Wenn
das Wörtchen "Wenn" nicht wäre, hätte die
Sonne zur Première geschienen,
aber es hat aus Eimern gegossen. Schlecht für ein Open-Air-Theater.
Wenn im Ausweichquartier keine Hochzeitsfeier stattgefunden
hätte,
wären
die Schauspieler dorthin ausgewichen. Wenn die zweite Notlösung "Kaisersaal"
nicht so hallen würde, hätte man nicht so angestrengt zuhören
müssen.
Die Kosterspieler von Brauweiler hatten es nicht leicht an diesem Tag
und nahmen es doch so gelassen und schienen sich trotzdem auf ihre
Première zu freuen. Auch Regisseur Christos Nicopoulos machte
gute Miene zum bösen Spiel und entschied, dass die Zuschauer mit
der heutigen Eintrittskarte zu einer der nächsten Open-Air-Veranstaltung
wiederkommen dürfen, denn man müsse heute improvisieren und
könne nicht zeigen,
was so lange einstudiert wurde. Und das hieß auch keine Scheinwerfer,
kein Bühnenbild, außer zwei Tischen, und somit keine wirklich
tolle Atmosphäre, die die Aufführungen der Klosterspieler
doch immer zu etwas so besonderem macht.
Zum Inhalt
Viola hat ein Schiffsunglück vor der Küste Illyriens überlebt,
bei dem ihr Zwillingsbruder Sebastian ums Leben gekommen zu sein scheint.
Viola beschließt als Knabe verkleidet in die Dienste des Herzogs Orsino
zu treten, der über Illyrien herrscht. Orsino ist unsterblich verliebt
in die Gräfin Olivia, die aber aus Trauer um ihren verstorbenen Bruder
sieben Jahre lang ihr Gesicht verschleiern und die Gesellschaft von Männern
vermeiden will. Die als Mann verkleidete Viola, die sich jetzt Cesario nennt,
gewinnt rasch die Gunst Orsinos und wird von ihm beauftragt, seine Liebesbotschaften
an Olivia zu übermitteln. Olivia verliebt sich jedoch in den „jungen
Mann“ Cesario, während Cesario/Viola Gefallen am Herzog gewonnen
hat.
Auch Ritter Andreas Bleichenwang
(im Original Andrew Aguecheek) würde
Olivia gerne heiraten und findet Unterstützung bei Olivias Onkel
Tobias Rülps (Toby Belch), der es auf das Geld seiner Nichte abgesehen
hat, um seine Saufgelage zu finanzieren. Die nächtlichen Ausschweifungen
der beiden werden jedoch von dem Verwalter Malvolio immer wieder gestört.
Um sich an dem Widersacher zu rächen, beschließen Rülps
und Bleichenwang zusammen mit der Zofe Mary und dem Narren Feste, Malvolio
einen Streich zu spielen: Mary, deren Handschrift derjenigen Olivias
gleicht, fälscht einen Brief der Gräfin an den Verwalter, der
diesen glauben machen soll, Olivia habe ein Auge auf ihn geworfen. Malvolio
fällt auf den Inhalt herein und handelt gemäß den Vorgaben
des Briefes: er trägt gelbe Strümpfe mit überkreuzten
Strumpfbändern, benimmt sich seltsam und lächelt die ganze
Zeit. Wegen dieses Verhaltens erklären Tobias und Mary Malvolio
für verrückt und sperren ihn in einen dunklen Raum. Der Eingesperrte
wird obendrein gepeinigt, als sich Feste ihm als Geistlicher vorstellt
und behauptet, der Raum sei voller Fenster und hell.
Die Ereignisse überschlagen
sich, als Sebastian – der den
Schiffbruch überlebt hat – auftaucht und für Cesario
gehalten wird. Olivia trifft auf Sebastian, verwechselt ihn mit Orsinos
Boten und heiratet ihn Hals über Kopf. Es kommt zum Showdown: Orsino
droht, den vermeintlich untreuen Diener zu töten, was durch das
Auftreten Violas jedoch verhindert wird. Am Ende wendet sich Vieles zum
Guten: Sebastian bleibt bei Olivia, die Zwillinge erkennen einander,
Orsino verspricht Viola zu heiraten, Bleichenwang zieht unverrichteter
Dinge davon, Sir Toby heiratet das Kammermädchen Maria und Malvolio
wird aus seiner Gefangenschaft entlassen.
