Die
Klosterspieler von Brauweiler haben sich für ihre Freilichtbühne
Shakespeare's Sommernachtstraum ausgesucht. Im Hinterhof der Abtei
steht die eigens dafür aufgebaute Bühne unter einem
mächtig großen Baum, der locker einen ganzen Wald repräsentieren
kann. Einfache Halogen-strahler hängen im Baum und sind vor neben
und an der Bühne
montiert. Die Bühnen-elemente sind so gestellt, dass zwischendrin
Gänge
bleiben und die Bühne in drei Ebenen aufteilt. Ein schönes
Ambiente für
den Sommernachtstraum. Jetzt fehlt noch der leichte Wein, ein bisschen
Käse und Brot, und der Abend hätte einen perfekten Anfang.
Mein Blick in den Himmel verrät mir, dass es nicht, wie angekündigt,
regnen wird. Plötzlich Unruhe im Publikum. Wie
es bei den Brauweilern Tradition zu sein scheint, treten erst einmal
alle Schauspieler in Reih und Glied an, um dann hinter der Bühne
zu verschwinden. Schöne und aufwendige
Kostüme lassen auf eine farbenfrohe Inszenierung hoffen. Ich bin
sehr gespannt, denn wie schon einmal erwähnt, habe ich den Sommernachtstraum
nicht nur selber schon gespielt, also nicht alleine, sondern auch
mehrere Inszenierungen gesehen.
Die
Geschichte:
Es
erscheinen der Herzog "Theseus" mit seiner
im Kampf eroberten Amazonenkönigin "Hippolyta". Theseus
verkündet die
Hochzeit mit Hippolyta und inmitten der Feierlichkeiten klagt Egeus'
Frau ihre Tochter Hermia an, die dem Demetrius versprochen ist, ihn
aber nicht liebt sondern Lysander. Das Gesetz Athens jedoch sagt, dass
der Vater darüber
bestimmt, wen die Tochter heiratet, andernfalls habe sie mit dem Tod
oder einem keuschen Leben im Kloster zu rechnen.

Theseus
redet Hermia nochmals ins Gewissen und gibt Ihr bis zu seiner eigenen
Trauung Bedenkzeit. Hermia und Lysander fliehen daraufhin in einen
Wald nahe Athens, um so der Bestrafung zu entgehen und dort ohne den
elterlichen Segen den Ehebund zu schließen.
Helena, die unsterblich in den von Hermia's verschmähten Demetrius
verliebt ist, wird in Hermia's Plan eingeweiht. Um Demetrius günstig
zu stimmen, erzählt Helena von dem Fluchtplan Hermias und Lysanders.
Im
weiteren Verlauf treten die Handwerker "Squenz", "Zettel",
"Flaut", "Schnock" und "Schlucker" auf,
die zur Hochzeit des Herzogs ein Theaterstück aufführen wollen.
Sie verteilen die Rollen und verabreden sich für die kommende Nacht
im Wald, um dort das Stück einzustudieren.
In diesem
Wald herrschen der Elfenkönig Oberon mit seiner Gemahlin Titania,
die jedoch zerstritten sind und dies in einem harten Wortgefecht auskämpfen.
Anlass sind diverse Affären und Eifersucht. Oberon glaubt zudem,
die Macht innerhalb seiner Ehe verloren zu haben. Um sich an Titania
zu rächen, heckt er einen
Plan aus und beauftragt Puck, eine Wunderblume namens "Liebe im
Wahn"
zu suchen, um ihren Saft in Titania's Augen zu träufeln wenn sie
schläft. Erwacht sie dann, verliebt sie sich in das erste Wesen,das
sie erblickt. Puck macht sich auf den Weg, die Blume zu finden.
 
In der Zwischenzeit
erscheint Demetrius im Wald, um das flüchtende Liebespaar Hermia
und Lysander zu suchen. Auch Helena eilt ihrem Demetrius hinterher.
Titania
tritt mit ihren Elfen auf, die ihre Königin in den Schlaf singen. Kurz
darauf erscheint Puck
mit der Blume und überreicht sie dem wartenden Oberon,
der Titania den Liebessaft in die Augen träufelt. Dann gibt er
Puck den Auftrag, den Saft einem Menschen in Athenertracht zu verabreichen.
