Wieder
einmal hat sich das Thalia-Theater für eine Boulevard-Komödie
entschieden, denn in diesem Genre fühlen sich die Kerpener zuhause.
Ich gehe wieder Richtung Zuschauerraum, vorbei an den Mitarbeitern des
DRK (und immer wieder muss ich über deren Anwesenheit schmunzeln,
denn es könnte ja jemand so heftig lachen, dass er umfällt) und
wundere mich nicht, dass die Vorstellung wieder völlig ausverkauft
zu sein scheint. Noch zehn Minuten, die ich dafür nutze, ins Programmheft
zu schauen und die Witze zu lesen, die mit Pinguinen zu tun haben. So richtig
über sie lachen kann ich aber nicht, da sie nicht so originell sind.
Hoffentlich kein Vorbote für die Komödie, die pünktlich
beginnt.
Zu sehen ist ein ungewöhnliches Bühnenbild, das,
so steht es im Programmheft, eine Herausforderung für den Bühnenbau war.
Denn das Stück spielt an mehreren Spielorten: In zwei Wohnungen und
in einem Schlafzimmer. Somit malte man die linke Seite der Bühnenkulissen
grün und die rechte Seite in einem grellen Pink und die Illusion zweier
Wohnungen war perfekt geschaffen. Für den Einblick ins Schlafzimmer
wurde eine Schiebetür geöffnet. Das Sofa im Zentrum der Bühne
war Spielort für beide Wohnungen, was nicht verwirrte. Alles in allem
eine geniale Lösung.
Zum Inhalt
Charly Sommer und Arthur Grau verdienen ihr Geld mit dem Schreiben von
Drehbüchern. Agent Maurice drängt auf eine neue geniale Geschichte.
Doch es fällt den beiden schon schwer, den richtigen Titel zu finden. Während
Arthur Grau eher für einen anspruchsvollen Inhalt ist, schwärmt Charly
hingegen mehr für deftige Themen wie "Die Büstenhalterfabrik des Grafen
Schmitz", die möglichst noch in Köln-Nippes spielen sollen. Doch auch
der Titel "Ich habe einen Pinguin geheiratet" scheint die beiden
nicht wirklich zu begeistern.
Charly
und Arthur sind zwei völlig gegensätzliche Typen die in
genauso unterschiedlichen Beziehungen leben. Charly ist mit einer eher
biederen Hausfrau verheiratet, die ihn mit allen Köstlichkeiten
aus der Küche
verwöhnt, dafür aber kein großes Interesse an Sex hat.
Sie erzählt
ihm im Bett sogar noch von den neuesten Kochrezepten. Arthur dagegen
lebt mit kalter Küche - "Das habe ich schon so lange nicht
mehr gesehen: Warmes Essen!", kann im Gegenzug aber nicht über
die Qualitäten seiner
Frau im Bett klagen. Ihre Kochkunst verleiht aber sogar dem Mülleimer
ein Magengeschwür.
Eines
Abends treffen sich beide Familien, um die Dias des letzten Urlaubs
der Graus zu sehen. Während Arthur bei den Fotos kein Detail auslässt,
fließt der Alkohol in Strömen. Das Ergebnis am nächsten Morgen: Beide
Frauen wachen im Bett des falschen Mannes auf. Charly ist zunächst
erschrocken, fühlt sich aber nach den Komplimenten von Betty Grau in
seiner Männlichkeit bestätigt, bis ihm auffällt, dass seine eigene
Frau nicht da ist. Er ruft darauf hin bei Arthur an um den Verbleib
seiner Frau zu klären. Sie ist dort. Charly und Betty stellen Arthur
und Doris Sommer zur Rede. Während Arthur aber auf die Bibel schwört,
dass nichts gelaufen ist, verweigert Charly diesen Schwur. Man entscheidet
sich zum Partnertausch, womit das Dilemma seinen Lauf nimmt. Denn Charly vermisst
das gute Essen seiner Frau, verhungert fast schon, muss dafür
die teuren Friseur- und Schuhkauf-Rechnungen seiner neuen Flamme bezahlen,
darunter eine Rechnung über 5 Euro für Lebensmittel, und er übernimmt
nun zwangsläufig sogar schon den Hausputz. Betty kommentiert dies mit
"Ich bin nur gut im Schlafzimmer", worauf Charly antwortet: "Vielleicht
solltest Du besser dort kochen?". Aber auch Arthur ist nicht glücklich
mit Charlys Frau. Zum einen überfüttert sie ihn, zum anderen mangelt
es ihm an körperlicher Zuneigung.
Als
Agent Maurice nun immer stärker nach einem neuen Drehbuch drängt, kommen die beiden Herren
auf die glorreiche Idee, ihre eigene Geschichte auf Papier zu bringen.
Maurice ist begeistert, und sofort machen sich beide Männer ans Werk.