Meine Meinung zum Stück
Es
fällt mir schwer, eine Aufführung zu bewerten, die allenfalls wie eine
Probe auf mich wirkte, wofür das Ensemble aus den o. g. Gründen nichts
konnte. Ich bin mir sicher, dass die Inszenierung in der gewohnten
Umgebung, unter diesem schönen großen Baum bei sommerlichen Abendtemperaturen
ein Hingucker ist. Denn die Darsteller verstehen ihr Handwerk, spielen
locker und authentisch, selbst in schwierigen Situationen. Astrid
Lenzen gefiel mir besonders als Sir Toby, der im Stück gerne
einen über den Durst trinkt. Burschikos schwankte sie über die Bühne
und zeigte sogar in einer Männerrolle, wie wandelbar sie ist. Auch Anne
Falkenburg als Viola und noch immer eine der jüngsten Darstellerinnen
wirkte ziemlich locker und überzeugend in ihrer Rolle, wenn sie auch
immer noch den ein oder anderen Blick ins Publikum wirft und somit
der Rolle entgleitet. Als Orsino trat Martin Wilmers mit
symphatischem und souverändem Ausdruck und klarer Stimme in die Fußstapfen
des Herzogs von Illyrien. Hans Rosenbaum mimte den
Malvolio. Er schaffte es spielend, Mitleid für seine Rolle, den
gepeinigten Haushofmeister, zu erregen. Die Rolle des Hausnarren
wurde von Gabi Assmann-Menz übernommen. Hierbei
fehlte mir ein wenig das Närrische, wirkte auf mich eher etwas Altklug,
was zwar wieder für den Narren spricht, er seine Intelligenz gegenüber
seinen Herren eigentlich nicht zeigen sollte. Interessant aber war,
dass er permanent
von einem Affen begleitet wurde, was nicht im Original zu finden
ist. Dadurch wirkte das Narren-"Paket" wieder etwas lockerer. Im
sehr ausdrucksstarkem Affenkostüm steckte Patricia Falkenburg. Mit
viel Engerie hüpfte und kreischte sie über die Bühne und diente
zusätzlich als Sprachrohr des Narren und Unterhalter an der "Affenorgel".
Beate Lenzen machte eine gute Figur als reiche Gräfin
Olivia, war mir stimmlich aber etwas zu eintönig. Franz
Ott, der
sein Debüt im letzten Jahr in der Rolle des Zettel beim Sommernachtstraum gab,
machte auf mich den Eindruck, als stünde genau dieser Zettel wieder
auf der Bühne. Er spielt so lustig unbeholfen, und es passt auch
hier in der Rolle des Sir Andrew Bleichenwange wie die Faust aufs
Auge. Ich bin gespannt, ihn mal in einer ernsten Rolle zu sehen.
Bei Shakespeare ist es normal oder sogar gewollt, dass Männer in
Frauenrollen schlüpfen was damit besonders für Komik sorgt. In dieser
Inszenierung war es eine Not, dass Frauen in Männerrollen schlüpfen
mussten, was nicht so lustig wirkt, wie eben anders herum.
Fazit
Shakespeare
in einem schönen Ambiente zu sehen, macht es dem Zuschauer sicher
leichter, der Geschichte und den ganzen Wirrungen des Stückes
zu folgen. Auf dieser Behelfsbühne hatte ich so meine Schwierigkeiten,
was mehr an der Akustik und meiner wetterbedingten Migräne lag
als an der Darstellung. Es ist trotzdem immer wieder schön, die
Spielfreude, die schönen Kostüme und die Leichtigkeit dieses
Ensembles zu sehen.
Das schreibt die Presse
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