Viele
Gäste sind gekommen und waren gespannt auf die vorverlegte
Première des Pulheimer Ensembles
im Rahmen des Theaterfestivals in Brühl.
Das karge Bühnenbild
lässt
sich mit einem Wort beschreiben: Sitzbank! Eines ist klar: Wenn das
alles an Bühnenbild ist, müssen die Darsteller viel leisten, um Atmosphäre
auf der schwarz umhüllten Bühne zu schaffen.
Zum Inhalt:
Prinz Philipp, ein verwöhnter Thronfolger eines fiktiven Königreichs
Burgund im heiratsfähigen Alter ist der immer gleichen Lustbarkeiten
mit den hingabefreudigen Hofdamen überdrüssig. Er begegnet
Yvonne, deren Andersartigkeit und Hässlichkeit ihn reizt und herausfordert.
Nachdem sich einige an Yvonne belustigt haben, will "der Prinz" mit
ihr einen richtigen Spaß treiben: Er beschließt, die hässliche
Bürgerliche zu heiraten. Sie ist dumpf, verschlossen, apathisch
schüchtern, plump, linkisch. Niemand kann sie ändern oder gar
erziehen, sie spielt nicht mit beim gezierten Zeremoniell und gelauntem
Getue des Hofstaates - Symbol für eine erstarrte Gesellschaftsform.
Um einen Skandal zu vermeiden, willigt König Ignaz und Königin
Margarethe in die Heirat ein.
Und so geschieht es, dass
Yvonne sich in den Prinzen verliebt. Von dieser Liebe überrascht,
fühlt
sich der Prinz verpflichtet, darauf als Mensch und als Mann zu reagieren
und wünscht dabei, er könne
sie auch lieben.
Die
Verlobung des Prinzen löst Spott und Klatsch im Hofe aus.
Yvonne's Schweigen und ihre Passivität bringen die Königsfamilie
in eine schwierige Lage. Yvonne's natürliche Unzulänglichkeiten
entfesseln zudem gefährliche Ideen:
Sie
wird zur permanenten Provokation für ihre glamouröse, schicke,
gekünstelte Umwelt. Allein
ihre bloße Anwesenheit wird wegen ihrer Schweigsamkeit zur unerträglichen
Bedrohung für alle und so bringt sie das System ins Wanken.
Jeder entdeckt in ihr die eigenen Defizite und Schwächen, die sonst
sorgsam hinter einer Maske von Etikette und Konvention versteckt sind...
Eine Epidemie ungesunden Lachens sucht den Hof heim. Der König entsinnt
sich seiner alten Sünden und die heimlich wie besessen schreibende
Königin
kann nicht mehr verbergen, wie entsetzt sie über ihre Gedichte ist,
die, so entdeckt sie, Yvonne gleichen.
Absurde
Verdächtigungen kommen auf. Die Dummheit und der Unsinn
greifen um sich. Jeder spürt es, auch der Prinz, doch weiß er
nicht, was er tun soll. Er fühlt sich selbst hinsichtlich Yvonne's
absurd. Wie könnte er sich da noch verteidigen? Er meint, einen
wirksamen Gegenschlag zu tun, umarmt öffentlich eine Hofdame
und verlobt sich mit ihr, nachdem der mit Yvonne gebrochen hat. Doch
ein wirksamer Bruch ist nicht möglich, denn er weiß, dass
Yvonne immer an ihn denken und sich auf ihre Weise das Glück des
jungen Paares vorstellen wird worauf Prinz Philipp
beschließt, Yvonne zu töten.
Auch
der König, die
Kammerdienerin und die Königin wollen ihr an den Kragen. Doch
sie direkt zu töten übersteigt
ihre Kräfte: der Akt erscheint zu dumm, zu absurd, kein formeller
Grund rechtfertigt das, und die Konventionen sprechen dagegen.
Die Bestialität, die Wildheit, die Dummheit und der Unsinn wachsen
unaufhörlich im Hofe. Auf den Rat der Kammerdienerin beschließen
sie, den Mord zu organisieren und zugleich den Anschein der Majestät,
der Eleganz, der Überlegenheit zu wahren. Es wird ein Mord von
oben sein und nicht von unten. Das Unternehmen gelingt. Die Königsfamilie
kommt wieder zur Ruhe.
Meinungen zum Stück:
Das Ensemble erntete lang anhaltenden Applaus für diese „tierisch
komische Inszenierung“.
