Ein Sommernachtstraum
Komödie von William Shakespeare
Regie: Christos Nicopoulos
Spielort: Klosterspieler von Brauweiler, Pulheim


Ein Bericht von Ingo Brückner

Die Klosterspieler von Brauweiler haben sich für ihre Freilichtbühne Shakespeare's Sommernachtstraum ausgesucht. Im Hinterhof der Abtei steht die eigens dafür aufgebaute Bühne unter einem mächtig großen Baum, der locker einen ganzen Wald repräsentieren kann. Einfache Halogen-strahler hängen im Baum und sind vor neben und an der Bühne montiert. Die Bühnen-elemente sind so gestellt, dass zwischendrin Gänge bleiben und die Bühne in drei Ebenen aufteilt. Ein schönes Ambiente für den Sommernachtstraum. Jetzt fehlt noch der leichte Wein, ein bisschen Käse und Brot, und der Abend hätte einen perfekten Anfang. Mein Blick in den Himmel verrät mir, dass es nicht, wie angekündigt, regnen wird. Plötzlich Unruhe im Publikum. Wie es bei den Brauweilern Tradition zu sein scheint, treten erst einmal alle Schauspieler in Reih und Glied an, um dann hinter der Bühne zu verschwinden. Schöne und aufwendige Kostüme lassen auf eine farbenfrohe Inszenierung hoffen. Ich bin sehr gespannt, denn wie schon einmal erwähnt, habe ich den Sommernachtstraum nicht nur selber schon gespielt, also nicht alleine, sondern auch mehrere Inszenierungen gesehen.

Die Geschichte:
Es erscheinen der Herzog "Theseus" mit seiner im Kampf eroberten Amazonenkönigin "Hippolyta". Theseus verkündet die Hochzeit mit Hippolyta und inmitten der Feierlichkeiten klagt Egeus' Frau ihre Tochter Hermia an, die dem Demetrius versprochen ist, ihn aber nicht liebt sondern Lysander. Das Gesetz Athens jedoch sagt, dass der Vater darüber bestimmt, wen die Tochter heiratet, andernfalls habe sie mit dem Tod oder einem keuschen Leben im Kloster zu rechnen.

 

Theseus redet Hermia nochmals ins Gewissen und gibt Ihr bis zu seiner eigenen Trauung Bedenkzeit. Hermia und Lysander fliehen daraufhin in einen Wald nahe Athens, um so der Bestrafung zu entgehen und dort ohne den elterlichen Segen den Ehebund zu schließen. Helena, die unsterblich in den von Hermia's verschmähten Demetrius verliebt ist, wird in Hermia's Plan eingeweiht. Um Demetrius günstig zu stimmen, erzählt Helena von dem Fluchtplan Hermias und Lysanders.

Im weiteren Verlauf treten die Handwerker "Squenz", "Zettel", "Flaut", "Schnock" und "Schlucker" auf, die zur Hochzeit des Herzogs ein Theaterstück aufführen wollen. Sie verteilen die Rollen und verabreden sich für die kommende Nacht im Wald, um dort das Stück einzustudieren.

 

 


In diesem Wald herrschen der Elfenkönig Oberon mit seiner Gemahlin Titania, die jedoch zerstritten sind und dies in einem harten Wortgefecht auskämpfen. Anlass sind diverse Affären und Eifersucht. Oberon glaubt zudem, die Macht innerhalb seiner Ehe verloren zu haben. Um sich an Titania zu rächen, heckt er einen Plan aus und beauftragt Puck, eine Wunderblume namens "Liebe im Wahn" zu suchen, um ihren Saft in Titania's Augen zu träufeln wenn sie schläft. Erwacht sie dann, verliebt sie sich in das erste Wesen,das sie erblickt. Puck macht sich auf den Weg, die Blume zu finden.

In der Zwischenzeit erscheint Demetrius im Wald, um das flüchtende Liebespaar Hermia und Lysander zu suchen. Auch Helena eilt ihrem Demetrius hinterher.