Gemeint ist Demetrius, der sich in die ihm nacheilende Helena verlieben
soll.
Lysander
und Hermia erscheinen und legen sich, erschöpft von dem langen
Marsch, schlafen. Puck
erkennt die Athenertracht und verabreicht somit dem leider falschen
Athener, Lysander, den Liebessaft. Dieser erwacht
und trifft sogleich auf Helena, in die er sich umgehend verliebt,
ihr hinterher eilt und Hermia alleine zurück lässt.
Die
Handwerker treten auf, um ihr Stück zu proben. Puck, der das Spiel
amüsant beobachtet, verwandelt Zettel in einen Esel. Seine Handwerkskollegen
ergreifen panisch die Flucht, und Zettel mit Eselskopf bleibt alleine
im Wald zurück, als Titania von seinem (Angst-)gesang erwacht
und sich in den Esel verliebt und eine wilde Liebesnacht mit ihm verbringt.
Oberon, erfreut über diesen Erfolg, erfährt aber auch von
der Verwechslung und der Ursache, dass Lysander nun Helena verehrt
und nicht Demetrius. So macht sich Oberon selber daran, Demetrius
dazu zu bringen, Helena zu lieben und träufelt Demetrius im
Schlaf ebenfalls den Liebestrank in die Augen.
Dieser Zauber gelingt auch, nachdem Demetrius erwacht und Helena erblickt.
Nun hat Helena gleich zwei Verehrer. Helena jedoch fühlt sich auf
den Arm genommen und einer Intrige ausgesetzt. Hermia jedoch versteht
nicht, warum sie von ihrem geliebten Lysander so plötzlich gehasst
wird und vermutet in Helena eine Nebenbuhlerin, die mit Ihren Reizen
Lysander gewonnen hat. Sie geraten sich in die Haare, und es folgt eine
handgreiflicher Streit der beiden Frauen. Auch Lysander
und Demetrius kämpfen
um die Gunst von Helena. Verfolgt von Puck's Rufen, der die Stimmen der
Kontrahenten nachmacht, um so deren Wut anzuheizen, fallen die Verliebten
erschöpft in den Schlaf. Puck
erhält von Oberon nun die Möglichkeit, seinen Schaden wieder
gut zu machen und erteilt ihm die Aufgabe, Lysander mit einem Gegenzauber
wieder seiner Hermia zuzuwenden.
Titania und
der Esel, erschöpft von der gemeinsamen Liebesnacht, fallen ebenfalls
in tiefen Schlaf. Oberon erlöst sie von ihrem Zauber, Titania
erwacht und spricht von einem widerlichen Traum, in dem sie einen
Esel geliebt hat.
Zettel , der wieder von seinem Eselskopf befreit wurde, erwacht wieder
und will seinen Traum als Stück
geschrieben haben: "Zettel's Traum". Auch die vier Liebenden
erwachen, und nun stimmt alles wieder: Lysander liebt Hermia und Demetrius
noch Helena.
Auf
der Hochzeit von Theseus treten die Handwerker nun auf, um das Schauspiel
"von der höchst lamentablen Komödie und der höchst
grausame Tod des Pyramus und der Thisbe" vor dem Hochzeitspaar
vorzutragen. Die vier Liebenden erscheinen ebenfalls zur Feier, und
Theseus vergibt Hermia über das Athener Recht hinweg und willigt
in die Liebesbindungen ein.
Meine
Meinung zum Stück:
Eines steht für
mich fest. Den Sommernachtstraum in der freien Natur zu spielen macht
den Theaterbesuch immer wieder zu etwas Besonderem. Ein so harmonisches
Ensemble wie in diesem Fall rundet für mich das Stück auch
noch perfekt ab. Shakespeare klassisch zu inszenieren ist in diesem Ambiente
sowieso eine gute Entscheidung.
Regisseur Christos
Nicopoulos bewies wieder ein gutes Händchen bei der Wahl
seiner Akteure, unter denen es sowohl alte Hasen als auch absolute
Anfänger
gibt. Man bekommt fast den Eindruck, als würde er sich dafür
entschuldigen wollen, dass nicht alle Darstellers Profis sind. Doch
gerade das macht besonders die Handwerkerszenen besonders authentisch.
