Ich habe einen Pinguin geheiratet
Eine Komödie von Johnnie Mortimer und Brain Cooke. (deutsch von Wolfgang Spier)

Regie: Hans-Josef Pütz

Wieder einmal hat sich das Thalia-Theater für eine Boulevard-Komödie entschieden, denn in diesem Genre fühlen sich die Kerpener zuhause. Ich gehe wieder Richtung Zuschauerraum, vorbei an den Mitarbeitern des DRK (und immer wieder muss ich über deren Anwesenheit schmunzeln, denn es könnte ja jemand so heftig lachen, dass er umfällt) und wundere mich nicht, dass die Vorstellung wieder völlig ausverkauft zu sein scheint. Noch zehn Minuten, die ich dafür nutze, ins Programmheft zu schauen und die Witze zu lesen, die mit Pinguinen zu tun haben. So richtig über sie lachen kann ich aber nicht, da sie nicht so originell sind. Hoffentlich kein Vorbote für die Komödie, die pünktlich beginnt.

Zu sehen ist ein ungewöhnliches Bühnenbild, das, so steht es im Programmheft, eine Herausforderung für den Bühnenbau war. Denn das Stück spielt an mehreren Spielorten: In zwei Wohnungen und in einem Schlafzimmer. Somit malte man die linke Seite der Bühnenkulissen grün und die rechte Seite in einem grellen Pink und die Illusion zweier Wohnungen war perfekt geschaffen. Für den Einblick ins Schlafzimmer wurde eine Schiebetür geöffnet. Das Sofa im Zentrum der Bühne war Spielort für beide Wohnungen, was nicht verwirrte. Alles in allem eine geniale Lösung.

Zum Inhalt
Charly Sommer und Arthur Grau verdienen ihr Geld mit dem Schreiben von Drehbüchern. Agent Maurice drängt auf eine neue geniale Geschichte. Doch es fällt den beiden schon schwer, den richtigen Titel zu finden. Während Arthur Grau eher für einen anspruchsvollen Inhalt ist, schwärmt Charly hingegen mehr für deftige Themen wie "Die Büstenhalterfabrik des Grafen Schmitz", die möglichst noch in Köln-Nippes spielen sollen. Doch auch der Titel "Ich habe einen Pinguin geheiratet" scheint die beiden nicht wirklich zu begeistern.

Charly und Arthur sind zwei völlig gegensätzliche Typen die in genauso unterschiedlichen Beziehungen leben. Charly ist mit einer eher biederen Hausfrau verheiratet, die ihn mit allen Köstlichkeiten aus der Küche verwöhnt, dafür aber kein großes Interesse an Sex hat. Sie erzählt ihm im Bett sogar noch von den neuesten Kochrezepten. Arthur dagegen lebt mit kalter Küche - "Das habe ich schon so lange nicht mehr gesehen: Warmes Essen!", kann im Gegenzug aber nicht über die Qualitäten seiner Frau im Bett klagen. Ihre Kochkunst verleiht aber sogar dem Mülleimer ein Magengeschwür.

Eines Abends treffen sich beide Familien, um die Dias des letzten Urlaubs der Graus zu sehen. Während Arthur bei den Fotos kein Detail auslässt, fließt der Alkohol in Strömen. Das Ergebnis am nächsten Morgen: Beide Frauen wachen im Bett des falschen Mannes auf. Charly ist zunächst erschrocken, fühlt sich aber nach den Komplimenten von Betty Grau in seiner Männlichkeit bestätigt, bis ihm auffällt, dass seine eigene Frau nicht da ist. Er ruft darauf hin bei Arthur an um den Verbleib seiner Frau zu klären. Sie ist dort. Charly und Betty stellen Arthur und Doris Sommer zur Rede. Während Arthur aber auf die Bibel schwört, dass nichts gelaufen ist, verweigert Charly diesen Schwur. Man entscheidet sich zum Partnertausch, womit das Dilemma seinen Lauf nimmt. Denn Charly vermisst das gute Essen seiner Frau, verhungert fast schon, muss dafür die teuren Friseur- und Schuhkauf-Rechnungen seiner neuen Flamme bezahlen, darunter eine Rechnung über 5 Euro für Lebensmittel, und er übernimmt nun zwangsläufig sogar schon den Hausputz. Betty kommentiert dies mit "Ich bin nur gut im Schlafzimmer", worauf Charly antwortet: "Vielleicht solltest Du besser dort kochen?". Aber auch Arthur ist nicht glücklich mit Charlys Frau. Zum einen überfüttert sie ihn, zum anderen mangelt es ihm an körperlicher Zuneigung.

