WAS IHR WOLLT
Komödie von William Shakespeare
Regie: Christos Nicopoulos
Spielort: Klosterspieler von Brauweiler, Pulheim


Wenn das Wörtchen "Wenn" nicht wäre, hätte die Sonne zur Première geschienen, aber es hat aus Eimern gegossen. Schlecht für ein Open-Air-Theater. Wenn im Ausweichquartier keine Hochzeitsfeier stattgefunden hätte, wären die Schauspieler dorthin ausgewichen. Wenn die zweite Notlösung "Kaisersaal" nicht so hallen würde, hätte man nicht so angestrengt zuhören müssen. Die Kosterspieler von Brauweiler hatten es nicht leicht an diesem Tag und nahmen es doch so gelassen und schienen sich trotzdem auf ihre Première zu freuen. Auch Regisseur Christos Nicopoulos machte gute Miene zum bösen Spiel und entschied, dass die Zuschauer mit der heutigen Eintrittskarte zu einer der nächsten Open-Air-Veranstaltung wiederkommen dürfen, denn man müsse heute improvisieren und könne nicht zeigen, was so lange einstudiert wurde. Und das hieß auch keine Scheinwerfer, kein Bühnenbild, außer zwei Tischen, und somit keine wirklich tolle Atmosphäre, die die Aufführungen der Klosterspieler doch immer zu etwas so besonderem macht.

Zum Inhalt
Viola hat ein Schiffsunglück vor der Küste Illyriens überlebt, bei dem ihr Zwillingsbruder Sebastian ums Leben gekommen zu sein scheint. Viola beschließt als Knabe verkleidet in die Dienste des Herzogs Orsino zu treten, der über Illyrien herrscht. Orsino ist unsterblich verliebt in die Gräfin Olivia, die aber aus Trauer um ihren verstorbenen Bruder sieben Jahre lang ihr Gesicht verschleiern und die Gesellschaft von Männern vermeiden will. Die als Mann verkleidete Viola, die sich jetzt Cesario nennt, gewinnt rasch die Gunst Orsinos und wird von ihm beauftragt, seine Liebesbotschaften an Olivia zu übermitteln. Olivia verliebt sich jedoch in den „jungen Mann“ Cesario, während Cesario/Viola Gefallen am Herzog gewonnen hat.

Auch Ritter Andreas Bleichenwang (im Original Andrew Aguecheek) würde Olivia gerne heiraten und findet Unterstützung bei Olivias Onkel Tobias Rülps (Toby Belch), der es auf das Geld seiner Nichte abgesehen hat, um seine Saufgelage zu finanzieren. Die nächtlichen Ausschweifungen der beiden werden jedoch von dem Verwalter Malvolio immer wieder gestört. Um sich an dem Widersacher zu rächen, beschließen Rülps und Bleichenwang zusammen mit der Zofe Mary und dem Narren Feste, Malvolio einen Streich zu spielen: Mary, deren Handschrift derjenigen Olivias gleicht, fälscht einen Brief der Gräfin an den Verwalter, der diesen glauben machen soll, Olivia habe ein Auge auf ihn geworfen. Malvolio fällt auf den Inhalt herein und handelt gemäß den Vorgaben des Briefes: er trägt gelbe Strümpfe mit überkreuzten Strumpfbändern, benimmt sich seltsam und lächelt die ganze Zeit. Wegen dieses Verhaltens erklären Tobias und Mary Malvolio für verrückt und sperren ihn in einen dunklen Raum. Der Eingesperrte wird obendrein gepeinigt, als sich Feste ihm als Geistlicher vorstellt und behauptet, der Raum sei voller Fenster und hell.