Herausheben möchte ich Franz Ott . Er
verkörperte den überaus dummen und egozentrischen Laiendarsteller
Zettel und machte das mit einer sichtbaren Freude und auch Tollpatschigkeit,
dass ich mich über seine
Auftritte immer besonders freute. Mit seiner Mimik und absolut laienhaften
Körpersprache, an der sonst
jeder Regisseur wohl verzweifeln würde, war er für die Rolle
prädestiniert.
Lustig war auch seine Verwandlung zum Esel, dargestellt mit einer Mütze,
angenähten Eselsohren
und einer ziemlich schrägen Brille. Köstlich! Auch die Darstellung
des Elfenkönig Oberon war neu für mich. Er wurde nämlich
von zwei Personen gespielt, die gemeinsam in einem Kostüm steckten.
Birgit Osterholt-Kootz und Gabi Assmann-Menz spielten
herrlich miteinander. Wenn die eine sprach, bewegte die andere den
Mund dazu, und auch die Körperbewegungen liefen
synchron mit. Dann sprach plötzlich
die andere oder sogar beide gleichzeitig. Das wirkte besonders bedrohlich
und unterstrich sehr gut Oberon's emotionale Ausbrüche, zu denen
Puck ja immer wieder Anlass gibt. Seine Figur wurde von Astrid
Lenzen gespielt.
Irritiert war ich über das Kostüm. Denn anders als die farbenfrohen
Kostüme der
Elfen oder Titania, war Puck schlicht in Schwarz gekleidet und trug
dazu ein weißes Balletkleidchen. Und so tänzelte Puck auch über
die Bühne,
um seinen Schabernack zu treiben und seine Weisheiten dem Publikum
zu vermitteln. Nicopoulos hat das bewusst gemacht, weil er damit zeigen
will, dass Puck ein neutrales Wesen ist, dass quasi von außen
in das Geschehen eingreift. Das ist ihm zwar visuell gelungen, störte
mich aber trotzdem, weil Puck in meiner Vorstellung ein Wesen aus dem
Elfenwald ist und ein schöneres, erdverbundenes Kostüm verdient
hätte. Gemacht
hat sich auch Beate Lenzen als Hermia, die sehr überzeugend
spielte und ihre Rolle wie schon in "Rose
Bernd" sehr diszipliniert
von Anfang bis Ende verkörperte. Auch Ihre Gegenspielerin Anne
Falkenburg spielte, selber noch relativ jung, die sehr
selbstbewusste und kampesflustige Helena.
Es gelingt ihr nicht immer, in der Rolle zu bleiben. Doch davon abgesehen
hat sie viel Talent und spielt ihre Rolle mit vollem Körpereinsatz
und großer
Spielfreude. Auch die beiden Herren Lysander und Demetrius sind optimal
mit Harald Kootz und Thomas Wallendorf besetzt.
Sie lassen ihren Emotionen freien Lauf und wissen, sie
professionell mit entsprechender Körpersprache und -spannung zu
vermitteln. Titania wurde ebenso überzeugend mit klarer Stimme
und toller Ausstrahlung von Kristina Anselm dargestellt.
Auch
alle anderen hier nicht genannten Darstellers des 19 köpfigen Ensemble
spielten hervorragend, leidenschaftlich, gut.
Besonders
zu erwähnen
sei an dieser Stelle noch Patricia Falkenburg, die,
neben der überwiegend
eigenen Übersetzung
des Textes, für den Gesang der Elfen zuständig war. Sehr
viel Gänsehautfaktor
hatte ihr Gesang im Baum, zu dem die zauberhaften Elfen Merle
Vainumäe, Leandra
Mehlfeld, Sarah Heinrigs, Eva Liebermann und Claudia Merkle die
Elfenkönigin Titania in den Schlaf sangen - ein tolles Bild.
Fazit
Ein schönes Ambiente, tolle Darsteller mit viel Spielfreude und aufwendig
gestaltete Kostüme machen diesen Sommernachtstraum zu einer Augenweide
und zu einem schönen, mit 2,5 Stunden viel zu kurzen Theater-Abend.
| Tempo |
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| Schauspielerische Leistung |
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| Humor |
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Das schreibt die Presse
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26.
Mai/02./03./08./10. Juni 2007
Bei Regen im Gierdensaal
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