sich, unter einer großen Zahl anderer Kanditaten, ausgerechnet der Heiratsschwindler Möbius, ein nicht mehr ganz junger "besserer Herr", der einsame Damen in brieflicher und persönlicher Form beglückt.

In seiner Firma archiviert er bereits 10.000 Liebesbriefe, in denen er die versteckten Sehnsüchte einsamer, betuchter Damen befriedigt, gegen Geld, versteht sich. Ein lukratives Geschäft, so lukrativ, dass er sich sogar einen Büroleiter leisten kann - Rasper, ein untergetauchter betrügerischer Finanzbeamter. Ihm hatte Möbius einmal offenbart, dass er die Heiratsschwindlerkarriere aufgibt, sobald er sich wirklich verlieben würde. Das erste Treffen mit der attraktiven 19jährigen Lia bringt dann die Kehrtwende in Möbius' Leben. Er verliebt sich unsterblich in das junge Mädchen und obwohl er versucht, seine Gefühle zu beherrschen, kommt es auf der Parkbank zum ersten Kuss. Dabei haben die beiden aber nicht mit dem Detektiv, von Schmettau, gerechnet.

 

Der pensionierte Hauptkommissar, eine zwielichtige Gestalt, wurde von Lia's Mutter beauftragt, den Mann zu observieren, der auf die Heiratsanzeige antwortet. Und natürlich findet von Schmettau heraus, dass Möbius Dreck am Stecken hat. Da sich aber auch Lia in Möbius verliebt, wird die Sache nun kompliziert. Sie will Möbius unbedingt näher kennenlernen und besucht ihn in seinem Büro. Dort erfährt sie die ganze Wahrheit über Möbius' Machenschaften. Mutter Maria, Bruder Harry und Privatermittler von Schmettau stürmen das Büro, um Schlimmeres zu verhindern.

Zu spät. Die Liebe der beiden ist stärker als sachliche Moralvorstellungen. Bruder Harry nutzt die Gelegenheit der gefühlvollen Stunde und offenbart der Mutter seine Gefühle zur Zofe. Das ist dann doch des Guten zu viel und Vater Compass wird verständigt. Der ist verärgert über das Geschehen und zitiert Möbius zu sich. In einer Geschäftsbesprechung soll das Problem der ungewünschten Liaison mit allen Mitteln gelöst werden.

Doch mit viel Verhandlungsgeschick versteht es Möbius, Compass zu überzeugen. Der will in die Liebschaft einwilligen, wenn es Möbius gelingt, innerhalb von 24 Stunden sämtliche "Bräute" loszuwerden.

Meine Meinung zum Stück
Obwohl dieses Stück schon etwas in die Jahre gekommen ist, scheint es doch aktueller denn je zu sein. Denn die damalige Kritik an der Gesellschaft zur Zeit des Hochkapitalismus, an dem sachlichen Lebensstil, an der hektischen Betriebsamkeit, an der Skrupellosigkeit und Gefühlsarmut scheint auch heute noch mehr als berechtigt.
Uli Lussem hat das Stück geschickt in die heutige Zeit verwandelt. Sprache und moderne Kommunikationsmittel wie Computer und Handy machen das Stück äußerst zeitnah. Die Schauspieler sind gut ausgewählt. Michael Krause spielt den geschäftstüchtigen Unternehmer Louis Compass. Durch seine sachliche Art und den gefühlskalten Ausdruck verleiht er der Rolle einen glaubhaften Charakter.

Auch Monika Frantzen als seine Frau gibt eine herrlich besorgte und altmodische Mutter (mit einem kleinen rheinischen "sch"). Philipp Polzin als Sohn Harry macht einen lockeren, frischen Eindruck und spielt seine Rolle souverän und natürlich. Ebenso Tina Wollenhaupt in der Rolle der Unternehmerstocher Lia Compass. Sie überzeugt als 19jähriges Mädchen: naiv in der Liebe aber tüchtig in Geschäftsdingen. Heinz Horst beeindruckte sehr in seiner Rolle als hinterlistiger Heiratsschwindler. Seine Blicke, gepaart mit bösen Sprüchen, setzten immer wieder einen drauf auf die zahlreichen Pointen: Auf Lia's Frage, ob die Frauen wirklich so dumm seien, schaute Heinz Horst provokant ins Publikum und antwortete "Haben sie eine Ahnung!", was schallendes Gelächter mit sich zog. Schön auch die Szene, wo es an der Türe klingelte und eine seiner Bräute, Frau Schnütchen, meinte "Es war die Zeitung" und er beiläufig spöttete "Nicht die Lerche?" - Gehässig! Frau Schnütchen wurde von Dagmar Terheggen gespielt, und wieder einmal zeigte sich ihre Bühnenerfahrung in einer glänzenden Rolle. Man hätte sie gerne noch mehr als in dieser kurzen Szene gesehen. Ihre Art, das dumme Muttchen zu spielen, brachte einige Lacher. Mehr Dagmar Terheggen, bitte! Auch Susanne Holz gehört zu den alten Hasen der Harlekiner, und auch sie gab eine authentische verliebte Zofe. Hans Huppertz als Büroleiter Rasper, Horst Pietrek als Privatermittler von Schmettau sowie Wolfgang Krüger als strenger Sekretär von Compass und in Zweitrolle als steifer Polizist machten ihre Sache richtig gut. Zu erwähnen sind dann noch die Bräute des besseren Herrn, die via Videokonferenz auf eine Leinwand gebeamt wurden: Barbara Fodor, Sylvia Lange, Irene Lemke, Andrea Reiße, Johanna Seeländer, Barbara Schwend, Yvonne Wegener, Claudia Werner und Marion Wernitsch, die ebenso für einige Lacher sorgten.

Das Bühnenbild ist ein kleiner Knackpunkt in dieser Inszenierung. Aufgrund der zahlreichen verschiedenen Spielorte musste entsprechend oft umgebaut werden, insbesondere im ersten Teil vor der Pause. Obwohl viele eingespielte Hände die Kulissen und Möbel in zügigem Tempo hin und her schoben, dauerte es dann doch immer ein paar Minuten, bis das Bild stand. Raffiniert war eine Säule im Zentrum der Bühne, die einfach nur gedreht wurde und einen Kamin, eine Kommode mit Schubladen oder einen Aktenschrank preis gab.

Die dabei eingespielte Musik (Titelmelodie von Miss Marple) sorgte zwar für gute Stimmung, aber da es immer die selbe war, wurde man über das Warten mit zunehmenden Zwangspausen etwas müde. Doch wenn das Bild stand, war es immer wieder ein schöner Anblick.

Fazit
Eine modernisierte Komödie mit viel Wortwitz, deftigen Pointen und Schauspielern, die ihr Handwerk verstehen. "Wir sind reif für die Komödie" war das Motto von Walter Hasenclever in den zwanziger Jahren, denn die Komödie war sein Mittel, den modernen Lebensstil zu parodieren: das Zuwenden der Menschen auf Wirtschaftlichkeit und Erfolg, das sich in dem Begriff "Neue Sachlichkeit" schon damals formierte. Und das Ensemble hat es passend umgesetzt
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Schauspielerische Leistung
Bühnenbild
Humor
Tempo

Weitere Aufführungen:

23./29./30. April 06
06./20./21./25./27./28. Mai 06

Infos: www.harlekin-theater.de

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