Doch wie soll die Geschichte ändern? Arthur und Charly haben, wie soll
es anders sein, jeweils eigene Vorstellungen über das Ende. So
spielt die Geschichte für Arthur in England in kulturellem Ambiente,
für Charly in Köln-Nippes mit entsprechendem Dialekt. Auch andere Versionen
werden durchgespielt. Mal für den einen zum Vorteil, mal für den anderen.
Am Ende steht wieder die Frage über den Titel im Raum. Wie wäre es
mit "Ich habe einen Pinguin geheiratet".
Meine
Meinung zum Stück
Dass ich kein Fan von Boulevard-Komödien bin, ist kein Geheimnis.
Doch dieses Ensemble hat mir mit "Wirst
Du mich auch morgen früh noch lieben" und "Hier
kocht der Chef" in der Vergangenheit bewiesen,
dass Boulevardtheater auch sehr anspruchsvoll und ziemlich lustig sein
kann, wenn man das Spiel beherrscht. Und das beherrschen die Kerpener.
Ich habe aufgrund der vorigen Inszenierungen die Messlatte wirklich hoch
gelegt. In diese Inszenierung jedoch konnte ich
mich nicht so recht einfinden. Dass
das auch an der Art des Stückes lag, bewies mir das Publikum, welches
viel Spaß an den Gags hatte, über die ich nicht immer lachen konnte.
Die üblichen Klischees und deren Darstellung war
mir teilweise zu überzeichnet.Es
irritierte mich, dass die Schauspieler hin und wieder Reaktionen
auf das Publikum zeigten. Der
zweite Akt gefiel mir wesentlich
besser, aber auch hier waren mir manche
Gags zu überdreht,
wie z. B. der
Auftritt des Agenten im Dracula-Kostüm,
der die Zähne rausnehmen musste, weil er damit nicht sprechen konnte.
Doch das ist Geschmackssache, denn das Publikum
lachte herzlich. Ein paar überraschende Wendungen oder einige temporeichere
Stellen
hätte ich mir gewünscht. Das Stück lebt von den Gags,
der Spannungsbogen der Geschichte bleibt dadurch etwas auf der Strecke.
Am Ende bleibt es dem Zuschauer überlassen, ob die beiden Paare
wieder zusammen finden oder nicht. Im
Rückblick erinnere
ich mich gerne an manch lustige Dialoge in diesem Stück, die wirklich
gut waren. So sagt Betty zu Charly, die genauso wie er einiges an Alkohol
intus hat, "Du hast
genug, du bist schon ganz verschwommen" oder Charly zu seiner Frau resigniert "zum
einen Ohr rein, zum anderen wieder raus. Nichts dazwischen, was es aufhalten
könnte".
Regisseur Hans-Josef
Pütz spielte
wieder mit und war in der Rolle des Charly Sommer absolut überzeugend.
Man hat bei ihm das Gefühl,
dass er seine Rolle sehr gut verinnerlicht hat. Die lustigen Sprüche
kommen bei ihm wie aus der Pistole geschossen und wirken dadurch sehr
spontan. Susanne
Bücher als Betty glänzte ebenso in ihrer Rolle.
Sie hatte eine unglaubliche Präsenz auf der Bühne, ihre Biestigkeit
und Ignoranz
gegenüber dem männlichen Geschlecht feilte sie
mit ihrer trockenen Mimik und spitzen Stimme pefekt aus. Auch Ingrid
Minke überzeugte
sehr als tratschende Nachbarin Frau Tappert. Ihre Augen
verrieten gekonnt, dass sie in allem, was sie mitbekam, eine Sensation
witterte, die sie gleich der Nachbarschaft erzählen muss. Andrea
Pütz spielte
die biedere Hausfrau und ist mit ihrer eher ruhigen und zurückhaltenden
Art gut besetzt. Die beiden Herren Sascha
Bücher als
Maurice und Klaus
Balsmann als Arthur Grau, sorgten in
der Vergangenheit immer für ziemlich viel Wirbel auf der Bühne
und ebenso für viele Lacher . Diesmal
fiel mir auf, dass sie etwas unkonzentriert schienen, vielleicht, weil
sie mit den Reaktionen der Zuschauer gerechnet oder so eben nicht gerechnet
haben. Bei einer Premiere ja durchaus eine berechtigte Frage, denn Zuschauer
reagieren oft anders, als vorher gedacht. Doch das Kerpener Ensemble
musste sich darüber keine Sorgen machen. Bestimmt gewinnen Balsmann und
Bücher mit dieser Gewissheit in den weiteren Aufführungen ihre gewohnte
Lockerheit zurück.
 
Fazit
Alles in allem hatte das Kerpener Puplikum seinen Spaß. Liebhaber
von Boulevard- Komödien kommen auf ihre Kosten. Klares Heimspiel.
Unterhaltsam, auch lustig, aber
im Verlgeich zu den vorangegangenen
Inszenierungen nicht unbedingt mein Lieblings-stück.Alle
Vorstellungen sind ausverkauft.
Das schreibt die Presse
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