Titania tritt mit ihren Elfen auf, die ihre Königin in den Schlaf singen. Kurz darauf erscheint Puck mit der Blume und überreicht sie dem wartenden Oberon, der Titania den Liebessaft in die Augen träufelt. Dann gibt er Puck den Auftrag, den Saft einem Menschen in Athenertracht zu verabreichen. Gemeint ist Demetrius, der sich in die ihm nacheilende Helena verlieben soll.

 

 

Lysander und Hermia erscheinen und legen sich, erschöpft von dem langen Marsch, schlafen. Puck erkennt die Athenertracht und verabreicht somit dem leider falschen Athener, Lysander, den Liebessaft. Dieser erwacht und trifft sogleich auf Helena, in die er sich umgehend verliebt, ihr hinterher eilt und Hermia alleine zurück lässt.

Die Handwerker treten auf, um ihr Stück zu proben. Puck, der das Spiel amüsant beobachtet, verwandelt Zettel in einen Esel. Seine Handwerkskollegen ergreifen panisch die Flucht, und Zettel mit Eselskopf bleibt alleine im Wald zurück, als Titania von seinem (Angst-)gesang erwacht und sich in den Esel verliebt und eine wilde Liebesnacht mit ihm verbringt. Oberon, erfreut über diesen Erfolg, erfährt aber auch von der Verwechslung und der Ursache, dass Lysander nun Helena verehrt und nicht Demetrius. So macht sich Oberon selber daran, Demetrius dazu zu bringen, Helena zu lieben und träufelt Demetrius im Schlaf ebenfalls den Liebestrank in die Augen. Dieser Zauber gelingt auch, nachdem Demetrius erwacht und Helena erblickt. Nun hat Helena gleich zwei Verehrer. Helena jedoch fühlt sich auf den Arm genommen und einer Intrige ausgesetzt. Hermia jedoch versteht nicht, warum sie von ihrem geliebten Lysander so plötzlich gehasst wird und vermutet in Helena eine Nebenbuhlerin, die mit Ihren Reizen Lysander gewonnen hat. Sie geraten sich in die Haare, und es folgt eine handgreiflicher Streit der beiden Frauen. Auch Lysander und Demetrius kämpfen um die Gunst von Helena. Verfolgt von Puck's Rufen, der die Stimmen der Kontrahenten nachmacht, um so deren Wut anzuheizen, fallen die Verliebten erschöpft in den Schlaf. Puck erhält von Oberon nun die Möglichkeit, seinen Schaden wieder gut zu machen und erteilt ihm die Aufgabe, Lysander mit einem Gegenzauber wieder seiner Hermia zuzuwenden.

Titania und der Esel, erschöpft von der gemeinsamen Liebesnacht, fallen ebenfalls in tiefen Schlaf. Oberon erlöst sie von ihrem Zauber, Titania erwacht und spricht von einem widerlichen Traum, in dem sie einen Esel geliebt hat. Zettel , der wieder von seinem Eselskopf befreit wurde, erwacht wieder und will seinen Traum als Stück geschrieben haben: "Zettel's Traum". Auch die vier Liebenden erwachen, und nun stimmt alles wieder: Lysander liebt Hermia und Demetrius noch Helena.

Auf der Hochzeit von Theseus treten die Handwerker nun auf, um das Schauspiel "von der höchst lamentablen Komödie und der höchst grausame Tod des Pyramus und der Thisbe" vor dem Hochzeitspaar vorzutragen. Die vier Liebenden erscheinen ebenfalls zur Feier, und Theseus vergibt Hermia über das Athener Recht hinweg und willigt in die Liebesbindungen ein.

 

 

Meine Meinung zum Stück:
Eines steht für mich fest. Den Sommernachtstraum in der freien Natur zu spielen macht den Theaterbesuch immer wieder zu etwas Besonderem. Ein so harmonisches Ensemble wie in diesem Fall rundet für mich das Stück auch noch perfekt ab. Shakespeare klassisch zu inszenieren ist in diesem Ambiente sowieso eine gute Entscheidung.