Die Ereignisse überschlagen sich, als Sebastian – der den Schiffbruch überlebt hat – auftaucht und für Cesario gehalten wird. Olivia trifft auf Sebastian, verwechselt ihn mit Orsinos Boten und heiratet ihn Hals über Kopf. Es kommt zum Showdown: Orsino droht, den vermeintlich untreuen Diener zu töten, was durch das Auftreten Violas jedoch verhindert wird. Am Ende wendet sich Vieles zum Guten: Sebastian bleibt bei Olivia, die Zwillinge erkennen einander, Orsino verspricht Viola zu heiraten, Bleichenwang zieht unverrichteter Dinge davon, Sir Toby heiratet das Kammermädchen Maria und Malvolio wird aus seiner Gefangenschaft entlassen.

Meine Meinung zum Stück
Es fällt mir schwer, eine Aufführung zu bewerten, die allenfalls wie eine Probe auf mich wirkte, wofür das Ensemble aus den o. g. Gründen nichts konnte. Ich bin mir sicher, dass die Inszenierung in der gewohnten Umgebung, unter diesem schönen großen Baum bei sommerlichen Abendtemperaturen ein Hingucker ist. Denn die Darsteller verstehen ihr Handwerk, spielen locker und authentisch, selbst in schwierigen Situationen. Astrid Lenzen gefiel mir besonders als Sir Toby, der im Stück gerne einen über den Durst trinkt. Burschikos schwankte sie über die Bühne und zeigte sogar in einer Männerrolle, wie wandelbar sie ist. Auch Anne Falkenburg als Viola und noch immer eine der jüngsten Darstellerinnen wirkte ziemlich locker und überzeugend in ihrer Rolle, wenn sie auch immer noch den ein oder anderen Blick ins Publikum wirft und somit der Rolle entgleitet. Als Orsino trat Martin Wilmers mit symphatischem und souverändem Ausdruck und klarer Stimme in die Fußstapfen des Herzogs von Illyrien. Hans Rosenbaum mimte den Malvolio. Er schaffte es spielend, Mitleid für seine Rolle, den gepeinigten Haushofmeister, zu erregen. Die Rolle des Hausnarren wurde von Gabi Assmann-Menz übernommen. Hierbei fehlte mir ein wenig das Närrische, wirkte auf mich eher etwas Altklug, was zwar wieder für den Narren spricht, er seine Intelligenz gegenüber seinen Herren eigentlich nicht zeigen sollte. Interessant aber war, dass er permanent von einem Affen begleitet wurde, was nicht im Original zu finden ist. Dadurch wirkte das Narren-"Paket" wieder etwas lockerer. Im sehr ausdrucksstarkem Affenkostüm steckte Patricia Falkenburg. Mit viel Engerie hüpfte und kreischte sie über die Bühne und diente zusätzlich als Sprachrohr des Narren und Unterhalter an der "Affenorgel". Beate Lenzen machte eine gute Figur als reiche Gräfin Olivia, war mir stimmlich aber etwas zu eintönig. Franz Ott, der sein Debüt im letzten Jahr in der Rolle des Zettel beim Sommernachtstraum gab, machte auf mich den Eindruck, als stünde genau dieser Zettel wieder auf der Bühne. Er spielt so lustig unbeholfen, und es passt auch hier in der Rolle des Sir Andrew Bleichenwange wie die Faust aufs Auge. Ich bin gespannt, ihn mal in einer ernsten Rolle zu sehen. Bei Shakespeare ist es normal oder sogar gewollt, dass Männer in Frauenrollen schlüpfen was damit besonders für Komik sorgt. In dieser Inszenierung war es eine Not, dass Frauen in Männerrollen schlüpfen mussten, was nicht so lustig wirkt, wie eben anders herum.

Fazit
Shakespeare in einem schönen Ambiente zu sehen, macht es dem Zuschauer sicher leichter, der Geschichte und den ganzen Wirrungen des Stückes zu folgen. Auf dieser Behelfsbühne hatte ich so meine Schwierigkeiten, was mehr an der Akustik und meiner wetterbedingten Migräne lag als an der Darstellung. Es ist trotzdem immer wieder schön, die Spielfreude, die schönen Kostüme und die Leichtigkeit dieses Ensembles zu sehen.

Das schreibt die Presse

Kostüme
Schauspielerische Leistung
Humor
Spannung

 

 

 

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