Tierisch deswegen, weil die Hauptdarsteller
in ihren Rollen immer wieder Bewegungen und Laute von Tieren auf der
Bühne imitierten. So spielte Martin
Wilmers den König Ignaz mit kräftiger Stimme und wildem
Haar, fauchte dabei unentwegt bedrohlich wie ein Löwe, um sich Respekt
zu verschaffen. Ursula
Davanture als
Königin
wackelte wie eine Ente und beendete
manchen Satz mit einem leisen aber bestimmenden „Quak!“ und
Kammerherrin, Astrid Lenzen, untermalte ihren hinterlistigen
Charakter als Schlange mit lechzender Zunge und zischendem „ssssss...“.
Besonders Harald Kootz überzeugte in seiner Rolle
des Prinzen Philipp, der wie ein Gockel über die Bühne stolzierte
und den Kopf dabei
hektisch bewegte oder die „Flügel“ nervös
zuckte. Regisseur Christos Nicopoulos sagte, er wolle
damit die Parallelen zur Tierwelt deutlich machen von der,
so auch Autor W. Gombrowicz, „...wir Menschen uns nicht weit entfernt
haben“.
Gut dabei war, dass Nicopoulos nicht übertrieb und dieses „tierische“ Gehabe
nur dezent aberr immer effektvoll einbrachte. Ganz anders war da die
Rolle der Yvonne.
Birgit
Osterholt-Kootz spielte die (fast) stumme Bürgerliche.
Ihr waren die Eigenschaften des hässlichen Entleins dank eines hervorragenden
Outfits förmlich auf den Laib geschneidert. Hässlich war sie zudem durch
eine brillante Mimik
mit einer unglaublich starken Ausstrahlung. Dennoch war es ihre Rolle,
die eine heftige Diskussion beim Publikum nach der Aufführung
auslöste, denn ihre Hässlichkeit wurde nicht
nur durch Mimik, Kleidung und Frisur untermalt, sondern auch durch eine
verkrampfte Körperhaltung und dem Eindruck, dass sie geistig und
körperlich behindert zu sein scheint. Auf meine Frage, ob man damit nicht
zu weit ginge, weil man Behinderte evtl. vor den Kopf stoßen könnte,
entgegnete Christopoulos ruhig, dass er behinderte Menschen aus unserer
Gesellschaft nicht ausschließen
möchte und auch nicht glaubt, dass man Yvonne's Andersartigkeit
allein auf die Behinderung reduzieren würde. Ich persönlich finde,
es war des guten zu viel, denn ihre Andersartigkeit war eigentlich
klar. Schon allein durch die Tatsache,
dass sie kein Tier darstellte, hob sie sich deutlich von den anderen
Figuren ab. Aber der
Autor Witold Gombrowicz wollte ja schließlich provozieren. Die Themen „Macht
und Unterwerfung“ und „Ausgrenzung
und Gewalt gegenüber Andersartigen“ waren dabei im Fokus.
Dieses wurde mit großem schauspielerischen Können
und Liebe zu Details gut umgesetzt. Das karge Bühnenbild war auch schnell
vergessen, denn meine Blicke wanderten ständig zwischen den Darstellern
hin und her, die auch am Rande des Geschehens spielten und dabei faszinierten,
ohne von der Handlung abzulenken.

So
ließ sich z. B. Martin Zschoch als Cyrill immer
wieder von den Hofdamen wie ein "Hund" über den Bauch kraulen und fühlte
sich dabei offensichtlich tierisch wohl.
Die Kammerherrin, ganz Schlange,
umzingelte ihr Opfer Yvonne, das vor Angst erstarrte, um dann schließlich
von den Hofdamen und Würdenträger mit schrillem Gekicher weiter erniedrigt
zu werden.
Fazit
Das
Stück oder auch die Umsetzung mag nicht jedermanns Geschmack
gewesen sein. Wahrscheinlich liegt es daran, dass man zuviel
hinein interpretiert, was vom Ensemble gar nicht so ausgelegt wurde.
Eines schafft es allemal: Spannung und Emotionen, und es ruft ins Gedächtnis,
wie erschreckend aktuell das Thema auch heute noch ist, dass Menschen
aufgrund ihrer Andersartigkeit diskriminiert und verfolgt werden, besonders
dann, wenn sie sich gegen eine Überzahl nicht wehren kann.
Am
Ende gab es zwar ein paar wenige verwirrte und auch erboste Premièren-Zuschauer
aber die meisten waren doch hellauf begeistert. Summa Summarum: Tolle
Darsteller und viele witzige Kleinigkeiten sorgten für eine Menge Lacher
und einen kurzweiligen Abend.
Das schreibt die Presse
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Weitere
Aufführungen:
26./27. Mai
06
03./04./10./11 Juni
06
Infos:
www.klosterspieler.de
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