Regisseur Christos Nicopoulos bewies wieder ein gutes Händchen bei der Wahl seiner Akteure, unter denen es sowohl alte Hasen als auch absolute Anfänger gibt. Man bekommt fast den Eindruck, als würde er sich dafür entschuldigen wollen, dass nicht alle Darstellers Profis sind. Doch gerade das macht besonders die Handwerkerszenen besonders authentisch. Herausheben möchte ich Franz Ott . Er verkörperte den überaus dummen und egozentrischen Laiendarsteller Zettel und machte das mit einer sichtbaren Freude und auch Tollpatschigkeit, dass ich mich über seine Auftritte immer besonders freute. Mit seiner Mimik und absolut laienhaften Körpersprache, an der sonst jeder Regisseur wohl verzweifeln würde, war er für die Rolle prädestiniert. Lustig war auch seine Verwandlung zum Esel, dargestellt mit einer Mütze, angenähten Eselsohren und einer ziemlich schrägen Brille. Köstlich! Auch die Darstellung des Elfenkönig Oberon war neu für mich. Er wurde nämlich von zwei Personen gespielt, die gemeinsam in einem Kostüm steckten. Birgit Osterholt-Kootz und Gabi Assmann-Menz spielten herrlich miteinander. Wenn die eine sprach, bewegte die andere den Mund dazu, und auch die Körperbewegungen liefen synchron mit. Dann sprach plötzlich die andere oder sogar beide gleichzeitig. Das wirkte besonders bedrohlich und unterstrich sehr gut Oberon's emotionale Ausbrüche, zu denen Puck ja immer wieder Anlass gibt. Seine Figur wurde von Astrid Lenzen gespielt. Irritiert war ich über das Kostüm. Denn anders als die farbenfrohen Kostüme der Elfen oder Titania, war Puck schlicht in Schwarz gekleidet und trug dazu ein weißes Balletkleidchen. Und so tänzelte Puck auch über die Bühne, um seinen Schabernack zu treiben und seine Weisheiten dem Publikum zu vermitteln. Nicopoulos hat das bewusst gemacht, weil er damit zeigen will, dass Puck ein neutrales Wesen ist, dass quasi von außen in das Geschehen eingreift. Das ist ihm zwar visuell gelungen, störte mich aber trotzdem, weil Puck in meiner Vorstellung ein Wesen aus dem Elfenwald ist und ein schöneres, erdverbundenes Kostüm verdient hätte. Gemacht hat sich auch Beate Lenzen als Hermia, die sehr überzeugend spielte und ihre Rolle wie schon in "Rose Bernd" sehr diszipliniert von Anfang bis Ende verkörperte. Auch Ihre Gegenspielerin Anne Falkenburg spielte, selber noch relativ jung, die sehr selbstbewusste und kampesflustige Helena. Es gelingt ihr nicht immer, in der Rolle zu bleiben. Doch davon abgesehen hat sie viel Talent und spielt ihre Rolle mit vollem Körpereinsatz und großer Spielfreude. Auch die beiden Herren Lysander und Demetrius sind optimal mit Harald Kootz und Thomas Wallendorf besetzt. Sie lassen ihren Emotionen freien Lauf und wissen, sie professionell mit entsprechender Körpersprache und -spannung zu vermitteln. Titania wurde ebenso überzeugend mit klarer Stimme und toller Ausstrahlung von Kristina Anselm dargestellt.

Auch alle anderen hier nicht genannten Darstellers des 19 köpfigen Ensemble spielten hervorragend, leidenschaftlich, gut.

Besonders zu erwähnen sei an dieser Stelle noch Patricia Falkenburg, die, neben der überwiegend eigenen Übersetzung des Textes, für den Gesang der Elfen zuständig war. Sehr viel Gänsehautfaktor hatte ihr Gesang im Baum, zu dem die zauberhaften Elfen Merle Vainumäe, Leandra Mehlfeld, Sarah Heinrigs, Eva Liebermann und Claudia Merkle die Elfenkönigin Titania in den Schlaf sangen - ein tolles Bild.

Fazit
Ein schönes Ambiente, tolle Darsteller mit viel Spielfreude und aufwendig gestaltete Kostüme machen diesen Sommernachtstraum zu einer Augenweide und zu einem schönen, mit 2,5 Stunden viel zu kurzen Theater-Abend.

Tempo
Bühnenbild
Schauspielerische Leistung
Kostüme
Humor

Das schreibt die Presse

Weitere Aufführungen:
26. Mai/02./03./08./10. Juni 2007
Bei Regen im Gierdensaal

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