Als Agent Maurice nun immer stärker nach einem neuen Drehbuch drängt, kommen die beiden Herren auf die glorreiche Idee, ihre eigene Geschichte auf Papier zu bringen. Maurice ist begeistert, und sofort machen sich beide Männer ans Werk. Doch wie soll die Geschichte ändern? Arthur und Charly haben, wie soll es anders sein, jeweils eigene Vorstellungen über das Ende. So spielt die Geschichte für Arthur in England in kulturellem Ambiente, für Charly in Köln-Nippes mit entsprechendem Dialekt. Auch andere Versionen werden durchgespielt. Mal für den einen zum Vorteil, mal für den anderen. Am Ende steht wieder die Frage über den Titel im Raum. Wie wäre es mit "Ich habe einen Pinguin geheiratet".

Meine Meinung zum Stück
Dass ich kein Fan von Boulevard-Komödien bin, ist kein Geheimnis. Doch dieses Ensemble hat mir mit "Wirst Du mich auch morgen früh noch lieben" und "Hier kocht der Chef" in der Vergangenheit bewiesen, dass Boulevardtheater auch sehr anspruchsvoll und ziemlich lustig sein kann, wenn man das Spiel beherrscht. Und das beherrschen die Kerpener. Ich habe aufgrund der vorigen Inszenierungen die Messlatte wirklich hoch gelegt. In diese Inszenierung jedoch konnte ich mich nicht so recht einfinden. Dass das auch an der Art des Stückes lag, bewies mir das Publikum, welches viel Spaß an den Gags hatte, über die ich nicht immer lachen konnte.
Die üblichen Klischees und deren Darstellung war mir teilweise zu überzeichnet.Es irritierte mich, dass die Schauspieler hin und wieder Reaktionen auf das Publikum zeigten. Der zweite Akt gefiel mir wesentlich besser, aber auch hier waren mir manche Gags zu überdreht, wie z. B.  der Auftritt des Agenten im Dracula-Kostüm, der die Zähne rausnehmen musste, weil er damit nicht sprechen konnte. Doch das ist Geschmackssache, denn das Publikum lachte herzlich. Ein paar überraschende Wendungen oder einige temporeichere Stellen hätte ich mir gewünscht. Das Stück lebt von den Gags, der Spannungsbogen der Geschichte bleibt dadurch etwas auf der Strecke. Am Ende bleibt es dem Zuschauer überlassen, ob die beiden Paare wieder zusammen finden oder nicht. Im Rückblick erinnere ich mich gerne an manch lustige Dialoge in diesem Stück, die wirklich gut waren. So sagt Betty zu Charly, die genauso wie er einiges an Alkohol intus
hat, "Du hast genug, du bist schon ganz verschwommen" oder Charly zu seiner Frau resigniert "zum einen Ohr rein, zum anderen wieder raus. Nichts dazwischen, was es aufhalten könnte".

Regisseur Hans-Josef Pütz spielte wieder mit und war in der Rolle des Charly Sommer absolut überzeugend. Man hat bei ihm das Gefühl, dass er seine Rolle sehr gut verinnerlicht hat. Die lustigen Sprüche kommen bei ihm wie aus der Pistole geschossen und wirken dadurch sehr spontan. Susanne Bücher als Betty glänzte ebenso in ihrer Rolle. Sie hatte eine unglaubliche Präsenz auf der Bühne, ihre Biestigkeit und Ignoranz gegenüber dem männlichen Geschlecht feilte sie mit ihrer trockenen Mimik und spitzen Stimme pefekt aus. Auch Ingrid Minke überzeugte sehr als tratschende Nachbarin Frau Tappert. Ihre Augen verrieten gekonnt, dass sie in allem, was sie mitbekam, eine Sensation witterte, die sie gleich der Nachbarschaft erzählen muss. Andrea Pütz spielte die biedere Hausfrau und ist mit ihrer eher ruhigen und zurückhaltenden Art gut besetzt. Die beiden Herren Sascha Bücher als Maurice und Klaus Balsmann als Arthur Grau, sorgten in der Vergangenheit immer für ziemlich viel Wirbel auf der Bühne und ebenso für viele Lacher . Diesmal fiel mir auf, dass sie etwas unkonzentriert schienen, vielleicht, weil sie mit den Reaktionen der Zuschauer gerechnet oder so eben nicht gerechnet haben. Bei einer Premiere ja durchaus eine berechtigte Frage, denn Zuschauer reagieren oft anders, als vorher gedacht. Doch das Kerpener Ensemble musste sich darüber keine Sorgen machen. Bestimmt gewinnen Balsmann und Bücher mit dieser Gewissheit in den weiteren Aufführungen ihre gewohnte Lockerheit zurück.


 

 

 

 

 

 

Fazit
Alles in allem hatte das Kerpener Puplikum seinen Spaß. Liebhaber von Boulevard- Komödien kommen auf ihre Kosten. Klares Heimspiel. Unterhaltsam, auch lustig, aber im Verlgeich zu den vorangegangenen Inszenierungen nicht unbedingt mein Lieblings-stück.Alle Vorstellungen sind ausverkauft. Das schreibt die Presse

Bühnenbild
Humor
Tempo
Schauspielerische Leistung